29.5.–9.6.2024 Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr
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Absent.e pour le moment
VIELLEICHT

Straßennamen schreiben kollektive Geschichte. Cédric Djedje und Safi Martin Yé berichten von 40 Jahren Kampf für die Umbenennung dreier Straßen im „Afrikanischen Viertel“ in Berlin. Video-Interviews mit Aktivist*innen, Erzählungen historischer Begebenheiten und persönliche Erfahrungen verdichten sich zu einer klaren politischen Botschaft.

15.06., 18:30–20:10 Ticket Tagesprogramm 16.06., 18:30–20:10 Ticket Tagesprogramm

(Zusatzvorstellung)

17.06., 18:30–20:10 Tagesprogramm

zur Zeit keine Tickets verfügbar

FFT Düsseldorf
Sprache: Französisch mit deutschen und englischen Übertiteln

15.6. im Anschluss: Erfahrungsaustausch in englischer Sprache mit den Künstler*innen und Aktivist*innen des Arbeitskreis Düsseldorf postkolonial. Moderation: Wilma Renfordt, Impulse Theater Festival

© Dorothée Thébert Filliger
© Dorothée Thébert Filliger
© Dorothée Thébert Filliger

Das „Afrikanische Viertel“ heißt nicht so, um seine afrikanischen Bewohner*innen zu würdigen, sondern weil sich dort der deutsche Traum, eine bedeutende Kolonialmacht zu sein, in 25 Straßennamen niederschlägt. Da sind die Kameruner Straße, die Togostraße, und bis 2022 gab es auch drei Straßen, deren Namen an die Gründer der deutschen Kolonien erinnerten. Aktivist*innen haben jahrzehntelang dafür gekämpft, sie nach afrikanischen Widerstandskämpfer*innen zu benennen.

Djedje und Yé treten mit den Aktivist*innen per Video-Projektion in Dialog, sie erzählen von Kolonisatoren und von Cornelius Fredericks und der Familie Manga Bell, nach denen zwei der Straßen heute benannt sind. Djedje, selbst Franzose mit ivorischen Wurzeln, berichtet von seinen Recherchen in Berlin, vom Tanzen in den Clubs und von einem Online-Date, das ihn nur treffen will, weil er Schwarz ist. Berlin erscheint ihm wie ein Spiegel, der ihm sein Schwarzsein vor Augen hält.

„Berlin ist eine Stadt der selektiven Erinnerung“, sagt eine Aktivistin im Video. Es fehlen Monumente, die an die deutschen Kolonialverbrechen und den Widerstand dagegen erinnern. Die afrikanische Realität wird verschwiegen. VIELLEICHT bringt sie selbstbewusst auf die Bühne.


„Eine starke und politische Inszenierung, die ohne Vorwürfe auskommt – von jenen an die wahren Schuldigen mal abgesehen – und so viel tiefer über die verhandelten Probleme nachdenken lässt.“
Fabien Imhof, La Pépinière, 3.11.2022

Credits

Das Projekt wurde ermöglicht durch alle Aktivist*innen, die zur Recherchephase beigetragen und ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Träume geteilt haben.
Inszenierung: Absent.e pour le moment
Konzept: Cédric Djedje
Intepret*innen: Cédric Djedje, Safi Martin Yé
Dramaturgie: Noémi Michel
Outside Eyes: Diane Muller, Ludovic Chazaud
Autor*innen: Ludovic Chazaud, Noémi Michel
Bühnenbild: Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Beratung: Marco Ievoli
Bühnenbau: Atelier construction Vidy
Choreografie: Ivan Larson
Sounddesign, Komposition: Ka(ra)mi
Kostümdesign, Kanga: Tara Mabiala
Anfertigung: Eva Michel
Grafikdesign: Claudia Ndebele
Lichtdesign: Léo Garcia, Beratung: Joana Oliveira
Licht-Management: Nidea Henriques
Video: Valeria Stucki
Sound-/Video-Management: Sebastien Baudet
Transkriptionen: Eva Michel, Bel Kerkhoff-Parnell, Orfeo, Janyce Djedje
Übertitel-Einrichtung: Diane Muller
Produktionsleitung: Lionel Perrinjaquet, Tutu Production

Produktion

Eine Produktion von Absent.e pour le moment, Le Grütli – Centre de production et de diffusion des Arts Vivants, Lausanne, Théâtre de Vidy-Lausanne. Gefördert durch Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, État de Genève, Loterie Romande, Agenda21 der Stadt Genf, Ernst Göhner Stiftung, Fondation Leenaards, Porosus Fonds de dotation, Schweizerische Interpretenstiftung SIS, SSA – Société Suisse des Auteurs, Fondation Jan Michalski, Migros-Kulturproduzent und Stanley Thomas Johnson Stiftung.

Biografien

Die Gruppe Absent-e pour le moment wurde 2020 in Genf von Cédric Djedje (zwischen Genf und Berlin lebender Schauspieler und Projektmacher) gegründet. Der zentrale Ansatz der Gruppe ist die kollektive Arbeit an multidisziplinären Aufführungen. Dabei wollen die Künstler*innen verschiedene Wege der Gemeinschaftsbildung aus der Persperktive Schwarzer und postkolonialer kritischer Theorie in befragen und mit ihnen experimentieren. Die Gruppe will politische Beziehungen denaturalisieren und die Machtbeziehungen offenlegen, die die Entstehung historischer Narrative in postkolonialen europäischen Räumen bestimmen. Ihre Mitglieder machen Feldforschung, um die Auswirkungen des kolonialen Moments auf das zu untersuchen, was wir unseren Alltag nennen, auf das, was uns unhinterfragt umgibt und unsere individuellen und kollektiven Identitäten prägt. Ihre Methode kann als eine Spielmaschine verstanden werden, die Sprechtheater, Tanz, Performance und kritische akademische Disziplinen verbindet. Absent.e pour le moment machen politische und spielerische Kunst, bei der der Drang sich zu bewegen unwiderstehlich wird. Eine politische Kunst, die nach Bewegungen sucht, in der die Freude von Minoritäten und die Fähigkeit sichtbar werden, Räume für Spiel und Worte zu erschaffen, die temporäre Zufluchten nicht nur für Minoritäten, sondern für alle bieten.