9.–19. Juni 2022 in Mülheim an der Ruhr, Köln und Düsseldorf
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Programm 2021

Bei der diesjährigen Auswahl zum SHOWCASE schlug das Impulse Theater Festival einen Sonderweg ein. Das endgültige Programm des SHOWCASE 2021 entspricht nicht der „Auswahl 2021”. Endgültig eingeladen sind jene Produktionen aus der getroffenen Auswahl, die unter den zum Festivalzeitpunkt geltenden Hygieneauflagen realisierbar sind. Wurde eine Arbeit ausgewählt, kann aber nicht gezeigt werden, erhalten die Künstler*innen ein Preisgeld. Damit will das Festival den Planungsunsicherheiten und existenziellen Sorgen, denen Künstler*innen derzeit ausgesetzt sind, ein Stück weit entgegenwirken. Im diesjährigen Programm sind auch Produktionen zu sehen, die im letzten Jahr nicht gezeigt werden konnten.

Im Februar 2020 war St. Pauli für kurze Zeit um eine Attraktion reicher: Das Queens, ein Club nur für Frauen, die Männer begehren. Auf dem schmalen Grat zwischen Kunst, Sexarbeit und Fürsorge erlebten die Besucher*innen in 1:1-Begegnungen mit männlichen Performern, was viele seit Beginn der Pandemie schmerzlich vermissen: Berührung. Im Impulse-SHOWCASE ist das Team des Queens mit einer Videobotschaft vertreten.

Video on demand (kostenfrei)

Sprache: Deutsch

© Margaux Weiß
© Margaux Weiß
© Margaux Weiß
© Margaux Weiß
© Margaux Weiß

Credits

Konzept: Sibylle Peters
Kamera: Ansuman Biswas u.a.
Schnitt: Nils Loefke, Sibylle Peters
Text und Performance: Sibylle Peters, Charlotte Pfeifer, Ansuman Biswas, Nina Klöckner, Nils Loefke, Simon Mantei, Maik Reif, Michael von Schönberg, Bakary Trawally, Eidglas Xavier.

Danke an Katharina Duve, Matthias Anton und die MS Stubnitz.

Produktion

Eine Koproduktion mit Kampnagel, Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Elbkulturfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Biografie

Sibylle Peters ist Performancekünstlerin und Kulturwissenschaftlerin, künstlerische Leiterin des FUNDUS THEATERS/THEATRE OF RESEARCH in Hamburg und Mitgründerin des Graduiertenkollegs Performing Citizenship. Sie arbeitet häufig mit dem Performancekollektiv geheimagentur. Ihre Schwerpunkte sind: Theorie und Praxis der Versammlung, transgenerationelle und partizipative Forschungsprozesse. Zu ihren jüngsten Projekten zählt QUEENS. DER HETERACLUB, das für den Impulse-SHOWCASE 2021 ausgewählt wurde.

Playblack

Joana Tischkau vor Ort in der TanzFaktur, Live-Stream + Chat

It’s Showtime, Baby! In PLAYBLACK werden Songs und Interviews von Ikonen der Popgeschichte kopiert und angeeignet. Eine rasante Collage über die Rolle Schwarzer Entertainer*innen in der weiß dominierten Unterhaltungsindustrie.

03.06. vor Ort in der TanzFaktur, Köln / Live-Stream + Chat
04.–06.06. Video on demand

Sprache: Englisch und Deutsch

© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

„If you’re thinking about being my Baby, it don’t matter if you’re black or white” singt der King of Pop in seinem Hit. „Black or White“ ist eine audio-visuelle Symbiose zwischen weißen Rockgitarrenriffs und Schwarzem Gangster Rap. Zum Release 1991 schwärmt Michael Jacksons Plattenfirma Epic Records sogar von einem „’Rock n’ Roll dance song about racial harmony’“.

Popmusik behauptet immer wieder, rassistische Machtstrukturen überwinden zu können. Dieser Farbenblindheit begegnet PLAYBLACK mit einem kindlichen Trotz, der genau das Gegenteil beweist. Ungeniert klaut Joana Tischkau das Format der Mini Playback Show und zeigt darin, dass die weiße Erfahrung nicht allgemeingültig ist. In einem immer chaotischer werdenen Kampf mit Kostümen, Perücken und Tanzschritten imitieren die Performerinnen Interviews und Bühnenshows verschiedener Figuren der Popgeschichte: Choreografie, Gestik, Mimik, Playback – eine perfekte Kopie.

PLAYBLACK offenbart das ambivalente Potenzial der Nachahmung: Sie kann Solidaritätsbekundung sein, aber auch Karikatur. Das weiße Begehren nach Schwarzer Verkörperung wird entblößt, indem wir uns tief in den Abgründen, Erinnerungen und Projektionen Afroamerikanischer und -deutscher Kulturproduktionen verirren. Ab in die Zauberkugel!

Credits

Performance: Joana Tischkau, Dori Antrie, Clara Reiner
Chor: Dilara Celebi, Nadine Kiala, Rahma Klein
Tonregie: Jan Gehmlich
Dramaturgie: Elisabeth Hampe
Lichtdesign: Dennis Dieter Kopp
Kostüm: Nadine Wagner
Assistenz: Leonie Kopineck
Grafikdesign und Bühne: Justus Gelbert
Bildregie: Anh Trieu
DOP: An Nguyen
Bildmischer: Nao Aphischai Luu
Produktionsleitung: Lisa Gehring
Streaming Operator: Jonathan Kastl
Kamera: Michael Maurissens, Max Kluger

Produktion

PLAYBLACK ist eine Produktion von Joana Tischkau in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Studiengang Choreographie und Performance im Rahmen der Hessischen Theaterakademie, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt.

Biografien

Annedore Adei Antrie studiert derzeit als einzige Person of Color im dritten Jahr Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Als schauspielender Mensch steht sie für studentische und freie Projekte auf der Bühne und vor der Kamera und hofft, dass sie als Schwarze Darstellerin nach ihrem Abschluss an interessanten und komplexen Rollen und Projekten mitwirken kann und ihr stereotype, nur durch ihr Schwarzsein markierte Charaktere erspart bleiben. Als Teilnehmerin der „Mini Playback“ Show würde sie Judi Jacksons Hit „Still“ performen.

Jan Gehmlich studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Er schreibt Songs, produziert Hörstücke, Podcasts, Soundcollagen und Bühnenarbeiten oftmals in Kollaboration. Sein Schaffen wird von dem Vorsatz geleitet, sich als weißer Cis-Mann in den Dienst feministischer und antirassistischer Kunstproduktion zu stellen, in der Frauen und POCs als Autor*innen auftreten können. Da das Kunstmachen nur die halbe Miete ist, fährt er mit einem Golfcaddy am Frankfurter Flughafen herum und bringt Passagiere zu ihrem Gate. Er ist auf der Suche nach Jobs im Bereich Ton, Performance und emotionale Fürsorge.

Elisabeth Hampe studierte Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sie schreibt Konzepte, arbeitet als Performerin, Dramaturgin und nebenbei in einem Berliner Plattenladen. Ihr Interesse gilt den Repräsentationsmechanismen Schwarzer Musik und Kulturproduktion, so befasste sie sich z. B. kritisch mit dem viel diskutierten Mittel des Blackfacings auf deutschen Bühnen.

Dennis Dieter Kopp studierte Theater, Medien und Literatur an der Universität Hildesheim. Seit 2012 arbeitet er* als Beleuchter*, Performer* und Dramaturg* u. a. an den Münchner Kammerspielen sowie für Oliver Zahn//HAUPTAKTION, Thermoboy FK, christians//schwenk, Henrike Iglesias, Markus&Markus, Marie Simons und Ceren Oran und Joana Tischkau. Als Soloperformer* und Mitglied von cobragianni.cobra ist er* verantwortlich für „Let Me Be the Object of Your Desire“ (2012) und „EIN BISSCHEN MEHR MUSS MAN SCHON SEHEN oder: Wie ich mich in einen Schmetterling verwandelte“ (2017). Seine* künstlerische Praxis befasst sich vor allem mit Fragen kritischer Männlichkeitsforschung auf der Suche nach queeren, feministischen und intersektionalen Perspektiven.

Clara Reiner kam dank ihrer Kindheit in einem popfernen Haushalt erst durch die Arbeit an PLAYBLACK in den Genuss der „Mini Playback Show“. Inzwischen hat sie ein Gespür für die Fallstricke des Showbusiness und einen Ohrwurm entwickelt. Wenn sie nicht mit PLAYBLACK tourt, studiert sie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sie macht Stücke und Dinge, arbeitet meistens mit anderen und interessiert sich für nichtmenschliche Akteur*innen.

Joana Tischkau tanzt. Eine der ersten Erinnerungen daran ist der Moment, als sie zu Kaomas Hit „Lambada“ von 1989 auf einer Kindergeburtstagsparty abdancte. Diese Erfahrung bewegte sie dazu, sich bei der Tanzschule nebenan für Jazzdance, Streetdance und Videoclip-Dancing anzumelden. Später studierte sie Tanz und Schauspiel an der Coventry University in Großbritannien sowie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Ihre künstlerische Praxis ist ein hybrides Durcheinander, das die Schriften von bel hooks auf Beatboxing treffen lässt, in dem ein Fitness-Workout aus weißem Bewegungsmaterial entsteht und Roberto Blanco als König Schwarzer deutscher Unterhaltungskunst gehuldigt wird. PLAYBLACK ist ihre Master-Abschlussinszenierung.

Ina Trenk studiert Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und lernte Joana Tischkau und Jan Gehmlich über die gemeinsame Arbeit am von Anne Kapsner initiierten Projekt „Der Ursprung der Welt“ an der Hessischen Theaterakademie kennen. Obwohl sie die Bühnenoutfits von Boney M. sofort inspirierten, kannte sie die Band vorher nicht. Ihr Lieblingssong ist „Green Grass of Tunnel“ von Múm.

Mit Echten singen

Tanja Krone und Friedrich Greiling (Mittekill) vor Ort in der TanzFaktur, Live-Stream

30 Jahre nach der Wende fährt Tanja Krone in ihre sächsische Heimat und stellt Fragen: Was war da eigentlich los, ’89/90? Die Stimmen ihrer alten Weggefährt*innen fügen Krone und der Musiker Friedrich Greiling in einer Mischung aus Pop, Rock, Techno, Disco und Trance zusammen. Eine persönliche Konzert-Performance, die tiefe Einblicke in ostdeutsche Realitäten gewährt.

04.06. TanzFaktur, Köln / Live-Stream
05.-13.06. Video on demand

Für die Konzert-Performance am 04.06. ist eine begrenzte Anzahl von Open-Air-Tickets erhältlich.

Sprache: Deutsch

© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

Credits

On Stage: Tanja Krone, Friedrich Greiling
Backstage: Johanna-Yasirra Kluhs, Eva Lochner, Leonie Kusterer
Mit Texten von: Ulla, Manu, Herr H., Carmen K., Randy, Herr N., Frau M., Eric, Marco, Josi, Kati, Verena, Katja, Antje

Produktion

Mit Dank an HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden.

Biografien

Tanja Krone ist Regisseurin, Kuratorin, Performerin und Musikerin. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Kunst als Möglichkeitsraum und dem Aspekt gesellschaftlicher Teilhabe und sucht nach der Poesie im Dokumentarischen. Seit 2019 verschafft sie in ihrer Realserie MIT ECHTEN REDEN den Stimmen der (und ihrer) Vergangenheit auf unterschiedlichste Weise Gehör. Gemeinsam mit Friedrich Greiling und der Konzert-Performance MIT ECHTEN SINGEN tourt Krone seit Sommer 2020 durch die Provinzen.

Friedrich Greiling ist als Musiker sowohl Komponist, Texter, Produzent und Performer als auch Singer und Songwriter für Theater, Pop, Film und Club. In künstlerischen Projekten wie VÖLKERWANDERUNG (Turbo Pascal, Theater Freiburg), WECHSELSTUBE (Deutsches Theater Berlin), UNTERSCHEIDET EUCH! (Theater an der Parkaue, Berlin) oder der europäischen Expedition FROM A TO BE – TRANSPORT/ART FOR FREE werden unter seiner Leitung von Teilnehmenden Musikstücke erarbeitet und performt. Gemeinsam mit Jan Hohmann produziert er unter dem Namen Mittekill u. a. elektronische Musik.

Body of Knowledge (at home)

Samara Hersch Telefongespräch + Videokonferenz

Das Theater kommt zum Publikum nach Hause! Per Telefon sind die Zuhörer*innen untereinander und mit acht Teenagern aus Australien verbunden. In körperlicher Vereinzelung entsteht ein berührender Dialog zwischen den Generationen – über Nähe, Sexualität, Zukunftsängste und Trauer.

05.06.21 22:30–23:45

AUSVERKAUFT

06.06.21 13:00–14:15

AUSVERKAUFT

11.06.21 22:30–23:45

AUSVERKAUFT

13.06.21 11:00–12:15

AUSVERKAUFT

13.06.21 13:00–14:15

AUSVERKAUFT

Telefongespräch + Videokonferenz

Sprache: Englisch

© Pier Carthew
© Pier Carthew
© Pier Carthew

Die ursprüngliche Version des Stücks tourte 2019 erfolgreich auf den Bühnen Australiens und Europas. Vor dem Hintergrund der Pandemie hat Samara Hersch eine Version ihrer Arbeit entworfen, die es den Zuschauer*innen ermöglicht, von zu Hause aus teilzunehmen. Über digitale Signale verbunden tauschen Jugendliche und Erwachsene Wissen und Erfahrungen untereinander aus und lassen sich im Schutz der Anonymität auf die unsicheren Gefilde einer Begegnung mit Unbekannten ein.

Um an der Performance teilnehmen zu können, benötigen Sie einen Computer sowie ein Telefon mit WhatsApp-Zugang. Außerdem erhalten Sie per Post ein Päckchen mit Requisiten. Zur Abfrage der Nummer, unter der Sie bei WhatsApp zu erreichen sind, sowie Ihrer Postadresse senden wir Ihnen nach dem Ticketkauf eine E-Mail. Bitte schauen Sie ggf. auch in Ihrem Spam-Ordner nach.

Credits

Künstlerische Leitung: Samara Hersch

Creative Technology: Fred Rodrigues, Nathan Fain
Künstlerische Mitarbeit: Cassandra Fumi
Dramaturgie: Maria Rößler
Produktionsassistenz: Bec Reid
Photos: Pier Carthew

Produktion

BODY OF KNOWLEDGE wurde realisiert im Rahmen von Be SpectACTive! in Koproduktion mit SICK! Festival, Liveworks Festival of Experimental Art und Carriageworks. Die „At Home“-Version ist eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hamburg, und Zürcher Theater Spektakel.

Biografie

Samara Hersch ist Theatermacherin, Regisseurin und Künstlerin, deren Praxis die Intersektionen von zeitgenössischer Performance und gesellschaftlichem Engagement erforscht. Sie schloss kürzlich ihren Master am DAS Theatre in Amsterdam ab. Ihr Interesse gilt dem generationenübergreifenden Diskurs und nichthierarchischen Formen des Wissensaustauschs. Ihre Arbeit WE ALL KNOW WHAT’S HAPPENING, die sie gemeinsam mit Lara Thoms und sieben Kindern aus Melbourne realisierte, wurde mit dem ZKB Förderpreis und dem Publikumspreis des Zürcher Theater Spektakel 2019 sowie mit dem Green Room Award für die beste zeitgenössische und experimentelle Performance in Melbourne ausgezeichnet.

Takdİr. Die Anerkennung

Ülkü Süngün vor Ort in Köln

Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.

05.06.21 14:00–14:45

+ Gespräch im Anschluss

Im Anschluss an die Vorstellung am 05.06. Gespräch mit Ülkü Süngün und Kutlu Yurtseven (engagiert bei der Initiative „Keupstraße ist überall“, Rapper bei der Kölner Gruppe Microphone Mafia, Lehrer, Sozialarbeiter sowie Mitwirkender bei der Keupstraßen-Trilogie am Schauspiel Köln).
Sie sprechen über verschiedene Formen der Erinnerungsarbeit und die Wichtigkeit eines solidarischen Aktivismus.

Sprache: Deutsch

TAKDİR. DIE ANERKENNUNG Ülkü Süngün © Robin Junicke
TAKDİR. DIE ANERKENNUNG Ülkü Süngün © Robin Junicke
© Christian Schuller

Die Performance beginnt mit einem Lauttraining: Jeweils eine Person sitzt der Künstlerin gegenüber und übt mit ihr die türkische Aussprache der Buchstaben „r“, „z“, „ı“ und „ç“. Daraufhin lernen die Teilnehmendein, die Namen der zehn Opfer richtig auszusprechen, um sie dann gemeinsam mit Ülkü Süngün laut vorzutragen. Der Sprachkurs wird per Lautsprecher übertragen und so verstärkt, dass er rundherum hörbar ist. Mit jeder*m weiteren Teilnehmenden wird der „Chor der Sprechenden und Erinnernden“ lauter.

Takdir heißt übersetzt Anerkennung, Wertschätzung. Im Akt des repetitiven Aussprechens der Namen klingen Erinnerung und Anerkennung nach, es entsteht ein temporäres Denkmal an die NSU-Mordopfer. Ülkü Süngün hinterfragt in ihrer Performance Praktiken der Erinnerungskultur im öffentlichen Raum: Wer wird anerkannt, wer wird mit Denkmälern geehrt und wer nicht? Wie kann Erinnerung öffentlich stattfinden, ohne mit einem Monument bedacht zu werden? In welcher Form kann Erinnerung in Sprache gefasst werden? Und was bedeutet der jeweilige Moment des Erinnerns für jede*n Einzelne*n von uns?

Produktion

Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Biografie

Ülkü Süngün lebt und arbeitet in Stuttgart, wo sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei studierte. Ihre künstlerische Forschung untersucht mittels prozessorientierter wie kollaborativer Ansätze Migrations- und Identitätspolitiken ebenso wie Erinnerung. Ihre kritischen Arbeiten bedienen sich dabei der Fotografie, der Installation und der Bildhauerei, werden aber auch als Lecture-Performances realisiert. Als Dozentin an der Merz Akademie und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart beschäftigte sie sich auch mit emanzipatorischen Fragen der Lehre. Im Künstlerhaus Stuttgart realisierte sie ihr Projekt „Institut für Künstlerische Migrationsforschung“. Mit dem 2017 gegründeten gleichnamigen Verein macht sie ihre bisherige künstlerische, sozial- und gesellschaftskritische Praxis strukturell sichtbar und nutzt Räume nomadisch.

Unterscheidet Euch!

Turbo Pascal Videokonferenz

Menschen sind verschieden, und das ist ganz normal. Aber was ist mit dem Unterschied zwischen Arm und Reich? Muss das so sein? Und ist das gerecht? Ein interaktives Gesellschaftsspiel über die Frage, wer oder was bestimmt, welche Wege Kindern offenstehen und welche nicht.

08.06.21 10:00–11:15

Schulvorstellung

08.06.21 18:00–19:15 Tickets 09.06.21 10:00–11:15

Schulvorstellung

Videokonferenz

Sprache: Deutsch
Für Kinder von 9 bis 14 Jahren (4. – 7. Klasse) und Erwachsene

Informationen zu den Teilnahmemodalitäten finden Sie hier.
Interessierte Lehrer*innen wenden sich bitte an info[at]impulsefestival.de.

© Daniela del Pomar
© Christian Brachwitz
© Christian Brachwitz

Im Publikum gibt es Gestreifte, Geblümte und welche mit Schrift auf der Kleidung. „Ich kann da keine Ordnung erkennen!“, ruft einer der Schauspieler. Oder werden Menschen doch sortiert? Turbo Pascal spielen mit dem Publikum gesellschaftliche Ordnungen durch und versuchen, Unordnung zu stiften. Die jungen Zuschauer*innen können sich selbst aussuchen, unter welcher Überschrift sie sich wohlfühlen — bei den Schüchternen, den Coolen, den Fußballfans, den Pferdefans.

Aber ist es auch okay, die Armen und Reichen auseinander zu sortieren? Und wann ist man arm, wann reich, wann in der Mitte? Ist reich, wer in einem Haus am Stadtrand mit eigenem Garten wohnt? Oder erst wer Aktien im Wert von fünf Millionen Euro besitzt? Wie wird man arm, wie wird man reich? Hat das damit zu tun, wer wieviel arbeitet? Oder ist das von Anfang an vorbestimmt? Und wie sind die Leute, die hier auftreten, eigentlich zum Theater gekommen? Die eine hat in der Elternlotterie Theaterfans gezogen, der andere erzählt, dass Geld für seine Eltern kein Thema war — er sollte sich einfach einen Beruf aussuchen, der ihm Spaß macht. Und ein Dritter hatte Eltern, die kaum Bücher besaßen. Nicht alle haben dieselben Startbedingungen, dieselben Chancen. Und wenn man die Unterschiede nicht kennt, dann kann man auch nichts daran ändern.

Hinweis:
Die Online-Performance findet mittels der Plattform „Zoom“ statt. Für die Teilnahme wird pro Person ein Rechner oder ein Laptop mit Kamera und Mikrofon (am besten mit Kopfhörern) benötigt, auf dem die aktuelle Version der Software installiert ist. Mit Tablets oder Handys funktioniert das Format leider nicht. Für die interaktive Teilnahme ist es wichtig, dass die Kamera eingeschaltet sein darf. Deshalb muss im Vorfeld eine Datenschutzerklärung ausgefüllt werden.

Ausgezeichnet mit dem IKARUS-Theaterpreis des JugendKulturService Berlin 2019

Credits

Darsteller*innen: Friedrich Greiling, Hanni Lorenz, Wolfgang Boos sowie in
wechselnder Besetzung: Eva Plischke, Angela Löer, Frank Oberhäußer
Regie: Turbo Pascal
Bühne, Kostüm: Janina Janke
Musik: Friedrich Greiling
Dramaturgie: Karola Marsch
Dramaturgische Beratung digitales Spielformat: Jutta Wangemann
Vermittlung: Maria Karamoutsiou
Regieassistenz: Meike Krämer
Assistenz Bühne + Kostüme: Orli Baruch
Bühnentechnik: Henning Beckmann
Lichtgestaltung: Rainer Pagel
Ton- und Videotechnik: Max Berthold
Digitale Inspizienz: Janina Janke, Margret Schütz
Maske: Annika Titzmann
Requisite: Sarah Kornettka
Ankleide: Ute Seyer

Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit Schulklassen der Hector-Peterson-Schule, der Pettenkofer-Grundschule, der Paavo-Nurmi-Grundschule und des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums.

Produktion

Junges Staatstheater Berlin – Theater an der Parkaue.

Biografie

Turbo Pascal entwickelt interaktive Performances, die das Theater zum Versammlungs- und Verhandlungsraum gesellschaftlicher Prozesse, Dynamiken und Utopien machen. Zudem realisiert das Kollektiv, das sich im Kontext des Studiengangs Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim gründete, partizipative Projekte mit Bürger*innen oder Jugendlichen und konzipiert Gesprächs- und Kommunikationsformate. Seit 2008 hat das Kollektiv seinen Sitz in Berlin und arbeitet kontinuierlich mit den Sophiensælen zusammen, außerdem mit dem HAU, dem Deutschen Theater und dem Theater an der Parkaue. Turbo Pascal sind Angela Löer, Eva Plischke, Frank Oberhäußer, Margret Schütz (Konzeption, Performance), Friedrich Greiling (Musik), Janina Janke (Raum) sowie Lisanne Grotz und Marit Buchmeier (Produktion).

Hate me, tender. Solo for future feminism

Teresa Vittucci vor Ort in der TanzFaktur, Live-Stream

Reinheit, Unschuld, Perfektion — das sind die Attribute der Jungfrau Maria. In einem lust- und humorvollen Solo sucht Teresa Vittucci nach dem feministischen Potenzial dieser Ikone und zeigt, wie der Mythos der bis zum ersten Sex versiegelten Frau bis heute Vorstellungen von Weiblichkeit beeinflusst.

10.06. vor Ort in der TanzFaktur, Köln / Live-Stream + Chat (in deutscher Sprache)
12.06. vor Ort in der TanzFaktur, Köln / Live-Stream + Chat (in englischer Sprache)

Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Sprache: Englisch

© Yushiko Kusano
© Yushiko Kusano
© Yushiko Kusano

Maria gilt im Christentum als die ideale Frau. Denn sie vereinbart das Unvereinbare, sie ist Jungfrau und Mutter zugleich. Reale Frauen können diesem Ideal niemals gerecht werden. Der Marienkult stellt sie vor eine unerfüllbare Herausforderung. Damit ist Maria eine der Quellen von Selbsthass und Hass auf Frauen.

Aber Maria ist auch barmherzig, verletzlich und voller Liebe. Teresa Vittucci schafft Bilder, die diesen Eigenschaften andächtig Raum geben — und zeigt schonungslos auf all die Lügen und falschen Vorstellungen rund um die jungfräuliche Frau. Aus einem stillen Bild erwächst eine wütende Anklage. Vittucci räumt auf mit der Geschichte vom Jungfernhäutchen als einem Verschluss mit Frischegarantie, der beim ersten Sex durchstoßen wird. Die Ikone ermächtigt sich.

Credits

Konzept und Performance: Teresa Vittucci
Dramaturgische Beratung: Benjamin Egger, Veza Fernández, Rafał Pierzyński
Bühne: Jasmin Wiesli, Teresa Vittucci
Produktionsmanagement: groundworkers // Kira Koplin
Produktion: OH DEAR Zürich
Kontakt für Gastspielanfragen: Kira Koplin, kira[a]groundworkers.at

Produktion

Koproduktion: Tanzhaus Zürich, Zürcher Theater Spektakel. Entwickelt im Rahmen des PREMIO-Nachwuchspreises für Theater und Tanz, Espacio do Tempo Montemor. Gefördert von Migros-Kulturprozent, Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung.

Mit besonderem Dank an Julia Haenni, Gina Gurtner und Simone Aughterlony.

Biografie

Teresa Vittucci ist Choreografin und Performerin. Sie absolvierte das Konservatorium in Wien, die Ailey School sowie die Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) und machte ihren M.A. an der Hochschule der Künste Bern. Seit 2013 arbeitet sie als Soloperformerin und entwickelt Stücke wie „UNLEASH“ (2012), „LUNCHTIME“ (2015), „ALL EYES ON“ (2017) und HATE ME, TENDER (2018). Sie kollaborierte mit zahlreichen Künstler*innen, darunter Simone
Aughterlony, Marie-Caroline Hominal, Trajal Harrell und Nils Amadeus Lange. 2019/20 ist Teresa Vittucci Young Associate Artist (YAA!) des Tanzhaus Zürich. Mit HATE ME, TENDER gewann sie 2019 den Schweizer Tanzpreis.

„Take my hand as we collect Dosenpfand“, fordern Fehler Kuti und die Polizei. In ihrer Bühnenshow wirbeln sie Musik, Theater und Theorie durcheinander. Heraus kommt ein tanzbares quasireligiöses Ritual, das die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes offenbart, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat.

11.06. 22:00-24:00: Stream mit Live-Chat mit Julian Warner
12.06. 00:00–24:00: Video on demand

Sprache: Deutsch und Englisch

© Julian Baumann
© Julian Baumann
© Julian Baumann
© Julian Baumann

Die Polizei spielt auf. Frontman Fehler Kuti besingt deutsches Sicherheitsbedürfnis, Heimat- und Ordnungspolitik: von der Verklärung des deutschen Waldes über Deindustrialisierung und Klassenkampf bis hin zu Informationsgesellschaft und racial profiling. Gemeinsam offenbaren sie die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat. Wer ist hier die Polizei, wer setzt die herrschende Ordnung durch, wer hält sie am Leben?

Credits

Von und mit Markus Acher, Micha Acher, Cico Beck, Fehler Kuti, Theresa Loibl, Sascha Schwegeler

Dramaturgie: Adele Mike Dittrich Frydetzki
Bühne: Jana Schützendübel
Kostüm: Katharina Böhringer
Licht: Jonaid Khodabakhshi
Ton: Nicolas Sierig
Kamera: Nicole Marianna Wytyczak, Joel Heyd
Schnitt: Su Steinmassl
Produktionsmanagement: Veronika Heinrich

Produktion

Eine Produktion von Julian Warner in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Biografien

Julian Warner arbeitet als Kulturanthropologe in den Bereichen Kuration, Musik, Performancekunst und Wissenschaft. Er ist künstlerischer Leiter des Festivals der Kulturregion Stuttgart 2022 und Kurator für das Festival Spielart in München. Unter dem Alias Fehler Kuti veröffentlicht er Diskurs-Pop. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete Warner am Institut für Kulturanthropologie der Georg-August-Universität Göttingen. Im April 2021 erschien der von ihm herausgegebene Sammelband AFTER EUROPE. Beiträge zur dekolonialen Kritik im Verbrecher Verlag.

Markus Acher ist Sänger, Schlagzeuger und Komponist. Mit seinem Bruder Micha Acher ist er Teil der Weilheimer Band The Notwist. Neben anderen Bandprojekten macht Acher auch Musik für Film, Hörspiel und Theater. Gemeinsam mit Micha Acher kuratierte er das Festival Alien Disko, das viermal in den Münchner Kammerspielen stattfand.

Micha Acher ist Komponist und Musiker und Mitglied von The Notwist. Seit 2018 spielt und komponiert er in einem Trio mit dem Jazz-Saxofonisten Johannes Enders und dem Jazz-Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer. Zudem macht Acher Musik für Theater und Film.

Cico Beck ist freiberuflicher Komponist und Musiker. Er studierte an der Musikhochschule Münster. Neben seinem Studium beschäftigte Beck sich mit elektronischer, experimenteller und Popmusik sowie mit deren Überschneidungen. Beck schreibt und spielt Musik für Theater- und Tanzproduktionen, Kino- und Fernsehfilme und ist in zahlreichen Bands aktiv (u. a. The Notwist).

Theresa Loibl studierte Klarinette an der Hochschule für Musik Nürnberg und spielt zudem Tuba, Tasteninstrumente, Percussion und Bassklarinette. Als Musikinstrumentalistin pendelt sie für verschiedene Bandprojekte zwischen München und New Orleans.

Sascha Schwegeler, geboren in Köln, ist Grafiker und Musiker. Seit er denken kann, spielt er Schlagzeug und Percussion in Bands. Schwegeler ist Mitbetreiber des Münchner Plattenlabels Gutfeeling.

Tanz

Florentina Holzinger Verschoben zum Asphalt Festival

Anmut und Harmonie des romantischen Balletts treffen auf derbe Späße mit künstlichem Gedärm, Motorrädern und Fleischerhaken. Opulent und tabulos zelebriert Florentina Holzinger in ihrem von der Presse gefeierten „Meisterwerk“ Kritik und Freude an der Zurichtung des weiblichen Körpers.

VERSCHOBEN zum Asphalt Festival. Termine: 30.06. / 01.07. / 02.07.

Sprache: Englisch
Altersfreigabe: ab 18 Jahren

© Eva Würdinger
© Nada Zgank
© Eva Würdinger
© Eva Würdinger

Den Rahmen von TANZ bildet eine Ballettklasse unter der Leitung von Beatrice Cordua, die 1972 als erste Ballerina „Le Sacre du printemps“ nackt tanzte. Mit sanfter, aber unerbittlicher Stimme leitet sie ihre Schülerinnen durch eine strenge Ausbildung in „Aktionsballett“, die „Sylphic Studies“. In gemeinsamen Ritualen lernen sie, Körper und Geist zu beherrschen, und eignen sich übernatürliche Kräfte an: von Mentalistentricks bis hin zum Fliegen. Körper schweben durch die Lüfte, scheinbar schwerelos, an Haaren oder Fleischerhaken aufgehängt.

Und dabei fließt auch jede Menge Blut. Im dritten Teil ihrer Trilogie über spektakuläre Körper und deren Disziplinierung inszeniert Florentina Holzinger brutale Parodien auf Szenen aus Ballett, Slapstick-Shows und Horrorfilm. Nichts für schwache Nerven. Aber was ist schon etwas Schock und Ekel gegen den Schmerz eines ganzen Ballerinalebens?

Credits

Konzept, Performance, Choreografie: Florentina Holzinger
Performance von und mit: Renée Copraij, Trixie Cordua, Evelyn
Frantti, Lucifire, Annina Machaz, Maria Netti Nüganen, Suzn Payson,
Laura Stokes, Veronica Thompson, Lydia Darling
Videodesign, Livekamera: Josefin Arnell
Sounddesign, Livesound: Stefan Schneider
Lichtdesign, technische Leitung: Anne Meeussen
Bühne: Nikola Knezevic
Bühnenbildassistenz: Camilla Smolders
Dramaturgie: Renée Copraij, Sara Ostertag
Außenblick: Michele Rizzo, Fernando Belfiore
Theorie, Recherche: Anna Leon
Coaching: Btissame Amadour, Ghani Minne, Dave Tusk
Musik-Coach: Almut Lustig
Stunt-Unterstützung: Haeger Stunt & Wireworks
Stunt-Unterricht: Stunt Cloud GmbH (Leo Plank, Phong Giang, Sandra Barger)
Management: Something Great & DANSCO
Distribution: Something Great
Produktion: Spirit
Produktionsleitung: Laura Andreß
Finanzadministration: Julia Haas/SMART
Kontakt für Gastspielanfragen: Katharina Wallisch, katharina[a]somethinggreat.de

Produktion

Koproduziert vonTanzquartier Wien, Spring Festival, Productiehuis Theater Rotterdam, Künstlerhaus Mousonturm, Arsenic, Münchner Kammerspiele, Take Me Somewhere Festival, deSingel, Beursschouwburg, Sophiensæle, Frascati Productions, Asphalt Festival, Theater im Pumpenhaus. Unterstützt von /O Espaço do Tempo, Fondation LUMA, De Châtel Award

Dank an CAMPO Gent, ImPulsTanz, Eva Beresin, Stefanie Leitner, Tanz-Archiv MUK Wien, Stimuleringsfonds Creative Industries.

Gefördert von Kulturabteilung der Stadt Wien, Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur (BKA), Performing Arts Fund NL, Norma Fonds NL.

Biografie

Florentina Holzinger gilt als eine der provokantesten neuen Choreografinnen Europas. In ihren Arbeiten erkundet sie verschiedene Darstellungsweisen des Weiblichen und das Potenzial weiblicher Körperlichkeit. Dabei spielt sie bewusst mit Grenzverschiebungen zwischen Hochkultur und Unterhaltung, Pop und Trash. Auf mehrere Zusammenarbeiten mit Vincent Riebeek ab 2011 folgten das Solo „Recovery“, sowie „Apollon“. 2012 wurde Florentina Holzinger bei ImPulsTanz für ihr Solo „Silk“ mit dem Prix Jardin d’Europe ausgezeichnet. Zurzeit ist sie Artist in Residence am ICK in Amsterdam, ab 2021/22 wird sie u. a. an der von René Pollesch geleiteten Volksbühne in Berlin arbeiten.

The Kids are Alright

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen Entfällt

„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“, sagten die Eltern, als sie nach Deutschland kamen – und sahen ihre Kinder mit Rassismus aufwachsen. Die Video-Installation versammelt die Stimmen von sechs Menschen mit unterschiedlichem Migrationserbe, die von Generationenkonflikten, politischen Kämpfen und Zukunftsvisionen berichten.

ENTFÄLLT

Tanzfaktur, Halle
Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln

© Mayra Wallraff
© Mayra Wallraff
© Mayra Wallraff

Ein weiter Raum, Videoleinwände, ein stilisiertes Spielplatz-Karussell, ein Schaukelpferd. Darauf sitzen die Zuschauer*innen und hören die Familienerzählungen junger Menschen, deren Familien in den Nachkriegsjahrzehnten nach Deutschland kamen – auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Not. Sie sprechen über die Hoffnungen und Ansprüche ihrer Eltern, rassistische motivierte Ausgrenzung und Gewalt und über die politische Arbeit, die sie als Psychologin, antifaschistische Aktivistin oder Migrationsforscher für zukünftige Generationen machen: „Wir sind die Kinder der 90er Jahre. Und wir leben immer noch in Deutschland. Unsere Eltern mussten uns Solingen, Mölln und Rostock-Lichtenhagen erklären. Wir sprechen mit unseren Kindern über Halle und Hanau.“

Credits

Konzept: Simone Dede Ayivi
Video: Jones Seitz
Bühnenbild: Theresa Reiwer
Sound, Musik: Katharina Pelosi
Licht: Frieder Miller
Produktionsassistenz, dramaturgische Mitarbeit: Selma Böhmelmann
Ausstattungsassistenz: Chris Erlbeck
Kamera Außenaufnahmen: Thomas Machholz
Expert*innen: Nabila Bushra, Fatma Kar, Lenssa Mohammed, Dan Thy Nguyen, Kadir Özdemir
Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
Technische Produktion: Gefährliche Arbeit

Produktion

Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen in Koproduktion mit Sophiensæle, Berlin. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds.

Biografien

Simone Dede Ayivi studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. 2016 entwickelte sie an der akademie der autodidakten am Ballhaus Naunynstraße gemeinsam mit postmigrantischen Jugendlichen das Theaterprojekt „JETZT BIN ICH HIER!“, in dem sich diese mit ihrer aktuellen Lebenssituation in Deutschland auseinandersetzten. Im Rahmen von FIRST BLACK WOMAN IN SPACE war Ayivi mit der gesamten Produktion für drei Wochen Artist in Residence am Künstlerhaus Mousonturm. Seit 2012 arbeitet sie mit unterschiedlichen Kompliz*innen zusammen.

Katharina Pelosi studierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und arbeitet als Audiokünstlerin in den Bereichen Performance, Choreografie, Hörspiel und Installation. Sie ist Mitbegründerin des feministischen Performancekollektivs Swoosh Lieu. Von 2015 bis 2017 war Pelosi mit ihrem künstlerischen Promotionsprojekt zu „Sound als erinnerungskulturellem Medium im postkolonialen Hamburg“ Mitglied im Graduiertenkolleg Performing Citizenship. 2021 ist sie Stipendiatin an der Casa Baldi in Rom, 2022 an der Kulturakademie Tarabya in Istanbul.

Jones Seitz ist gelernte*r Mediengestalter*in Bild und Ton und hat Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und Porto studiert. Neben eigenen künstlerischen Recherchen zu Widerstand übernimmt sie*er die technische Leitung freier Projekte wie Licht- und Videodesign, so z. B. für Simone Dede Ayivi, Helge Schmidt, Quast&Knoblich oder Swoosh Lieu. Jones ist Mitglied und Mitbegründer*in der Gruppe LUKAS UND, die am FFT Düsseldorf eigene Bühnenstücke produziert. Seit 2017 lebt und arbeitet Seitz hauptsächlich in Berlin.

Theresa Reiwer studierte Film-/Theaterwissenschaft und Bühnen-/Kostümbild in Berlin und Istanbul. Als Szenografin und Kostümbildnerin arbeitet sie in der Freien Szene und für Spielfilmproduktionen. In ihren eigenen Arbeiten entwickelt Reiwer VR-Filme oder experimentiert mit Augmented Reality. SLOW ROOMS, ihre narrative Rauminstallation mit AR-Komponente, erhielt 2019 den Mart Stam Preis und verhalf ihr außerdem zum Elsa-Neumann-Stipendium 2020/21.

Selma Böhmelmann studierte Kulturwissenschaften und Politikwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie absolvierte Assistenzen in diversen Bereichen, u. a. an der Schaubühne Berlin, beim Festival Augenblick mal! oder an der Volksbühne Berlin. Im April 2020 begann sie ihr Masterstudium der Theaterwissenschaft an der FU Berlin. Seit 2020 unterstützt sie Simone Dede Ayivi als Produktionsassistentin und dramaturgische Mitarbeiterin.

Was bedeutet „Familie“ im 21. Jahrhundert? Sieben Geschichten aus der postsowjetischen Republik Moldau räumen auf mit idyllischen Klischees, zeigen stattdessen die Realität von Armut und Unterdrückung. Eine theatrale Austreibung von Kapitalismus und Patriarchat.

ENTFÄLLT

Schauspiel Köln, Depot 2
Sprache: moldauisches Rumänisch, Russisch, Romani mit deutschen und englischen Übertiteln

© Dorothea Tuch
© Dorothea Tuch
© Dorothea Tuch

Anfang der 1990er-Jahre erklärt die Republik Moldau ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Doch dem neu geschaffenen Staat gelingt es nicht, für das Wohl seiner Bürger*innen zu sorgen. Viele verlassen ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Eltern müssen ihre Kinder zurücklassen, Paare entfremden sich, Familien fallen auseinander. Die Regierung bietet keine Hilfe an und setzt unbeirrt ihre christlich geprägte Rhetorik von der traditionellen Familie als höchstem Gut fort. ABOLIREA FAMILIEI räumt auf mit idyllischen Vorstellungen von Sorge, Liebe und Unterstützung. Die Darsteller*innen erzählen andere Familiengeschichten. Sie erzählen von an- und abwesenden Müttern und Vätern, von entrechteten Frauen, von Krankheit und Tod, von häuslicher Gewalt und von einem entbehrungsreichen Leben, aber auch von Familien jenseits der, die aus einem verheirateten heterosexuellen Paar entsteht, und von der gelungenen Flucht aus Diskriminierung und Armut.

Und immer wieder erklingt eine kollektive Stimme, finden die Darsteller*innen sich zu einem Chor zusammen, der eine andere Zukunft heraufbeschwört. Kämpferisch verfluchen sie Monogamie, Patriarchat, den Staat, Privateigentum und Kapitalismus. Als moderne Hexen, als Kinder, Eltern und Geschwister, als solidarische Gemeinschaft.

Credits

Eine Performance von: Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Performer*innen: Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nicoleta Esinencu, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Lichtdesign: Ulrich Kellermann
Sounddesign: Janis Klinkhammer
Dramaturgische Beratung: Aenne Quiñones
Produktionsleitung: Anna Krauß
Technische Leitung: Annette Becker
Kontakt für Gastspielanfragen: Anna Krauß, a.krauss[a]hebbel-am-ufer.de

Produktion

Produktion: HAU Hebbel am Ufer. Koproduktion: FFT Düsseldorf, teatru-spălătorie. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Goethe-Institut. Mit freundlicher Unterstützung des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) und des Freundeskreises des HAU Hebbel am Ufer. Nicoleta Esinencu ist Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Biografie

Nicoleta Esinencu lebt und arbeitet als Autorin und Regisseurin in Chișinău. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart wurde sie mit „FUCK YOU, Eu.ro.Pa!“ international bekannt und gewann den rumänischen dramAcum-Theaterpreis. 2010 war Esinencu Mitbegründerin der unabhängigen Initiative teatru-spălătorie für einen alternativen Kunstraum in Chișinău. Ihre Theaterprojekte betrachten die gesellschaftliche Realität in der Republik Moldau und die damit verbundenen Widersprüche der postsowjetischen Zeit unter einem kritischen Blickwinkel auf die gesamteuropäische Geschichte. Seit 2012 arbeitet Nicoleta Esinencu kontinuierlich mit dem HAU Berlin zusammen, 2019/20 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Heavy Hitters

Phil Hayes Entfällt

Ein trauriger Song, schwache Knie, die scheiternden Schläge eines Boxers. Phil Hayes und John Rowley ringen um die mit der Frage, wann es für einen alternden Körper an der Zeit ist aufzuhören. Wie viel Blut, wie viel Schweiß muss fließen? Wie viel Schmerz muss sein, bis man endlich sagt: Es reicht!

ENTFÄLLT

Tanzfaktur, Grube
Sprache: Englisch

© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri

Phil Hayes und John Rowley kennen sich als Bühnen-Sparringspartner seit vielen Jahren. In HEAVY HITTERS üben sie sich gemeinsam im tragischen, heroischen Scheitern: Der eine boxt, der andere singt. Wer treibt hier wen an, warum und wofür? Das Publikum wird Zeuge, wie das Duo an die Grenze des Durchhaltevermögens geht, die Beharrlichkeit bis zum Äußersten ausreizt. Immer wieder aufstehen, es immer wieder versuchen. Musikalisch und leise verstörend.

Credits

Konzept, Regie, Musik: Phil Hayes

Creation, Performance: Phil Hayes, John Rowley
Licht, Technik: Patrik Rimann
Produktionsleitung: Lukas Piccolin
Tour Management: Lise Leclerc

Produktion

Eine Produktion von First Cut Productions in Koproduktion mit der Gessnerallee, Zürich.

Biografien

Phil Hayes, geboren an der Südküste Englands, ist Performer, Theaterregisseur und Musiker. Grundlage von Hayes’ Arbeit ist der kollaborative Prozess, in dem gemeinsam mit Partner*innen Inhalt und Form generiert werden. In Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Gruppen wie Forced Entertainment, Simone Aughterlony, Maria Jerez, Nada Gambier und Thom Luz produziert er u. a. unter dem Namen First Cut Productions international tourende Arbeiten wie LEGENDS & RUMOURS oder THESE ARE MY PRINCIPLES…. 2020 wurde Phil Hayes von der Stadt Zürich für seine Bühnenarbeit ausgezeichnet. Er lebt seit 1998 in Zürich.

John Rowley
ist Performer, Schauspieler, Theatermacher und bildender Künstler. Neben der Arbeit im Rahmen seiner eigenen Kompanie good cop bad cop kooperiert er regelmäßig mit Forced Entertainment und auch mit dem National Theatre Wales. Zuletzt war Rowley mit Heiner Goebbels’ EVERYTHING THAT HAPPENED AND WOULD HAPPEN international auf Tournee. In Juliet Ellis’ Filmdebüt RUBY, das 2021 in der Rubrik Drama des Berlin Independent Film Festival ausgezeichnet wurde, hatte Rowley einen Cameo-Auftritt. Er lebt in Wales.

Die Impulse-AKADEMIE ist einer der zentralen Orte für die Selbstverständigung des Freien Theaters. Auch in der vierten Ausgabe kommen Teilnehmer*innen aus Theorie und Praxis an zwei Wochenenden zusammen, um sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die für Produktion, Ästhetik und gesellschaftliche Positionierung des Freien Theaters prägend sind.

Ein performatives Archiv des Freien Theaters
02.06.–06.06., Graf-Adolf-Straße 49, 40210 Düsseldorf + Online
Sprache: Deutsch

Das digitale Impulse-Archiv ist online.
Hier finden Sie die Forschungsarbeiten der Archiv-Künstler*innen und können direkt an Gesprächsreihen und allen weiteren Programmpunkten der AKADEMIE #1 teilnehmen oder diese später in der Archiv-Mediathek nachschauen.

Das Impulse-Archiv in der Graf-Adolf-Straße 49, 40210 Düsseldorf, ist vom 03.–06.06. von 13:00–17:00 geöffnet.
Bitte um Anmeldung.


Seit der Gründung des Impulse Theater Festivals hat sich das Freie Theater stark verändert: ästhetisch, inhaltlich und strukturell. Welche Spuren hat dies in 31 Jahren Festivalgeschichte hinterlassen, welche Überreste sind geblieben? Wie lassen sich mit ihrer Hilfe Aussagen über die Vergangenheit treffen? Und wie könnte ein Archiv aussehen, das die Vergangenheit nicht bloß konserviert, sondern auch vergegenwärtigt?

Ausgewählte Künstler*innen haben im Rahmen von Residenzen ihren eigenen Zugang zu den Relikten vergangener Festivals entwickelt. Sie befragen Statistiken, Objekte, Fotos und audiovisuelle Medien, Programmhefte, Pressetexte und Zeitzeug*innen. Dabei suchen sie nach dominanten Erzählungen und Utopien oder fragen nach dem Unsichtbaren, Marginalisierten und Ausgegrenzten.

Zeitgleich sind fünf Künstler*innenkollektive aus NRW im Rahmen von Forschungsstipendien des Impulse Theater Festivals der Frage nachgegangen, wie die Archivierung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit aussehen kann. Beim Durchstöbern ihrer Archivbestände haben sie unterschiedliche künstlerische Strategien zur (Selbst-)Archivierung an der Schnittstelle von Theater, Archiv und digitaler Kunst erprobt. Ihre Forschungszwischenstände stellen sie in der digitalen AKADEMIE vor.

Studierende unser Hochschulkooperationen haben sich ebenfalls mit Archivierungsprozessen und alternativen Sammlungsstrategien beschäftigt und eigene Perspektiven auf das Impulse Archiv eröffnet.

In täglichen Archiv-Gesprächen diskutieren Expert*innen aus den Forschungsbereichen Kultur- und Medienwissenschaft, Museologie, Historik, Oral History und Zukunftsforschung Prozesse des Archivierens zwischen Erinnerungskultur, utopischen Szenarien und dem Sichtbarmachen von Leerstellen. Zudem geben Zeitzeug*innen aus drei Jahrzehnten Festivalgeschichte Einblick in ihre persönlichen Erinnerungen.

© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

Programmleitung: Daniel Richter
Produktionsleitung: Susanne Berthold
Konzeption 2020: Kolja Burgschuld, Alice Ferl

Die AKADEMIE #1 – GESCHICHTE WIRD GEMACHT findet in Kooperation mit der Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V., dem NRWKULTURsekretariat und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW statt.

Theatrale Gemeinschaft, Protest und internationale Zusammenarbeit in einer körperlosen Zeit
10.–12.06., Konferenzprogramm Online, Workshops an verschiedenen Orten
Sprache: Englisch

Die Pandemie hat die Theater weltweit hart getroffen. An den Orten, die geschaffen wurden, damit Körper sich versammeln und eine gemeinsame sinnliche Erfahrung teilen können, herrscht seit über einem Jahr die meiste Zeit: Leere. Die Impulse-AKADEMIE schaut sich diesen Zustand genauer an. Was geht verloren, wenn Aufführungen und Arbeitsprozesse im digitalen Raum stattfinden? Was wird gewonnen?

Die drei AKADEMIE-Tage finden in einem hybriden Format sowohl online als auch vor Ort in Düsseldorf und Köln, Bern, Johannesburg und Minsk statt:

Die Vorträge und Diskussionen am Vormittag fokussieren auf die Rolle des Körpers für Gemeinschaftsbildung, politischen Protest und internationale Zusammenarbeit. Sie finden online via Zoom statt.

In einem mehrtägigen Workshop am Nachmittag erproben die Teilnehmenden die Kunst von Berührung, Geruch, Nähe und Verwundbarkeit. Der Workshop findet vor Ort in Düsseldorf statt.

10.06. Körper und Gemeinschaftsbildung

10:00–13:00 Uhr, online (Zoom + Live-Stream)
Für die Teilnahme per Zoom ist eine Anmeldung notwendig.
Hier geht's zum Live-Stream (ohne Anmeldung).


Welche Bedeutung hat das physische Beisammensein für das Theatererlebnis, und was verlieren wir, wenn das Publikum zu Hause am Laptop oder Handy sitzt? Wie hat sich unsere Wahrnehmung von Intimität und Berührung in Zeiten physischer Distanz verändert?

10:00 Begrüßung

10:10 Körper in Verbundenheit
Keynote und Diskussion mit Mazda Adli, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, Berlin. Moderation: Eva Neklyaeva

Der Psychiater Mazda Adli zeigt in seiner Keynote, warum das Theater als Versammlungsort eine existenzielle Bedeutung hat: Das gemeinsame emotionale und kognitive Erlebnis trägt erheblich zur Bewältigung von Alltagsstress und zum psychischen Wohlbefinden bei, stellt Verbundenheit zwischen den Menschen her und stärkt damit die soziale Kohäsion in den Gesellschaften. Kurzum: Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Aber welche Rolle spielt der Körper dabei? Stellen sich diese Effekte auch ein, wenn wir uns an den Bildschirmen versammeln?

11:00 15 Minuten Achtsamkeit mit Stacie CC Graham
Die Beraterin und Yogini Stacie CC Graham unterstützt das Publikum mit kleinen Übungen dabei, den eigenen Körper ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

11:15 Intimität auf Distanz
Input und Diskussion mit Samara Hersch und Damian Rebgetz. Moderation: Eva Neklyaeva
Die Regisseurin Samara Hersch und der Schauspieler und Performer Damian Rebgetz setzen sich in ihrer künstlerischen Praxis intensiv mit Stimme und Sound sowie Intimität und Distanz auseinander. Beide Themenkomplexe sind durch Covid-19 nochmal mehr in den Fokus gerückt. Samara und Damian berichten von ihren persönlichen und künstlerischen Erfahrungen. Mit der interaktiven Telefon-Performance BODY OF KNOWLEDGE (AT HOME) ist Samara Hersch außerdem im Impulse-SHOWCASE vertreten.
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12:00 h a p t I c a f f I n I t i e s – a study group on touch, haptic aesthetics and intimacy in the arts
Breakout Rooms mit:
Joshua Wicke
Antonia Rohwetter
Carolina Mendonca
Bryana Fritz und Henry Andersen
Sofie Luckhardt, Anneliese Ostertag und Rahel Spöhrer
Siegmar Zacharias
Anna Zett

In einem informellen und partizipativen Setting sind die Teilnehmer*innen dazu eingeladen, sich in Gesprächen und Übungen mit der Sehnsucht nach und dem Verlust von Nähe, sowie mit der Ambivalenz und Wechselwirkung von Berührung zu beschäftigen. Die Gastgeber*innen sind Praktiker*innen aus Kunst und Theorie, die zum Thema Berührung und Intimität in den Künsten arbeiten.

11.06. Körper und politischer Protest

10:00–13:00 Uhr, online (Zoom + Live-Stream)
Für die Teilnahme per Zoom ist eine Anmeldung notwendig.
Hier geht's zum Live-Stream (ohne Anmeldung).


Welche Bedeutung haben die Sichtbarkeit und die Verwundbarkeit des Körpers für die Wirksamkeit politischer Protestbewegungen? Welchen Einfluss hat und hatte Covid-19 darauf?

10:00 Tanz im Protest
Keynote und Diskussion mit Kirsten Maar, Freie Universität Berlin, Institut für Theaterwissenschaft. Moderation: Irina Bârcă

Welches Potential haben choreographische Interventionen für Protestbewegungen in Zeiten der Pandemie? Sei es im Kontext von Black Lives Matter, in Belarus, Polen oder Ungarn? Kirsten Maar zeigt in ihrer Keynote, wie Choreographie mittels Versammlung und Intervention öffentliche Räume gestalten kann: Resiliente und ausdauernde Körper üben miteinander Kollektivität, nutzen das emanzipatorische Potential gegenseitiger Berührung.
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10:45 15 Minuten Achtsamkeit mit Stacie CC Graham
Die Beraterin und Yogini Stacie CC Graham unterstützt das Publikum mit kleinen Übungen dabei, den eigenen Körper ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

11:00 Anrufung, Ideologie und das Seltsame
Inputs und Diskussion mit Joana Tischkau und Julian Warner. Moderation: Irina Bârcă

Joana Tischkau spricht über die Visualisierung der BLM-Proteste im letzten Jahr. Wie wurden die widerständigen Körper medial inszeniert, und welche Bilder bleiben am Ende übrig? Julian Warner plädiert in seinem Input „Der Diskurs, der mich erschaffen hat – Anrufung, Ideologie und das Seltsame“ dafür, sich von dem falschen Bewusstsein eines neoliberalen Diversitäts-Paradigmas zu befreien: „Statt uns den Analogien des afrikanisch-amerikanischen Leidens zu beugen, müssen wir uns um unsere eigenen Archäologien bemühen und Wissen über die spezifischen Unterdrückungen erzeugen. Dafür brauchen wir unsere materiellen Körper und ein Gespür für das Seltsame und Unheimliche, um von der Anrufung durch den Plattform-Kapitalismus loszukommen.“
Beide Künstler*innen sind außerdem im Impulse-SHOWCASE vertreten, Joana Tischkau mit PLAYBLACK und Julian Warner mit THE HISTORY OF THE FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY AS TOLD BY FEHLER KUTI UND DIE POLIZEI.

12:00 „Es ist alles so schlimm, dass sogar total Introvertierte rausgehen.“ *
Diskussion in Kooperation mit dem Goethe-Institut Belarus mit Mikhail Gulin, Sophia Sadovskaya und Igor Shugaleev. Moderation: Tania Arcimovich
Künstler*innen und Aktivist*innen aus Belarus berichten von der Rolle des Körpers im öffentlichen Raum für die Widerstandsbewegung. Welche Strategien wurden genutzt, welchen Einfluss hatte die Pandemie darauf? Welche Folgen ergaben sich daraus für die Kulturszene und für die darstellenden Künste im Besonderen?
* Plakat-Slogan während der Proteste in Minsk im August 2020

12.06. Körper und internationale Zusammenarbeit

10:00–13:00 Uhr, online (Zoom + Live-Stream)
Für die Teilnahme per Zoom ist eine Anmeldung notwendig.
Hier geht's zum Live-Stream (ohne Anmeldung).


Welche Bedeutung haben physische Begegnungen für gemeinsame kreative Prozesse und die Entwicklung einer guten Arbeitsbeziehung? Inwieweit können wir sie durch Online-Tools ersetzen? Und was bedeutet das für die Zukunft einer klimafreundlichen und dekolonialen internationalen Zusammenarbeit?

10:00 Körperlose Zusammenarbeit in kreativen Prozessen – wo kommt auch das beste digitale Tool an seine Grenzen? Medienpsychologische Erkenntnisse nach einem Jahr mit Covid-19
Keynote und Diskussion mit Maren Urner, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Köln. Moderation: Marta Keil
Von einem Tag auf den anderen hat uns die Pandemie gezwungen, unsere private, berufliche und kulturelle Kommunikation in die digitale Welt zu verlagern. Was sind die Risiken, was die Chancen von „Online-Vorlesungen”, „Online-Treffen” oder „Online-Versammlungen”? Was vermissen, was gewinnen wir? Und wie hat das Einfluss auf unser Wohlbefinden?
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10:45 15 Minuten Achtsamkeit mit Stacie CC Graham
Die Beraterin und Yogini Stacie CC Graham unterstützt das Publikum mit kleinen Übungen dabei, den eigenen Körper ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

11:00 Reisen für die Kunst?
Inputs und Diskussion mit Ant Hampton und Lázaro Gabino Rodríguez (Lagartijas tiradas al sol, Mexiko). Moderation: Marta Keil
Ant Hampton arbeitet gerade an dem Projekt „Showing without going – live performance options without air travel“. Lázaro Gabino Rodríguez hat mit einem offenen Brief auf Jerôme Bels Forderung geantwortet, in den Darstellenden Künsten auf Flugreisen zu verzichten und darauf hingewiesen, wie ein solcher Verzicht Kunstschaffende aus dem globalen Süden ihrer Existenzgrundlage berauben könnte. Die beiden Performancekünstler diskutieren die Notwendigkeit von Reisen, sprechen über Privilegien und den Luxus des Verzichts sowie darüber, wie sich ihre Einstellungen durch Covid-19 verändert haben.
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12:00 Körperlose Kooperationen
Inputs und Diskussion mit Jayachandran Palazhy und Clara Vaughan. Moderation: Ogutu Muraya
Jayachandran Palazhy, Leiter des Attakkalari Centre for Movement Arts in Bangalore, und die Leiterin des Market Theatre Laboratory in Johannesburg, Clara Vaughan, sprechen über ihre Erfahrungen mit Proben, Aufführungen und Kooperationsprojekten im letzten Jahr. Welche positiven Effekte gab es vielleicht, aber wo lagen auch die Herausforderungen, sowohl vor Ort als auch im internationalen Kontext?
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12:45 Schlussrunde

10.–12.06. Exercises in Social Intimacy: Ein internationaler Workshop zur Kunst der Berührung und anderen verbotenen Genüssen

jeweils 14:30–17:00 Uhr, vor Ort in Düsseldorf
Nur nach Anmeldung (siehe unten)

Gastgeber*innen: Sibylle Peters mit Charlotte Pfeifer und Ansuman Biswas sowie als Gast Moritz Frischkorn
Arbeitssprache: Englisch

Was es heißt, allein zu sein, und was es heißt, verbunden zu sein, hat sich durch die Pandemie verändert. Corona ist ein gemeinsames Problem, das uns voneinander trennt. Doch die Sicherheit der Isolation bringt ihre eigenen Gefahren mit sich: Wenn unsere Körper andere Körper nicht riechen und berühren können, bleiben unsere Stresslevels hoch. Angst und Depression treten an die Stelle geteilter Verwundbarkeit. Die Dornenhecken um unsere Schlösser schießen in die Höhe. Zugleich haben digitale Versammlungen reale Zusammenkünfte ersetzt und Menschen – auch global – in neuer Weise miteinander verbunden. Theater und Performance erscheinen vor diesem Hintergrund in neuem Licht: als Künste der Intimität, die Menschen einander nahebringen und sie einladen, ihre Verletzlichkeit zu teilen und mitzuteilen.

EXERCISES IN SOCIAL INTIMACY verbindet 90 Teilnehmer*innen lokal und global, körperlich und digital. Gruppen in Düsseldorf und Köln, Bern, Johannesburg und Minsk treffen sich unter Einhaltung der jeweils geltenden Hygieneregeln vor Ort und tauschen sich in Videokonferenzen untereinander aus. Sie erproben die Kunst von Berührung, Geruch und Nähe und experimentieren mit der Beziehung von Intimität und Abstand.

„Pleasure Activism ist gefragt, um das Vertrauen zwischen den Körpern wiederzufinden. Lasst uns die Prinzessin sein, die die Dornenhecken durchdringt und die schlafenden Schönheiten wachküsst!“ Sibylle Peters

Die Teilnahme am Workshop ist nur vor Ort möglich.
Für die Teilnahme an der Workshop-Gruppe in Düsseldorf melden Sie sich bitte unter email hidden; JavaScript is required an. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Kostenbeitrag für die drei Workshop-Nachmittage inkl. Verpflegung beträgt 30 Euro.
Der Workshop findet unter Einhaltung der dann geltenden Hygieneverordnung statt. Die Teilnehmenden verpflichten sich, täglich einen von den Veranstalter*innen organisierten Corona-Schnelltest durchzuführen.

Internationale Co-Gastgeber*innen:
Hochschule der Künste Bern, Fachbereich Theater (Schweiz)
The Market Theatre Laboratory, Johannesburg (Südafrika)
Universität zu Köln, Institut für Kunst & Kunsttheorie
Goethe-Institut Belarus

Biografien

Mazda Adli ist Psychiater und Stressforscher. Er leitet die Fliedner Klinik Berlin sowie den Forschungsbereich Affektive Störungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er hat u. a. das Interdisziplinäre Forum Neurourbanistik ins Leben gerufen, das sich mit der Untersuchung des Einflusses von Stadtleben auf Emotionen und psychische Gesundheit beschäftigt, und ist Gründer der „Singing Shrinks“, des einzigen Psychiater-Chors der Welt. 2017 erschien sein Buch „Stress and the City: Warum Städte uns krank machen. Und warum sie trotzdem gut für uns sind“.

Tania Arcimovich ist Autorin, Regisseurin und Kuratorin aus Minsk. Sie schloss ihr Studium der Theaterwissenschaft an der Belarusischen Staatlichen Akademie der Künste in Minsk ab und erwarb einen Master in Kulturwissenschaften an der European Humanities University in Vilnius. Seit 2014 kuratiert Tania Arcimovich Ausstellungen, realisiert Kultur- und Bildungsprojekte in Zusammenarbeit mit u.a. Galerie für Zeitgenössische Kunst, Lohvinau-Verlag, Monat der Fotografie in Minsk und TEART Theaterfestival. Von 2016 bis 2019 unterrichtete sie am European College of Liberal Arts in Belarus. Sie ist Mitbegründerin der ziErnie Performative Arts Platform und Herausgeberin der Zeitschrift pARTisan / pARTisanka. Aktuell ist sie Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der Justus-Liebig Universität-Gießen.

Irina Bârcă ist Dramaturgin am FFT Düsseldorf mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater. Geboren und aufgewachsen in Sibiu, Rumänien, hat sie Schauspiel in Bukarest und Theaterpädagogik an der Hochschule Osnabrück studiert. 2014 – 2017 war sie Theaterpädagogin am Theater an der Parkaue. Sie entwickelt, realisiert und kuratiert Theaterprojekte hauptsächlich mit und für Kinder und Jugendliche. Am FFT beschäftigt sie sich u.a. mit Formaten der Kooperation und der Begegnung von Theater, Schule und Künstler:innen und dem Theater der Digital Natives. Sie ist Teil verschiedener Jurys, des Kuratoriums des Fonds Darstellende Künste und kuratierte das Festival Augenblick mal! 2021.

Ansuman Biswas wurde in Indien geboren und absolvierte seine Ausbildung im Vereinigten Königreich. Seine internationale Praxis umfasst Musik, Film, live art, Texte und Theater. Er interessiert sich für Hybridität und Interdisziplinarität – oft arbeitet er im Grenzbereich von Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft, oder von Musik, Tanz und bildender Kunst. Improvisation und Spiel sind wichtige Elemente seiner Praxis, die Vipassana-Meditation deren Kern.

Moritz Frischkorn arbeitet seit 2014 als Choreograph, Performer und Theoretiker im Feld zeitgenössischer darstellender Kunst. Seine künstlerische und kuratorische Praxis beschäftigt sich mit Choreographien von Dingen und ihren sozialen und politischen Dimensionen. 2021 promovierte er an der HafenCity Universität Hamburg mit einer Arbeit zum Thema „More-Than-Human Choreographies“. In den letzten Jahren hat er eine Reihe von eigenen Arbeiten präsentiert. Seine interdisziplinäre Recherche-Arbeit „The Great Report“ zum Verhältnis von Choreographie und Logistik hatte 2020 auf Kampnagel Premiere.

Stacie CC Graham (German translation to follow.) is a management consultant, executive coach, founder, speaker and writer. In her work, she uses practices and tools such as mindful leadership, intersectional attunement as well as emotional and social intelligence. Her holistic wellness brand, OYA: Body-Mind-Spirit Retreats, is dedicated to underrepresented communities typically underserved by the mainstream wellness industry. With an MS in economics and a PhD in psychology as well as experience living and working in different parts of the world, she continues to cultivate a nuanced understanding of underlying drivers of human motivation and behavior.

Mikhail Gulin ist Künstler und Kurator. Seit den 2000er-Jahren ist er einer der einflussreichsten belarussischen Künstler, bekannt für seine Interventionen im öffentlichen Raum und seine Reflektionen über Öffentlichkeit in Belarus. Seine Kunst wurde in Galerien in Minsk, Brest, Eindhoven, Vilnius, Moskau, Warschau, Kiew und anderen Städten gezeigt. Mikhail Gulin nahm an künstlerischen Symposien und Performance-Festivals in Litauen, Nordossetien-Alanien und Kasachstan teil.

Ant Hampton ist Performancekünstler. Seine Arbeiten sind gekennzeichnet von einer deutlichen Spannung zwischen strengen formalen und strukturellen Elementen und solchen, die im Moment der Aufführung gelebt und verhandelt werden. Er entwickelte kleinformatige, intime Projekte, die den Zuschauer selbst einbezogen, und in Cafés („Etiquette“) oder im Lesesaal einer Bibliothek stattfanden („The Quiet Volume“). Seine letzten Arbeiten ermutigen das Publikum, selbst Wagnisse einzugehen, mit realen Konsequenzen („Someone Else“, „The Thing“).

In dem Verlust von und der Gefahr durch Berührung, die wir aktuell verstärkt erleben, treten die politischen und ethischen Implikationen von Berührung in den Vordergrund. Es gibt gegebene und gewählte Intimitäten, die sich der Kontrolle entziehen. Berührung zeigt sich dabei als die Grundbedingung einer verletzlichen Existenz. Sie verweist auf wechselseitige Abhängigkeiten, poröse Körpergrenzen, brutale Intimitäten und artenübergreifende Kollaborationen. Die study group h a p t i c a f f i n i t i e s wurde initiiert von Anneliese Ostertag, Sofie Luckhardt, Belle Santos und Rahel Spöhrer. Sie trifft sich seit Mitte April 2021 wöchentlich und fragt vor diesem Hintergrund: Welche Formen der Berührung finden in den performativen Künsten bemerkt und unbemerkt statt? Wie können wir uns der Performativität und Medialität von Berührung annähern? Und wie lassen sich die vielfältigen haptischen Begegnungen in den Künsten konsensual begreifen?

Samara Hersch ist Theatermacherin, Regisseurin und Künstlerin, deren Praxis die Intersektionen von zeitgenössischer Performance und gesellschaftlichem Engagement erforscht. Sie schloss kürzlich ihren Master an Das Theatre in Amsterdam ab. Ihr Interesse gilt dem generationenübergreifenden Diskurs und nicht-hierarchischen Formen des Wissensaustauschs. Ihre Arbeit WE ALL KNOW WHAT‘S HAPPENING, die sie zusammen mit Lara Thoms und sieben Kindern aus Melbourne realisierte, wurde mit dem ZKB Förderpreis und dem Publikumspreis des Zürcher Theater Spektakels 2019 sowie dem Green Room Award für die beste zeitgenössische und experimentelle Performance in Melbourne ausgezeichnet.

Marta Keil ist Kuratorin in den darstellenden Künsten, Forscherin und Dramaturgin sowie Co-Leiterin des Performing Arts Institute in Warschau. Zwischen 2012 und 2017 kuratierte sie mit Grzegorz Reske das Festival Konfrontacje Teatralne in Lublin. Sie gründete und kuratierte die East European Performing Arts Platform und war von 2014 bis 2015 Leiterin der Programmabteilung des Teatr Polski in Bydgoszcz. Als Kuratorin und Dramaturgin hat sie u. a. mit Agnieszka Jakimiak, Rabih Mroué, Agata Siniarska und Ana Vujanović gearbeitet. Sie unterrichtet an der SWPS University of Social Sciences and Humanities in Warschau und hat mehrere Bücher herausgegeben, u. a. „Choreography: Politicality“ (2018) und „Reclaiming the Obvious: on the Institution of Festival“ (2017).

Kirsten Maar ist seit 2018 Juniorprofessorin für Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Dramaturgin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen choreografische Verfahren im 20. Jahrhundert, Entgrenzungen zwischen Choreografie, Architektur und Bildender Kunst sowie intersektionale Diskurse und Kanonfragen.

Ogutu Muraya ist ein Autor und Theatermacher, dessen Arbeit in der Praxis mündlicher Literatur verwurzelt ist. Er sucht nach neuen Formen des Geschichtenerzählens, die sozio-politische Aspekte mit dem Glauben verbinden, dass Kunst ein wichtiger Katalysator für die Infragestellung von Gewissheiten ist. Er studierte Internationale Beziehungen an der USIU-Africa und absolvierte einen Master am DAS Theatre. Seine Texte werden international veröffentlicht; seine performativen Arbeiten werden weltweit in Theatern und bei Festivals gezeigt. Ogutu Muraya lebt als Künstler in Nairobi und unterrichtet in Teilzeit im Film- und Performance-Bereich der KCA University.

