29.5.–9.6.2024 Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr
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AKADEMIE #2 / FORUM: DIE KUNST, VIELE ZU BLEIBEN

Bundesweite Foren für Kunst, Freiheit und Demokratie
7.+8.6.2024, FFT Düsseldorf

Mit Kunst, Aktion und Debatte bearbeitet die AKADEMIE#2 / FORUM als eines der bundesweiten Foren „Die Kunst, Viele zu bleiben“ in Kooperation mit dem Fonds Darstellende Künste die wohl drängendste Aufgabe der Gegenwart: viele zu bleiben und damit die Demokratie zu stärken. Wie bedrohlich sich rechte Hetze äußert, zeigte die Hasskampagne gegen das Kollektiv CHICKS* und seine Performance LECKEN nach der Einladung zum Wildwechsel-Festival in Zwickau. Die AKADEMIE präsentiert LECKEN und lädt zu einem solidarischen Wissensaustausch west- und ostdeutscher Theaterfestivals und Vertreter*innen der Freien darstellenden Künste mit verfassungsrechtlichem Fokus: Wie schützen Grundgesetz und Rechtsstaatlichkeit die Freiheit von Kunst und Künstler*innen vor Willkür und Diskriminierung? Beiträge von Gin Müller zu performativen Widerstandsformen und von Arne Vogelgesang zu Narrativen der Neuen Rechten über Jugend und Familie verbinden den Diskurs mit der künstlerisch-aktivistischen Praxis.


AKADEMIE #2 – DIE KUNST, VIELE ZU BLEIBEN findet als eines der „Bundesweiten Foren für Kunst, Freiheit und Demokratie“ statt, eine Veranstaltungsreihe des Fonds Darstellende Künste in Kooperation mit Goethe-Institut, Chamäleon, Berlin, fabrik Potsdam, FFT Düsseldorf, Hans Otto Theater, Potsdam, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden, HAU Hebbel am Ufer, Berlin, Impulse Theater Festival, Kunstfest Weimar 2024, LOFFT – DAS THEATER, Leipzig, OSTEN Festival, Bitterfeld-Wolfen, Plattenstufen-Festspiele präsentiert vom Phoenix Theater Festival Erfurt, Residenz (Schauspiel Leipzig), Societaetstheater, Dresden, Sophiensӕle, Berlin, Zentralwerk e. V., Dresden, Zirkustheater-Festival, Dresden. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.

Ort: FFT Düsseldorf, Konrad-Adenauer-Platz 1, 40210 Düsseldorf

Bitte um Anmeldung über den Impulse-Ticketshop.

Das detaillierte Programm finden Sie auch unter fonds-daku.de.

© Robin Junicke
© Fonds Darstellende Künste
© Robin Junicke

Freitag, 7.6.

10:00–11:10 CHICKS* freies performancekollektiv, LECKEN

Wir lecken, wir schlecken, wir schlürfen. LECKEN ist der Aufklärungsunterricht unserer Träume. SO WET, SO SOFT, SO SAFE. Das queere Kollektiv spricht über Sexualitäten und stellt die Fragen, die in der Schule vergessen werden: Was verstehen wir unter Sex? Welche Körperteile bereiten uns Lust? CHICKS* sprechen aus und an.

Weitere Informationen zum Stück

Tickets können über den Impulse-Ticketshop gebucht werden.

10:30–11:00 Opening: Begrüßung & ​Impuls

HASS: Von der Macht eines widerständigen Gefühls
Impulsvortrag von Şeyda Kurt
Hass und Demokratie gelten gemeinhin als Gegensätze. Hass wird oftmals den Gegnern und Feinden der Demokratie zugeschrieben – als ein gegen die Demokratie gerichtetes Gefühl. Doch wie verhält es sich mit all jenen Hass ermöglichenden Strukturen, die Bestandteil der Demokratie selbst sind und von dieser geschützt und rechtlich ermöglicht werden, z.B. in den rigiden Ausschlussmechanismen der Migrationspolitik? In ihrer Analyse einer „Politik der Gefühle“ arbeitet die Autorin und Journalistin Şeyda Kurt die Ambivalenzen des Hasses als politischem Gefühl heraus und macht dabei auch seine widerständigen Potentiale in der Demokratie sichtbar.

11:15–12:45 Arbeitsphase I: Workshops & Diskursformate

WISSEN: Gespräch ​mit Şeyda Kurt und Kutlu Yurtseven
Entlang ihres aktuellen Buches „Hass“ diskutiert die Journalistin und Autorin Şeyda Kurt über eine „Politik der Gefühle“ und eröffnet damit einen Denkraum, in dem „strategische Emotionen“ als Ermächtigungs- und Widerstandspotentiale im politischen Raum / Kampf (be-)greifbar werden.​

ALLIANZEN: Antidiskriminierung und Kunstfreiheit: Rechtsgrundlagen in Förderkontexten und das Spannungsfeld von Klausel und Kunstfreiheit
Vortrag von Dr. Lino Agbalaka (Jurist)
In dieser Arbeitssession geht es um Rechtsgrundlagen in Förderkontexten und das Spannungsfeld von möglichen Antidiskriminierungsmaßnahmen (wie beispielsweise der in Berlin bereits Anfang des Jahres wieder zurückgezogenen Antidiskriminierung-Klausel) und Kunstfreiheit. Aber auch um generelle rechtliche Grundlagen zum Schutz vor Diskriminierung, wie beispielsweise im Grundgesetz verankert, und deren Umsetzungen im Arbeitsfeld der freien darstellenden Künste.

PRAXIS: Hitlergrüße und Theaterpistolen
Vortrag von​​​ ​​​Oliver​ Zahn über die Schwellen, an denen die Kunst aufhört.
Der Theatermacher und Performer Oliver Zahn betrachtet anhand von Beispielen aus über zehn Jahren künstlerischer ​Praxis​​ ​die Trennlinien zwischen dem, was als Kunst erlaubt ist, und dem, was statt​ ​dessen gesetzlich verboten ist – von der Hitlergruß-Geste bis hin zu Terroranschlägen in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit.

12:45–14:00 Mittagspause

14:00–16:00 Arbeitsphase II: Workshops & Diskursformate

WISSEN: ​​​Antifatheater & Rechtslagen im Netz und auf der Straße
Workshop mit Gin Müller
Die Arbeitssession fokussiert einerseits auf das Verhältnis von Theater und Performance zu Recht, Unrecht und Justiz. Andererseits geht es um Fragen (il-)legaler Spielräume des Widerstands gegen rechtsextreme Bewegungen sowie Beispiele und Verbindungen antifaschistischen Theaters zu Aktivismus und Antifa.​​​​

ALLIANZEN: ​Workshop-Session zu Codes of Conduct, Selbstverpflichtungen, Krisenmanagement und Co.
Workshop mit Anne Schneider​​ ​​​​​​
Der B.A.L.L. im Herbst 2023 zeichnete das Bild einer vielfältigen, lebendigen und solidarischen Szene. Doch in vielen Gesprächen war Verunsicherung zu spüren. Manche Stimmen verstummten, immer mehr Perspektiven verschwanden und verschwinden aus dem öffentlichen Diskurs. Damit ist eine elementare Grundlage unserer Demokratie gefährdet. Welche Instrumente und Verabredungen benötigen wir gegenwärtig als Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit in Projekten, Institutionen und bei Veranstaltungen? In diesem Workshop wollen wir auf die vorhandenen Expertisen aufbauen und das kollektive Wissen der Teilnehmenden nutzen, um Ansätze und Tools für diskriminierungsfreie Räume und Prozesse zu diskutieren und zu entwerfen.
Zu beachten:
Für diese Veranstaltung gibt es eine begrenzte Platzkapazität. Um teilnehmen zu können, bitten wir um Anmeldung unter email hidden; JavaScript is required (inklusive Nennung von Institution / Initiative).

PRAXIS: ​INTERNATIONAL UNFAIR
Workshop mit La Fleur​​ / Monika Gintersdorfer (in englischer, französischer und deutscher Sprache)
​Im internationalen Theater- und Tanzbetrieb gibt es große Ungleichheiten in den Reisemöglichkeiten der beteiligten Künstler*innen. Während europäische und nordamerikanische Künstler*innen recht problemlos weltweit reisen können, werden Künstler*innen aus dem Globalen Süden immer wieder Visa verweigert, selbst wenn sie Teil von professionell arbeitenden europäischen Compagnien sind. Die Gruppe La Fleur hat in dem Stück/Film „Les Chercheurs” diese Problematik transparent gemacht und verhandelt. Wir zeigen Ausschnitte und diskutieren gemeinsam konkrete Lösungsmöglichkeiten mit Blick auf geopolitische Ungerechtigkeiten im transnationalen Zusammenarbeiten.

14:30–15:40 CHICKS* freies performancekollektiv, LECKEN

Wir lecken, wir schlecken, wir schlürfen. LECKEN ist der Aufklärungsunterricht unserer Träume. SO WET, SO SOFT, SO SAFE. Das queere Kollektiv spricht über Sexualitäten und stellt die Fragen, die in der Schule vergessen werden: Was verstehen wir unter Sex? Welche Körperteile bereiten uns Lust? CHICKS* sprechen aus und an.

Weitere Informationen zum Stück

Tickets für die Vorstellungen von LECKEN um 14:30 (am 7.+8.6.) sind Teil des Programms von AKADEMIE #2 / FORUM und können nur nach Anmeldung bei der AKADEMIE #2 / FORUM über den Impulse-Ticketshop erworben werden.

16:00–16:30 Kaffeepause

16:30–17:00 Impuls von Luce deLire

Schattendemokratien: Das Subkutane in der Rechtssetzung
Zum Abschluss des Forum-Tages gibt die Philosophin und Performerin Luce deLire eine Tages-Response und eröffnet darin philosophische, rechtliche und performative Zugänge zu gesetzlichen und politischen Interpretationsspielräumen, um sich im Sinne der „kreativen Demokratie“ deren Grundlagen (wieder) anzueignen und sie neu auszudeuten – für eine rechtliche Zukunft der Vielen.
Luce deLire konstatiert: „Wir können in den letzten Jahren eine doppelte Bewegung beobachten: Die Gesetzgebung zieht sich hinter Gerichte und Individualverantwortung zurück. Gleichzeitig schafft sie untergesetzliche, subkutane Normen, die zwar nicht justiziabel, aber dennoch wirkungsvoll sind. Es ergibt sich eine Entpolitisierung der Politik im Lichte einer Schattendemokratie.”
Luce deLire ist ein Schiff mit acht Segeln und liegt unten am Kai. Neben akademischen Artikeln zu Themen zwischen Spinozas Metaphysik der Unendlichkeit, postkolonialen Perspektiven auf Gesellschaftsverträge und Antifaschismus hat sie zahlreich zu Kunst und Politik veröffentlicht.

Weitere Informationen: getaphilosopher.com

17:30 Shuttles zum SHOWCASE in Köln und Bonn

Samstag, 8.6.

10:00–11:10 CHICKS* freies performancekollektiv, LECKEN

Wir lecken, wir schlecken, wir schlürfen. LECKEN ist der Aufklärungsunterricht unserer Träume. SO WET, SO SOFT, SO SAFE. Das queere Kollektiv spricht über Sexualitäten und stellt die Fragen, die in der Schule vergessen werden: Was verstehen wir unter Sex? Welche Körperteile bereiten uns Lust? CHICKS* sprechen aus und an.

Weitere Informationen zum Stück

Tickets können über den Impulse-Ticketshop gebucht werden.

10:00–11:00 Begrüßung & Impulsgespräch

Von den Möglichkeiten eines AfD-Verbotes und den rechtlichen Handlungsspielräumen der Kunst
Helge Lindh (MdB, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion) im Gespräch mit Jean Peters (Correctiv) darüber, ob ein AfD-Verbot möglich, realistisch und sinnvoll ist und wie die Kunst eigene gesetzliche Spielräume im Sinne der Kunstfreiheit nutzen und gegen Angriffe behaupten kann. Moderation: Kathrin Tiedemann (Künstlerische Leitung und Geschäftsführung FFT Düsseldorf)

11:15–13:00 Arbeitsphase I: Workshops & Diskursformate

WISSEN: Living Smile Vidya im Gespräch mit Gin Müller (in englischer Sprache)
Living Smile Vidya und Gin Müller sprechen als trans* Aktivist*innen und Performer*innen über spezifische Transgender-Themen im Theater und in verschiedenen Gesellschaften. Sie führen einen offenen Austausch über die Verbindungen zwischen trans* Sichtbarkeit in der darstellenden Kunst und dem Kampf für die Rechte von Transgender-Menschen als politisches Thema.

ALLIANZEN: Der Zug is abgefahrn! WIR BLEIBEN HIER
Von und mit Maren Barnikow und Tommy Neuwirth/AGENTUR FÜR
Was heißt es, sich in Thüringen auf die Plätze zu stellen, die wöchentlich von autoritären populistischen Schreihälsen bespielt werden?! Die AGENTUR FÜR ruft zurück, mischt sich ein und gestaltet mit. Auszüge aus dem Portfolio der AGENTUR FÜR werden vorgestellt und ausprobiert: Ordentliches Schimpfen und Meckern, Entfachen der konstruktiv-kreativen Wutkraft FÜR DAS FÜR, künstlerische Strategien zur Neuvermessung des öffentlichen Raums.

PRAXIS: Zurück an die Front der Repräsentation. Performativer Kulturkampf um die Geschlechterordnung
Von und mit Arne Vogelgesang
Anhand von Beispielen einer neuen Generation neurechter Videoaktivist*innen wird untersucht, mit welchen argumentativen Versatzstücken, affektiven Angeboten und Selbstdarstellungen der Kulturkampf um die Repräsentanz geschlechtlicher Identitäten, inklusiver Sprechweisen und Körperbilder derzeit um die junge Zielgruppe geführt wird.

13:00–14:30 Mittagspause

14:30–16:00 Arbeitsphase II: Workshop & Diskursformate

WISSEN: Entnazifiziert euch!
Von und mit Luce deLire
Anhand von Originaltexten widmet sich die Philosophin und Performerin Luce deLire den Strategien, mit denen die Gerichte der jungen Bundesrepublik NS-Verbrechen straffrei gehalten haben. Luce deLire: „Wir schauen auch auf die Rolle deutscher Rechtsprechung in der finanziellen Stabilisierung Westdeutschlands der 50er- und 60er-Jahre. Zum Schluss werfen wir einen Blick auf Kontinuitäten dieser Praktiken in der Gegenwart am Beispiel von Rechten für trans* Menschen im Selbstbestimmungsgesetz.“

ALLIANZEN: Soundtracks der Transformationen
Workshop von und mit Dr. Anna Lux (Universität Freiburg / Leipzig)
Welchen Klang haben gesellschaftliche Brüche und Veränderungen? Im Mittelpunkt des Workshops stehen Songs über historische Transformationserfahrungen in Ostdeutschland nach 1989 sowie im Ruhrgebiet in Folge des Strukturwandels. Und wie klingt eigentlich der Sound gegenwärtiger Wandlungsprozesse?

PRAXIS: Colonastics – Trainingslecture
Mit Joana Tischkau (Performance), Frieder Blume (Sound), Onur Agbaba (Performance)
Colonastics wurde 2020 von Joana Tischkau und Elisabeth Hampe als performatives Fitness-Workout entwickelt, das sich mit der sozialen Konstruktion des Weiß-Seins beschäftigt. Es erschien als Video-Format und als mehrtägiges installatives Performance-Projekt. Als Blaupause der weißen männlichen Verkörperung beleuchtet es die kolonialen und neokolonialen Praktiken der Fitnessindustrie, die unsere Körper und somit auch unsere Ideologien produziert und formt. In dieser Trainingslecture teilt Joana Tischkau ihren Rechercheprozess und gibt den Mitmachenden ein Best-off in die verschiedenen Workout-Techniken.
Bequeme Kleidung empfohlen.

    14:30–15:40 CHICKS* freies performancekollektiv, LECKEN

    Wir lecken, wir schlecken, wir schlürfen. LECKEN ist der Aufklärungsunterricht unserer Träume. SO WET, SO SOFT, SO SAFE. Das queere Kollektiv spricht über Sexualitäten und stellt die Fragen, die in der Schule vergessen werden: Was verstehen wir unter Sex? Welche Körperteile bereiten uns Lust? CHICKS* sprechen aus und an.

    Weitere Informationen zum Stück.

    Tickets für die Vorstellungen von LECKEN um 14:30 (am 7.+8.6.) sind Teil des Programms von AKADEMIE #2 / FORUM und können nur nach Anmeldung bei der AKADEMIE #2 / FORUM über den Impulse-Ticketshop erworben werden.

    16:00–16:30 Kaffeepause

    16:30–17:00 Impuls von Luce deLire

    Vibrators for Dictators
    Zum Abschluss des Forum-Tages gibt die Philosophin und Performerin Luce deLire eine Tages-Response und eröffnet darin philosophische, rechtliche und performative Zugänge zu gesetzlichen und politischen Interpretationsspielräumen, um sich im Sinne der „kreativen Demokratie“ deren Grundlagen (wieder) anzueignen und sie neu auszudeuten – für eine rechtliche Zukunft der Vielen. Dabei fragt Luce deLire am zweiten Tag nach der Verführungskraft progressiver Politik und konstatiert: „Faschismus ist in diesem Land die Gegenkultur. Das macht ihn sexy. Und deshalb wählen ihn die Leute in die Parlamente. Wo ist die verführerische Kraft progressiver Politik? Wir brauchen ein sexy Gegenparadigma. Sexy Vergesellschaftung. Pink Camouflage. Hospitalität für alle. Castrate the Nation! Vibrators For Dictators!“

    17:30 Shuttles zum SHOWCASE in Köln und Bonn