Impulse Theater Festival

Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr

13.— 23. Juni 2019

White Limozeen


Die Operngeschichte ist voller Stücke, die das Ferne und Fremde als exotische Sensation verkaufen. Anhand der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ und ihrer eigenen Biografien führen eine Sopranistin und eine Schlagzeugerin durch die spannungsreiche Geschichte eines Genres zwischen Rassismus und einer Besetzungspraxis, die sich nicht für Herkunft und Ethnie der Darsteller*innen interessiert.

14.06.19 19:00 – 20:00 Tickets

AUSVERKAUFT

Tagesprogramm
15.06.19 21:00 – 22:00 Tickets Tagesprogramm
16.06.19 18:00 – 19:00 Tickets Tagesprogramm

Botschaft am Worringer Platz
Sprache: Deutsch und Englisch mit englischer und deutscher Übersetzung

Extra:
14.06. im Anschluss an die Vorstellung Publikumsgespräch in deutscher Sprache mit den Künstler*innen und Dr. Azadeh Sharifi, Theaterwissenschaftlerin, Ludwig-Maximilians Universität München / DFG-Projekt „(Post)migrantisches Theater in der deutschen Theatergeschichte — (Dis)Kontinuität von Ästhetiken und Narrativen“. Moderation: Dr. Christian Esch, Musiktheater-Dramaturg und Direktor des NRW KULTURsekretariats

© Philine Rinnert
© Philine Rinnert
© Philine Rinnert
© Philine Rinnert

„Madama Butterfly“ wurde 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Das Stück erzählt die Geschichte einer jungen japanischen Geisha, die um die Jahrhundertwende mit einem amerikanischen Offizier verheiratet wird. Kurz nach der Hochzeit lässt er sie in Japan zurück. Drei Jahre wartet Butterfly auf seine Rückkehr und verzehrt sich nach seiner Liebe. Als er mit seiner neuen amerikanischen Ehefrau zurückkehrt, um den gemeinsamen Sohn nach Amerika zu bringen, nimmt sich Butterfly das Leben.

In WHITE LIMOZEEN sind Fotos und Filmaufnahmen aus historischen Inszenierungen des Stücks zu sehen, die beiden Darstellerinnen stellen Butterflys Posen nach und interpretieren Puccinis Arien. Dabei wird deutlich, wie sehr die Darstellungstradition von Klischees geprägt wird, durch die das Ferne überhaupt erst zum Fremden wird. Diese Auseinandersetzung mit „Madama Butterfly“ ist der rote Faden der Inszenierung und Ausgangspunkt für Ausflüge in die Geschichte klassischer Musik und den Opernalltag der Gegenwart. Die lange Tradition schwarzer Künstler*innen auf den großen Bühnen dieser Welt trifft auf deren Verschwinden aus dem Bewusstsein der Operngeschichte, die heute gängige „farbenblinde“ Besetzung trifft auf Rassismuserfahrungen der beiden Darstellerinnen. Ein Musiktheaterabend, der sein Genre fern jeder Denunziation schonungslos seziert.

Credits

Konzept und Recherche: Johannes Müller, Philine Rinnert
Regie: Johannes Müller
Ausstattung: Philine Rinnert
Mit: Sarai Cole (Sopran), Sabrina Ma (Percussion)
Kontakt für Gastspielanfragen: contact[a]jm-pr.org

Production

Eine Produktion von BAM! — Berliner Festival für aktuelles Musiktheater. BAM! ist eine Initiative von ZMB — Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V., realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung.

Biographies

Johannes Müller studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Philine Rinnert studierte Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin. Seit 2009 entwickeln sie gemeinsam Musiktheaterhybride, die die Vergangenheit der Oper, ihre Wirkung und Techniken ins Visier nehmen und gleichzeitig eine Archäologie der Gegenwart sind, von Entertainment und Queer Culture. Die Projekte verbinden klassische Musik mit aktuellen Diskursen und archäologischen bzw. popkulturellen Artefakten. Zu ihren Arbeiten zählen „Operation Spirituelle“ (2013), „Herculaneum“ (2014), „Reading Salomé“ (2015/16, Jurypreis des Favoriten-Festivals), „Mean Greene Mother from outer space“ (2017) und „AIDS Follies“ (2018, in Kollaboration mit dem Komponisten Genoël von Lilienstern).