Eva Neklyaeva ist Kuratorin und setzt sich in den Feldern darstellender Kunst, Politik und Sexualität mit der Frage der Freiheit auseinander. Zur Zeit ist sie Ko-Kuratorin von „Samara Editions – performances by post“, sowie des Spielart-Festivals 2021. Zuvor hat sie u.a. das Santarcangelo Festival kuratiert (2017–2019) und sechs Jahre lang das Baltic Circle International Contemporary Theatre Festival geleitet. Unter ihrer Leitung hat sich das Festival zu einer renommierten internationalen Plattform für multidisziplinäre Nachwuchs-Performance entwickelt.

Jayachandran Palazhy ist der Gründer und künstlerische Leiter des Attakkalari Centre for Movement Arts in Bangalore und ein international renommierter Tänzer und Choreograph. Er absolvierte ein Physik-Studium in Kerala und begann seine Tanzausbildung in Indien mit Bharatanatyam, Kathakali, indischen Volkstänzen und dem Kampfsport Kalarippayattu. An der London Contemporary Dance School studierte er klassisches Ballett, Tai Chi, Capoeira und afrikanischen Tanz. Ein Schwerpunkt seiner choreographischen Arbeit mit internationalen Künstler*innen sind multimediale Tanzproduktionen unter Einsatz digitaler Künste und interaktiver Technologie. Im Attakkalari war er Leiter des Forschungs- und Dokumentationsprojekts NAGARIKA über die Bewegungsprinzipien traditioneller indischer Körperarbeit. In Zusammenarbeit mit der Arizona State University hat er sich mit der Rolle interaktiver Technologie und Telematik in der Performance auseinandergesetzt.

Sibylle Peters ist Performancekünstlerin und Kulturwissenschaftlerin, künstlerische Leiterin des FUNDUS THEATERS/THEATRE OF RESEARCH in Hamburg und Mitgründerin des Graduiertenkollegs Performing Citizenship. Sie arbeitet häufig mit dem Performancekollektiv geheimagentur. Ihre Schwerpunkte sind: Theorie und Praxis der Versammlung, transgenerationelle und partizipative Forschungsprozesse. Zu ihren jüngsten Projekten zählt QUEENS. DER HETERACLUB, das für den Impulse-SHOWCASE 2021 ausgewählt wurde.

Charlotte Pfeifer interessiert sich für die Erweiterung der Bühnensituation im Zusammenspiel von Kunst, Musik, Hörspiel und Performance. Sie arbeitete zunächst als Schauspielerin, später auch als Dramaturgin und Regisseurin. Mittlerweile verschmilzt sie verschiedene Funktionen für Projekte über Alltagsthemen, Science-Fiction und Quatschkram und entwickelt diese gerne in Gruppen. PMS-LOUNGE – HULDIGUNG EINES ZUSTANDS wurde auf dem Hauptsache Frei Festival 2018 mit dem Publikumspreis und dem Jurypreis ausgezeichnet. Sie war damit zum Impulse Theater Festival und dem Peforming Arts & Friends Festival in Berlin eingeladen. Mit der interdisziplinären Künstlergruppe TRAUMMASCHiNE Inc. produziert Pfeifer selbstentwickelte Kindertheaterstücke und Happenings.

Damian Rebgetz hat klassischen Gesang, Musiktheater und Sound Studies studiert. Als Performer war er an verschiedenen Theater-, Musiktheater-, Tanz- und Performance-Projekten beteiligt und war 2015–2020 Teil des Schauspielensembles an den Münchner Kammerspielen. Seine eigenen Performances sind inspiriert von Praktiken des Hörens und Erinnerns und verhandeln unterschiedliche Konzepte von Musik, Klang, Stimme, Identität und Materialität. Seine Performance „Something for the Fans“ wurde 2013 vom Impulse Theater Festival und dem HAU Hebbel am Ufer koproduziert.

Lázaro Gabino Rodriguez hat die Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten (AHK) mit einem Master in Theater abgeschlossen. In seiner Arbeit erkundet er Konzepte von wahr und falsch, ausgehend von persönlichen Erinnerungen und deren Verhältnis zu Fiktionen. 2003 gründete er mit Luisa Pardo das Künstler*innenkollektiv Lagartijas tiradas al sol, mit dem sie Projekte in den Formaten Theater, Text, Film, Pädagogik und Radio entwickeln. Ihre Arbeit wird in Mexiko und international gezeigt.

Sophia Sadovskaya ist freie Kuratorin und Kunstpädagogin aus Minsk. Von 2012–2021 kuratierte sie das EVAA-Projekt (Environmental Visual Audial Art Project), das Umweltaktivismus mit zeitgenössischer Kunstpraxis verbindet. Neben ihrer Tätigkeit als Kuratorin ist Sophia Sadovskaya Co-Autorin der Buchreihe „Belarussische Kunst des 20. Jahrhunderts für Kinder“.

Igor Shugaleev ist freier Schauspieler und Performer. Er kooperierte mit dem TOKtheatre in Minsk und dem HUNCHTheatre Belarus. Seit 2019 arbeitet Igor Shugaleev an Solo-Projekten. In Zusammenarbeit mit Künstler*innen anderer Disziplinen sucht er seinen künstlerischen Ausdruck an der Schnittstelle von Tanz, Theater und Performance.

Joana Tischkau tanzt. Eine der ersten Erinnerungen daran ist der Moment, als sie zu Kaomas Hit „Lambada“ von 1989 auf einer Kindergeburtstagsparty abdancte. Diese Erfahrung bewegte sie dazu, sich bei der Tanzschule nebenan für Jazzdance, Streetdance und Videoclip-Dancing anzumelden. Später studierte sie Tanz und Schauspiel an der Coventry University in Großbritannien sowie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Ihre künstlerische Praxis ist ein hybrides Durcheinander, das die Schriften von bel hooks auf Beatboxing treffen lässt, in dem ein Fitness-Workout aus weißem Bewegungsmaterial entsteht und Roberto Blanco als König Schwarzer deutscher Unterhaltungskunst gehuldigt wird. PLAYBLACK ist ihre Master-Abschlussinszenierung.

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln. Sie studierte Kognitions- und Neurowissenschaften und wurde am University College London in Neurowissenschaften promoviert. 2016 gründete sie das Online-Magazin „Perspective Daily“ für Konstruktiven Journalismus mit und leitete die Redaktion bis März 2019. Ihr erstes Buch „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ ist ein Bestseller, ihr zweites Buch „Raus aus der ewigen Dauerkrise“ erscheint im Mai 2021.

Clara Vaughan ist die Leiterin des Market Theatre Laboratory in Johannesburg, Südafrika, sowie Theatermacherin, Kulturmanagerin und Autorin. Im Market Lab bringt sie Theaterschaffende und andere Künstler*innen für kollaborative Arbeitsprozesse des Lernens, Herstellens, Experimentieren und Recherchierens zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Nachwuchskünstler*innen sowie subalternen Erfahrungen, Stimmen und Identitäten.

Julian Warner arbeitet als Kulturanthropologe interdisziplinär in den Bereichen Kuration, Musik, Performance-Kunst und Wissenschaft. Er ist künstlerischer Leiter des Festivals der Kulturregion Stuttgart 2022 und Kurator für das Performance-Festival Spielart in München. Unter dem Alias Fehler Kuti veröffentlicht er Diskurs-Pop. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete Warner am Institut für Kulturanthropologie der Georg-August-Universität Göttingen. Im April 2021 erscheint der von ihm herausgegebene Sammelband AFTER EUROPE – Beiträge zur dekolonialen Kritik im Verbrecher Verlag.

© Robin Junicke
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Programmleitung: Anne Schulz
Workshopleitung: Sibylle Peters
Produktionsleitung: Lena Busse

Die AKADEMIE #2 – LOST IN SPACE? wird gefördert durch das Goethe-Institut und das Internationale Besucher*innenprogramm des NRW KULTURsekretariats.

Das Impulse-STADTPROJEKT verknüpft brennende Fragen unserer Zeit mit einem lokalen Kontext – eine Herangehensweise darstellender Kunst, die in der Freien Szene entstanden ist. In der diesjährigen Festivalausgabe geht es in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr um die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich.

Bis zum Festivalabschluss am 13.06.2021 stand hier die Behauptung, das STADTPROJEKT wäre eine Monumentalskulptur in Form einer großen Schere: eine 120 Meter hohe Versinnbildlichung der Vermögensunterschiede in Mülheim, platziert mitten in der Ruhr. Am letzten Festivaltag wurde das Kunstwerk enthüllt. Doch was hier das Licht der Öffentlichkeit erblickte, war keine Stahlskulptur, sondern eine andere Art von Kunstwerk – eine alternative Realität, zwar wie die Behauptung der großen Schere von der Künstler*innengruppe Club Real gestaltet, aber gleichzeitig ganz echt: der Verein Eigentum verpflichtet e.V. mit der von ihm engagierten Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund, Barbara Schmidt. Der Verein und die Integrationsbeauftragte waren bereits seit Monaten in Mülheim aktiv und traten als Kooperationspartner des STADTPROJEKTS auf. Dass die Künstler*innen den Verein gegründet und die Kampagne entwickelt hatten, blieb der Öffentlichkeit jedoch bis zur Enthüllung verborgen.

Nichts an diesem Projekt war fiktiv. Der Verein existiert, die Integrationsbeauftragte war tatkräftig im Einsatz. Barbara Schmidt ist bereits seit 14 Jahren in Mülheim als Kultur- und Theaterpädagogin tätig, hat somit weitreichende Erfahrung in sozialer Arbeit – allerdings vor allem mit Menschen, die nur über sehr wenig Einkommen verfügen. Außerdem ist sie ausgebildete Schauspielerin. Sie konnte ihrer Figur also sowohl mit den Mitteln des Rollenspiels als auch auf der Basis ihrer eigenen Erfahrung Leben verleihen.

Genauso echt wie die Integrationsbeauftragte war auch die Empörung über die angekündigte Monumentalskulptur DIE GROSSE SCHERE – obwohl die Künstler*innen den Entwurf für das Kunstwerk bewusst so übertrieben hatten, dass sie fest davon überzeugt waren, dass niemand ernsthaft an die Realisierung der Skulptur glauben würde. Offenbar war es in der öffentlichen Wahrnehmung aber trotzdem naheliegender, dass ein derartiges Projekt realisiert wird, als dass ernsthaft über die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Vermögenshintergrund nachgedacht wird. Trotz aller Bemühungen mit Informationsständen an belebten Plätzen, Hausbesuchen, Postwurfsendungen, Pressemitteilungen und einer umfangreichen Social-Media-Kampagne konnte keine einzige vermögende Person erfolgreich integriert werden.

Was ist wirkmächtiger? Ein Verein, der tatsächlich versucht, Integrationsarbeit zu leisten und Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe zu bewegen, oder ein Kunstwerk, das die Ungleichheit der Gesellschaft zwar abbildet, aber nie gebaut werden wird?

Aktivitäten des Vereins Eigentum verpflichtet e.V.:


13.04. Pressemitteilung zum Beginn der Aktivitäten von Eigentum verpflichtet e.V.; Beginn der Social-Media-Kampagne des Vereins

16.–26.04. Plakatkampagne von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

20.–21.04. Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

03.05. Postwurfsendung Eigentum verpflichtet e.V. in vermögenden Bezirken von Mülheim an der Ruhr

17.05.–13.06. Regelmäßige Telefonsprechstunden der Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund

18.05. Plakatkampagne „Reiche integrieren“ von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

21.–22.05. Hausbesuche der Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund in Mülheim-Uhlenhorst, Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

26.05., 18:00–19:00, Videokonferenz
Gesprächsrunde „Ängste und Sorgen von Menschen mit Vermögenshintergrund“
Videomitschnitt des Gesprächs

Der Psychotherapeut Christian Lessiak sprach mit der Integrationsbeauftragten über die Frage, wie Vermögen das Verhalten und die psychische Gesundheit von Menschen beeinflussen kann. Eignet sich die Rückkehr in die gesellschaftlichen Mitte womöglich als Therapiemethode?

27.05. Digitales Interessent*innentreffen von Eigentum verpflichtet e.V.

29.05. Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr


Web-Präsenzen von Eigentum verpflichtet e.V.:

www.eigentum-verpflichtet.jetzt
facebook.com/EigentumVerpflichtet.eV

instagram.com/eigentumverpflichtet.ev

twitter.com/Eigentumverpfl

© Eigentum verpflichtet
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Aktivitäten zur GROSSEN SCHERE:


30.04.
Eröffnung der Baustellenbox DIE GROSSE SCHERE

03.06., 17:30–19:00, Videokonferenz
EXPERT*INNENGESPRÄCH

Videomitschnitt des Gesprächs

Im Gespräch mit der Historikerin Eva Gajek und dem Soziologen Volker Kersting gingen Club Real dem Phänomen der sozialen Ungleichheit auf den Grund: Woran lässt sich soziale Ungleichheit festmachen? Und wie wird sie in Städten sichtbar? Was ist dran an der Behauptung von Club Real, dass die Schere zwischen Arm und Reich zur Gefahr für die Gesellschaft wird, wenn sie sich zu weit öffnet? Und vor allem: Was tun?

13.06., 18:00–20:00, Ringlokschuppen Ruhr
DIE ENTHÜLLUNG
Ursprünglich wurde hier ein Festakt angekündigt, bei dem die Künstler*innen von Club Real Einblicke in die Entstehung des Projekts geben und „von der aufregenden Realisierung dieser komplexen Kunstaktion berichten“: Warum Mülheim? Warum eine große Schere? Und was kann die Aktion in der Stadtgesellschaft bewirken? Tatsächlich hielt die Integrationsbeauftragte Barbara Schmidt eine Rede, in dem sie Eigentum verpflichtet e.V. als Teil des STADTPROJEKTS enthüllte. Anschließend hatte der Film Premiere, der Entstehung und Verlauf des Gesamtprojekts dokumentiert.

© Robin Junicke
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Credits

Club Real: Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck, Georg Reinhardt
Integrationsbeauftragte für Menschen mit Vermögenshintergrund: Barbara Schmidt
Dokumentationsfilm, Pressesprecher Eigentum verpflichtet e.V.: Valentin Scholz
Social Media Eigentum verpflichtet e.V.: Lena Busse

Dramaturgie: Haiko Pfost, Wilma Renfordt
Produktionsleitung: Zsolt Káldy, Theresa Heußen
Produktionsassistenz: Anna Jungfer

Produktion

Im Rahmen des STADTPROJEKTS 2021 – EIGENTUM VERPFLICHTET wurden zwei Teilprojekte realisiert:

Das STADTPROJEKT – DIE GROSSE SCHERE ist eine Koproduktion von Club Real, Ringlokschuppen Ruhr und Impulse Theater Festival, gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Fonds Darstellende Künste.

Das STADTPROJEKT – DIE INTEGRATIONSBEAUFTRAGTE ist eine Koproduktion von Club Real, Ringlokschuppen Ruhr und Impulse Theater Festival, gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Fonds Soziokultur.

Biografien

Lena Busse studierte vergleichende Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Medienkulturwissenschaft in Bonn, Graz und Köln. Ihre Themenschwerpunkte sind die analoge und digitale Spielekultur sowie der Kunstmarkt. Derzeit arbeitet sie hauptsächlich in der Theater- und Tanzszene in NRW im Bereich (internationale) Online-Kommunikation und -Produktion für Institutionen, Festivals und freie Gruppen.

Die Künstler*innengruppe Club Real verwirklicht seit dem Jahr 2000 partizipative, ortsspezifische Projekte: Mit Installationen, Eins-zu-Eins-Begegnungen, politischen Rollenspielen und partizipativen Stadtentwicklungsprojekten lädt Club Real die Besucher*innen ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten. Von 2015 bis 2017 verwirklichte die Gruppe in Frankfurt (Oder) und Słubice das Projekt„Folkstheater / Teatr Ludowy“, über das sie 2018 im Verlag Theater der Zeit ein Buch herausbrachte: „Partizipation Stadt Theater“. 2019 war Club Real bei der 13. Havanna-Biennale auf Kuba mit der immersiven Performance-Installation „LASA10CARNAVAL“ vertreten. Zurzeit arbeitet Club Real in Berlin und Freiburg an dem partizipativen Politexperiment „Jenseits der Natur“, einem Modellprojekt, das auch nichtmenschlichen Lebewesen politische Rechte zuspricht. Die Wiener Arbeit dieser Reihe war 2019 zum Impulse-SHOWCASE eingeladen. Für DIE GROSSE SCHERE arbeiten Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck und Georg Reinhardt als Club Real zusammen.

Barbara Schmidt studierte Schauspiel in Wien sowie Theaterwissenschaft in München. Als Schauspielerin arbeitete sie u. a. am Theater Oberhausen, in Wien am Theater in der Josefstadt und am Burgtheater sowie am Volkstheater München. Sie war in Film- und Fernsehproduktionen wie Tannöd und Wilsberg zu sehen und arbeitet als Sprecherin für u. a. den WDR. Für den BR schrieb sie mehrere Hörspiele und Glossen. Seit 1997 arbeitet sie außerdem als freie Theater- und Kulturpädagogin, seit 2007 auch für den Kulturbetrieb Mülheim an der Ruhr.

Valentin Scholz ist Filmemacher und Videozauberer. Er studierte Wirtschaftsgeschichte in Bonn, Filmproduktion in Köln und arbeitete im Wahlkreisbüro eines NRW-Landtagsabgeordneten. Ob Low-Budget-Actionfilm, Partei-Propaganda, Familienstudie, Punkrock-Musikvideo, Imagefilme für OSCAR-Preisträger oder 90-minütige Fußball-Dokumentation: Valentin Scholz liebt es, filmisch zu arbeiten und lässt sich thematisch nicht einschränken.

03.06.21 17:30–19:00

Die Teilnahme ist kostenlos.

Mit der GROSSEN SCHERE setzen Club Real der sozialen Ungleichheit in Mülheim ein Denkmal gesetzt. Im Expert*innengespräch gehen sie diesem Phänomen gemeinsam mit der Historikerin Eva Gajek und dem Soziologen Volker Kersting auf den Grund: Woran lässt sich soziale Ungleichheit festmachen? Und wie wird sie in Städten sichtbar? Was ist dran an der Behauptung von Club Real, dass die Schere zwischen Arm und Reich zur Gefahr für die Gesellschaft wird, wenn sie sich zu weit öffnet? Volker Kersting war Leiter der „Stadtforschung und Statistik“ von Mülheim an der Ruhr und hat an der Ruhr-Universität Bochum u.a. zu sozialer Stadtentwicklung geforscht. Eva Gajek forscht an der Universität Gießen zu einer Geschichte des Reichtums von 1900 bis 1970.

Bei der diesjährigen Auswahl zum SHOWCASE schlug das Impulse Theater Festival einen Sonderweg ein. Endgültig eingeladen sind jene Produktionen aus der getroffenen Auswahl, die unter den zum Festivalzeitpunkt geltenden Hygieneauflagen realisierbar sind. Wird eine Arbeit ausgewählt, kann aber nicht gezeigt werden, erhalten die Künstler*innen ein Preisgeld. Damit will das Festival den Planungsunsicherheiten und existenziellen Sorgen, denen Künstler*innen derzeit ausgesetzt sind, ein Stück weit entgegenwirken.


Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen
THE KIDS ARE ALRIGHT
„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“, haben die Eltern gesagt, als sie nach Deutschland kamen – und sahen ihre Kinder mit Rassismus aufwachsen. Die Video-Installation versammelt die Stimmen von sechs Menschen mit unterschiedlichem Migrationserbe, die von Generationenkonflikten, politischen Kämpfen und Zukunftsvisionen berichten.
Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen in Koproduktion mit den Sophiensælen, Berlin. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds.

God’s Entertainment
GGGNHM – GUGGENHEIM IN FLORIDSDORF?
Ein Guggenheim zum Aufblasen! Aufgestellt in einem Wiener Randbezirk war die Nachbildung des berühmten New Yorker Museums gleichzeitig Attraktion und Streitobjekt. Die Gruppe God’s Entertainment zeigte dort Erinnerungen, die sonst in keinem Museum Platz finden, und stellt sich damit kritisch gegen Kunst als Mittel von Aufwertung und Stadtmarketing.
Eine Produktion von God's Entertainment in Kooperation mit DI Thomas Herzig (pneumocell) und BMS Production Group. Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und SHIFT – Basis Kultur Wien.

Phil Hayes
HEAVY HITTERS
Ein trauriger Song, schwache Knie, die scheiternden Schläge eines Boxers. Phil Hayes und John Rowley ringen um die Frage, wann es für einen alternden Körper an der Zeit ist aufzuhören. Wie viel Blut, wie viel Schweiß muss fließen? Wie viel Schmerz muss sein, bis man endlich sagt: Es reicht?
Eine Produktion von First Cut Productions in Koproduktion mit der Gessnerallee, Zürich.

Samara Hersch
BODY OF KNOWLEDGE (AT HOME)
Das Theater kommt zum Publikum nach Hause! Per Telefon sind die Zuhörer*innen untereinander und mit acht Teenagern aus Australien verbunden. In körperlicher Vereinzelung entsteht ein berührender Dialog zwischen den Generationen – über Nähe, Sexualität, Zukunftsängste und Trauer.
BODY OF KNOWLEDGE wurde realisiert im Rahmen von Be SpectACTive! in Koproduktion mit SICK! Festival, Liveworks Festival of Experimental Art und Carriageworks. Die „At Home“-Version ist eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hamburg und Zürcher Theater Spektakel.

Tanja Krone und Friedrich Greiling (Mittekill)
MIT ECHTEN SINGEN
30 Jahre nach der Wende fährt Tanja Krone in ihre sächsische Heimat und stellt Fragen: Was war da eigentlich los, 89/90? Die Stimmen ihrer alten Weggefährt*innen fügen Krone und der Musiker Friedrich Greiling in einer Mischung aus Pop, Rock, Techno, Disco und Trance zusammen. Eine persönliche Konzert-Performance, die tiefe Einblicke in ostdeutsche Realitäten gewährt.
Mit Dank an HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden.

Sibylle Peters
QUEENS. DER HETERACLUB
Im Februar 2020 war St. Pauli für kurze Zeit um eine Attraktion reicher: Das Queens, ein Club nur für Frauen, die Männer begehren. Auf dem schmalen Grat zwischen Kunst, Sexarbeit und Fürsorge erlebten die Besucher*innen in 1:1-Begegnungen mit männlichen Performern, was viele seit Beginn der Pandemie schmerzlich vermissen: Berührung.
Eine Koproduktion mit Kampnagel, Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Elbkulturfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Ülkü Süngün
TAKDIR. DIE ANERKENNUNG
Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.
Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Joana Tischkau, Elisabeth Hampe, Frieder Blume, Anta Helena Recke
DEUTSCHES MUSEUM FÜR SCHWARZE UNTERHALTUNG UND BLACK MUSIC
Das DMSUBM ist ein Raum für Schwarze Kultur, Popularmusik und Geschichte. Es beherbergt ein umfassendes Archiv von Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und anderen Gegenständen, die bislang kaum museal gewürdigt wurden. Damit setzt das DMSUBM auch ein Statement gegen die herrschende Geschichtsschreibung.
Eine Produktion von Tischkau & Hampe, künstlerische Kollaboration: Blume und Recke, in Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main und HAU Hebbel am Ufer, Berlin. Gefördert durch das Kulturamt Frankfurt am Main, den Fonds Darstellende Künste e.V. sowie die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin.

Julian Warner
THE HISTORY OF THE FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY AS TOLD BY FEHLER KUTI UND DIE POLIZEI
„Take my hand as we collect Dosenpfand“, fordern Fehler Kuti und die Polizei. In ihrer Bühnenshow wirbeln sie Musik, Theater und Theorie durcheinander. Heraus kommt ein tanzbares, quasi-religiöses Ritual, das die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes offenbart, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat.
Eine Produktion von Julian Warner in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.