Impulse Theater Festival

Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf und Köln

13.— 24. Juni 2018

WENN DIE HÄUSER TRAUER TRAGEN

Das Impulse Theater Festival und das FFT geben dem Wilhelm-Marx-Haus in der Düsseldorfer Innenstadt ein gebührendes letztes Geleit: Sechs Künstler*innen und Kollektive gestalten in Zusammenarbeit mit den Nutzer*innen des Gebäudes verschiedene Formate, bei denen sie die im Haus gelebten Werte vorstellen, verabschieden und loslassen. Say Goodbye with a Smile.

Das Gebäude liegt auf einem Filet-Stück zwischen Kö und Altstadt. Sobald ein Investor gefunden ist, wird die Stadt das Haus verkaufen. Den dort ansässigen Institutionen, darunter die Auslandsgesellschaften der Volkshochschule, das Eine Welt Forum, das FFT Juta, das Gleichstellungsbüro der Stadt Düsseldorf, die International English Library, der Bezirkssozialdienst, ein Seniorentreff der Arbeiterwohlfahrt und die Tonhalle Düsseldorf mit einem Teil ihrer Büros, stehen ein Umzug und ein Neubeginn bevor.

Welche Werte gehen mit dem Verlassen des Hauses verloren? Wie kann der Verlust verarbeitet werden? Und was hat all das mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun, in dem die Werte einer am Gemeinwohl orientierten Demokratie immer mehr in den Hintergrund geraten?

WENN DIE HÄUSER TRAUER TRAGEN stellt sich der Verdrängung entgegen und ruft dazu auf, Veränderungsprozesse bewusst zu begleiten. Persönliche Betroffenheit und individuelle Reaktionen erhalten einen Raum in den Arbeiten der beteiligten Künstler*innen. In Zusammenarbeit mit den Nutzer*innen des Hauses entwickeln sie Szenen und Situationen, die sich mit Wertewandel, Trauer, Verlust und Neuanfang auseinandersetzen. Zu erleben sind diese Arbeiten bei FÜHRUNGEN
durchs Haus, bei den auf eigene Faust erkundbaren ABSCHIEDSPFADEN und bei einem großen TRAUERFEST.

Mit diesem Projekt laden die Impulse und das FFT alle Düsseldorfer*innen und Festivalgäste dazu ein, sich damit auseinanderzusetzen, welche Orte, Institutionen und Werte ihnen lieb und teuer sind, und das verbindende Moment eines gemeinsamen Abschieds zu feiern.

Mit: katze und krieg, K.U.R.S.K, plan b, Quast & Knoblich, Christine Rollar & Hendrik Scheel, Barbara Ungepflegt
Sowie: Eine Welt Forum Düsseldorf, FFT Juta, Gleichstellungsbüro der Stadt Düsseldorf, International English Library, Internationales Bildungszentrum DIE BRÜCKE, Tonhalle Düsseldorf

Eintritt frei.
Für die FÜHRUNGEN und die ABSCHIEDSPFADE melden Sie sich bitte an unter stadtprojekt@impulsefestival.de oder +49 (0)211 876787-18 (Mo–Fr, 10:00–17:00)


ABSCHIEDSPFADE

Willkommen im Anbau des Wilhelm-Marx-Hauses! Gleich beim Eingang erwarten die Gastgeber*innen Christine Rollar und Hendrik Scheel die Besucher*innen in ihrem temporären Abschiedsbüro. Nach dem Check-in erkunden die Gäste allein oder zu zweit Flure, Treppen, Säle, Turmzimmer oder geheime Kellerräume – hinter jeder Tür wartet ein neuer sozialer Kosmos. An fünf Stationen sind die Arbeiten der beteiligten Künstler*innen zu erleben:

katze und krieg rufen die Abschiedsbriefe der Auslandsgesellschaften der BRÜCKE hinaus in die Welt. Über Jahrzehnte gab der Anbau des Wilhelm-Marx-Hauses der interkulturellen Begegnung ein Zuhause, nun ist die Zukunft ungewiss. Welche Traditionen gibt es, um mit einem solchen Verlust umzugehen?

