Impulse Theater Festival

Köln, Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr

4.–14. Juni 2020

ES IST ZU SPÄT


Kamera, Mikro, Bildschirme: das Studio eines YouTubers. Live vor Publikum filmt er einen Monolog über die Katastrophe, auf die die Welt zusteuert, und das Theater, das nichts dagegen tun kann. Sind Videos im Netz das wirksamere Medium? Oder ist es Zeit, ganz aufzuhören?

13.06.20 22:00 – 23:00 Tagesprogramm

Tanzfaktur, Bühne
Sprache: Deutsch mit englischer Simultanübersetzung

© Loris Rizzo
© Loris Rizzo
© Loris Rizzo

„Hallo. Hi. Schön, dich zu sehen“, sagt Arne und strahlt in die Kamera. In seinem Video blickt er für seine Follower*innen auf fünf Jahre Theaterarbeit mit politischem Material zurück. Fünf Jahre Dokumente eines gesellschaftlichen Umbruchs, fünf Jahre Aufklärung, fünf Jahre Positionsbestimmung, fünf Jahre Leben an der Armutsgrenze. Er spricht über das Artensterben, den Klimawandel, Wasserknappheit, Flucht, Armut, Ungerechtigkeit, die Festung Europa, Kriege und Faschismus.

Was soll man da anderes machen, als die Erzählung von der Katastrophe zu wiederholen? Im Theater wiederholt man ja sowieso ständig alles. „Die ganze Welt ist unsere Bühne“, sagt Arne. „Und ihr Kollaps ist ein Genuss.“ Und so versucht er es jetzt mit diesem YouTube-Kanal. Eine neue Bühne ist eröffnet.

Credits

Text und Performance: Arne Vogelgesang
Außenblick: Marina Miller Dessau
Geschichte: internil
Kontakt für Gastspielanfragen: internil, interface[a]internil.net

Produktion

Produziert vom Theaterdiscounter Berlin im Rahmen des Monologfestivals 2019.

Biografien

internil ist ein 2005 gegründetes Label für recherchebasierte und intermediale Theater- und Performanceprojekte. Seit mehreren Jahren arbeiten sie fast ausschließlich mit Material aus dem Internet, das sie mithilfe digitaler Hard- und Software für Live-Events aufbereiten. Dank mehrjähriger Untersuchung postpolitischer Phänomene im Netz sind internil auch beratend tätig. Hauptarbeitsmethode der Gruppe sind Live-Reenactments in Copy-and-Paste-Dramaturgien. Die Anwesenheit des Publikums ist dabei immer auf die eine oder andere Art Teil der Aufführung.

Arne Vogelgesang studierte Regie am Max Reinhardt Seminar Wien und ist Gründungsmitglied von internil. Neben den Projekten mit internil arbeitet er als Videokünstler, hält Vorträge und Workshops zur Ästhetik radikaler Internet-Propaganda, veröffentlicht literarische Texte und arbeitet in der kulturellen Bildung. Dabei experimentiert er mit verschiedenen Zusammensetzungen von dokumentarischem Material, neuen Medien und Performance. Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind politische Radikalisierung, deviante Praktiken und die Digitalisierung des Menschlichen. Seit 2020 ist er Fellow an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund.