9.–19. Juni 2022 in Mülheim an der Ruhr, Köln und Düsseldorf
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Takdİr. Die Anerkennung

Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.

05.06.21 14:00–14:45

+ Gespräch im Anschluss

Im Anschluss an die Vorstellung am 05.06. Gespräch mit Ülkü Süngün und Kutlu Yurtseven (engagiert bei der Initiative „Keupstraße ist überall“, Rapper bei der Kölner Gruppe Microphone Mafia, Lehrer, Sozialarbeiter sowie Mitwirkender bei der Keupstraßen-Trilogie am Schauspiel Köln).
Sie sprechen über verschiedene Formen der Erinnerungsarbeit und die Wichtigkeit eines solidarischen Aktivismus.

Sprache: Deutsch

TAKDİR. DIE ANERKENNUNG Ülkü Süngün © Robin Junicke
TAKDİR. DIE ANERKENNUNG Ülkü Süngün © Robin Junicke
© Christian Schuller

Die Performance beginnt mit einem Lauttraining: Jeweils eine Person sitzt der Künstlerin gegenüber und übt mit ihr die türkische Aussprache der Buchstaben „r“, „z“, „ı“ und „ç“. Daraufhin lernen die Teilnehmendein, die Namen der zehn Opfer richtig auszusprechen, um sie dann gemeinsam mit Ülkü Süngün laut vorzutragen. Der Sprachkurs wird per Lautsprecher übertragen und so verstärkt, dass er rundherum hörbar ist. Mit jeder*m weiteren Teilnehmenden wird der „Chor der Sprechenden und Erinnernden“ lauter.

Takdir heißt übersetzt Anerkennung, Wertschätzung. Im Akt des repetitiven Aussprechens der Namen klingen Erinnerung und Anerkennung nach, es entsteht ein temporäres Denkmal an die NSU-Mordopfer. Ülkü Süngün hinterfragt in ihrer Performance Praktiken der Erinnerungskultur im öffentlichen Raum: Wer wird anerkannt, wer wird mit Denkmälern geehrt und wer nicht? Wie kann Erinnerung öffentlich stattfinden, ohne mit einem Monument bedacht zu werden? In welcher Form kann Erinnerung in Sprache gefasst werden? Und was bedeutet der jeweilige Moment des Erinnerns für jede*n Einzelne*n von uns?

Produktion

Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Biografie

Ülkü Süngün lebt und arbeitet in Stuttgart, wo sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei studierte. Ihre künstlerische Forschung untersucht mittels prozessorientierter wie kollaborativer Ansätze Migrations- und Identitätspolitiken ebenso wie Erinnerung. Ihre kritischen Arbeiten bedienen sich dabei der Fotografie, der Installation und der Bildhauerei, werden aber auch als Lecture-Performances realisiert. Als Dozentin an der Merz Akademie und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart beschäftigte sie sich auch mit emanzipatorischen Fragen der Lehre. Im Künstlerhaus Stuttgart realisierte sie ihr Projekt „Institut für Künstlerische Migrationsforschung“. Mit dem 2017 gegründeten gleichnamigen Verein macht sie ihre bisherige künstlerische, sozial- und gesellschaftskritische Praxis strukturell sichtbar und nutzt Räume nomadisch.