Die K.U.R.S.K ändert den Kurs. Gemeinsam mit dem Eine Welt Forum trägt sie überkommene Ideale und Politiken, alles, was uns aufhält beim Aufbruch in eine neue Zeit, in einer Seebestattung zu Grabe. Das Schöne im Makabren bekommt hier seinen Raum: Die Kapelle auf der Titanic, die letzte Zigarette in der knappen Atemluft des sinkenden U-Boots, Solidarität im Angesicht einer wettbewerbsorientierten Welt.

plan b tauchen mit der International English Library in die Welt der Bücher ein. Ausgehend von den liebsten Lektüren der Bibliothekar*innen erschaffen sie einen Katalog von Szenen, aus denen die Zuschauer*innen jene Geschichten, Momente und Objekte wählen können, die sie hören, erleben und ertasten wollen. In einer rationalisierten Welt erscheint die zwischen Buchdeckel gebannte Fantasie als radikale Kraft, die auch die politische Vorstellungskraft beflügeln kann.

Quast & Knoblich schicken die Nagelkünstler*innen Hen & Mai ins Rennen um die Stelle der Diversity-Beauftragten beim Gleichstellungsbüro. Ihre Kampagnen könnten verschiedener nicht sein: Während Hen mit seiner Kuschelkampagne nostalgisch auf den Abschied aus dem Gebäude blickt, kann Mai den Umzug kaum abwarten, um Diversity an einem neuen Ort radikal neu zu interpretieren. Mit welchem Programm lässt sich in der Stadt punkten? Welche*r Kandidat*in überzeugt Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Willfahrt?  

Barbara Ungepflegt ist Lady Di! Im Anbau des Wilhelm-Marx-Hauses eröffnet sie eine Bar für alle Traurigen aus dem gemeinen Volk. Bei einem Schnaps oder einem Tee mit der Empathie-Ikone geht es ums Ganze und ans Eingemachte.

Worum trauern Sie? Von welchen Orten und Werten haben Sie sich in Ihrem Leben bislang verabschieden müssen? Die ABSCHIEDSPFADE sind auch eine Reise in die eigene Biografie, zu den eigenen Überzeugungen und zu den letzten Wünschen für die Welt.

FÜHRUNGEN

Für wen wurde dieses Haus gebaut? Warum soll es verkauft werden? Und was hat es mit der Geschichte des gegenüberliegenden Carsch-Hauses zu tun, das vor gut dreißig Jahren um 27 Meter verschoben wurde? Antworten auf diese und viele andere Fragen geben die Führungen. In der Begegnung mit Nutzer*innen und Künstler*innen wird deutlich, was dieses Gebäude von einem normalen Bürohaus unterscheidet und welche Werte hier gelebt werden. 

TRAUERFEST 

Gemeinsam sagen wir am 24.06. ab 18:00 „goodbye“, aber: „with a smile!“.
Auf der großen Bühne zelebrieren die Künstler*innen mit den Nutzer*innen des Gebäudes die Werte, die im Anbau des Wilhelm-Marx-Hauses gelebt werden – Vorhang auf für Solidarität, Begegnung, Vielfalt, Fantasie, Empathie, die gute alte Égalité und vieles mehr. Und vielleicht heißt es ja auch: „Auf Wiedersehen!“ Was können wir aus diesem Haus mitnehmen und an anderem Ort zu neuem Leben erwecken? Der Leichenschmaus ist angerichtet.

16.06.18 14:00 – 15:00

FÜHRUNG mit Quast & Knoblich und Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Düsseldorf

Tagesprogramm
17.06.18 12:00 – 14:00

ABSCHIEDSPFADE, Start: alle 15 Minuten

Tagesprogramm
17.06.18 15:01 – 16:00

FÜHRUNG mit K.U.R.S.K und Ladislav Ceki, Eine Welt Forum Düsseldorf e.V.

Tagesprogramm
19.06.18 14:00 – 18:00

ABSCHIEDSPFADE, Start: alle 15 Minuten

Tagesprogramm
20.06.18 17:00 – 18:00

FÜHRUNG mit katze und krieg und den Auslandsgesellschaften des Internationalen Bildungszentrums DIE BRÜCKE

Tagesprogramm
21.06.18 14:00 – 18:00

ABSCHIEDSPFADE, Start: alle 15 Minuten

Tagesprogramm
22.06.18 14:00 – 17:00

ABSCHIEDSPFADE, Start: alle 15 Minuten

Tagesprogramm
22.06.18 17:00 – 18:00

FÜHRUNG mit plan b und der International English Library (in englischer Sprache)

Tagesprogramm
23.06.18 14:01 – 15:00

FÜHRUNG mit Barbara Ungepflegt und einem noch unbekannten Gast des Hauses

Tagesprogramm
24.06.18 18:00

TRAUERFEST

Tagesprogramm
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

Credits

Idee/Konzept/dramaturgische Begleitung: Haiko Pfost, Christine Rollar, Wilma Renfordt, Christoph Rech 
Ausstattung: Hendrik Scheel
Produktionsleitung: Randi Günnemann
Technik: Nino Petrich
Social Media/Dokumentation: Sina Langner  

Produktion

Eine Koproduktion von FFT Düsseldorf und Impulse Theater Festival, gefördert von der Kunststiftung NRW, dem Fonds Darstellende Künste und Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Dank an das Bestattungshaus Frankenheim und das Düsseldorfer Schauspielhaus.

Biografien

katze und krieg sind die Performancekünstlerinnen katharinajej und Julia Dick. Ihre künstlerische Zusammenarbeit begann 2007 während ihres Studiums
an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Beide leben und arbeiten in Köln. katze und krieg arbeiten mit Interventionen in die Alltagswelt des öffentlichen Raumes, darunter z. B. Supermärkte, Wohnviertel und Fußgängerzonen.

Die K.U.R.S.K, das sind Liliane Koch, Timo Krstin und Lukas Sander. Das Künstler*innenkollektiv aus Zürich arbeitet an der Schnittstelle von Politik, Literatur und körperlicher Performance. Elemente seiner Arbeiten sind politische Reden, Lesungen und hörspielartige Performances. K.U.R.S.K bedient sich oft der Geschichte eines Ortes, literarischer Dokumente und Zeitzeugnisse und entwickelt aus dem Material eine eigene Erzählung.

plan b sind die britischen Künstler*innen Sophia New und Daniel Belasco Rogers. Sie leben und arbeiten seit 2001 in Berlin. Ihre Arbeiten entstehen in den verschiedensten Kontexten und Medien und umfassen u. a. Performances, freies Theater, bildende und digitale Kunst, Installationen und Interventionen im städtischen Raum.

Quast & Knoblich sind Hendrik Quast und Maika Knoblich. Sie begannen ihre Zusammenarbeit 2009. Ihr gemeinsames Interesse gilt der Theatralisierung des Alltäglichen, dem Banalen, Grotesken und Nebensächlichen. Sie bearbeiten theaterferne Milieus, darstellerische und handwerkliche Techniken sowie nichtdramatische Texte und Rhetoriken und binden dabei häufig auch lokale Gemeinschaften wie Vereine und Laienensembles in ihre Arbeit ein.

Christine Rollar lebt als Performerin und Schauspielerin in Berlin. Sie ist Mitglied der WIR-AG und des freien Künstler*innenkollektivs Lunatiks. Mit Lunatiks entstanden unter ihrer künstlerischen Leitung u. a. DIE GOLDENE SCHWEIGEKAPSEL (Theater Kiel) und 2 TAGE & 1 NACHT (Junges dt, Berlin). Darüber hinaus war sie an den Projekten BAD HOTEL (Gessnerallee Zürich), DER BERG im Palast der Republik und HOTEL BERLIN anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ballhaus Ost beteiligt.

Hendrik Scheel studierte Bühnen- und Kostümbild an der HfBK Dresden, der Akademie der bildenden Künste Wien und am Central Saint Martins College of Art and Design London. Seit 2000 ist er als freischaffender Bühnen- und Kostümbilder tätig, u. a. mit den Regisseuren Arne Böge, Claudia Bauer, Wolfgang Engel und Peer Perez Øian. Arbeiten führten ihn u. a. ans Neue Theater Halle, das Staatsschauspiel Dresden, das Staatstheater Stuttgart, an die Volksbühne / Prater Berlin und an Det Norske Teatret, Oslo. Seit 2010 arbeitet Hendrik Scheel mit dem Verein sideviews im Bereich der kulturellen Bildung zusammen sowie am Aufbau des Theaterprofils der Refik-Veseli-Schule in Berlin-Kreuzberg.

Barbara Ungepflegt ist Performance- und Installationskünstlerin. In vielen ihrer Arbeiten setzt sie sich mit Zwischenräumen und Utopien in der Öffentlichkeit auseinander, so z. B. „airpnp“, bei der sie zwei Wochen lang eine Wiener Bushaltestelle bewohnte. Barbara Ungepflegt ist Mitbegründerin und Leiterin des Universitätslehrgangs für angewandte Dramaturgie A!DRAMA in Wien und promoviert derzeit bei Robert Pfaller im Bereich Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz.