9.–19. Juni 2022 in Mülheim an der Ruhr, Köln und Düsseldorf
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Club Real: Die Grosse Schere / Eigentum verpflichtet e.V.

Bis zum Festivalabschluss am 13.06.2021 stand hier die Behauptung, das STADTPROJEKT wäre eine Monumentalskulptur in Form einer großen Schere: eine 120 Meter hohe Versinnbildlichung der Vermögensunterschiede in Mülheim, platziert mitten in der Ruhr. Am letzten Festivaltag wurde das Kunstwerk enthüllt. Doch was hier das Licht der Öffentlichkeit erblickte, war keine Stahlskulptur, sondern eine andere Art von Kunstwerk – eine alternative Realität, zwar wie die Behauptung der großen Schere von der Künstler*innengruppe Club Real gestaltet, aber gleichzeitig ganz echt: der Verein Eigentum verpflichtet e.V. mit der von ihm engagierten Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund, Barbara Schmidt. Der Verein und die Integrationsbeauftragte waren bereits seit Monaten in Mülheim aktiv und traten als Kooperationspartner des STADTPROJEKTS auf. Dass die Künstler*innen den Verein gegründet und die Kampagne entwickelt hatten, blieb der Öffentlichkeit jedoch bis zur Enthüllung verborgen.

Nichts an diesem Projekt war fiktiv. Der Verein existiert, die Integrationsbeauftragte war tatkräftig im Einsatz. Barbara Schmidt ist bereits seit 14 Jahren in Mülheim als Kultur- und Theaterpädagogin tätig, hat somit weitreichende Erfahrung in sozialer Arbeit – allerdings vor allem mit Menschen, die nur über sehr wenig Einkommen verfügen. Außerdem ist sie ausgebildete Schauspielerin. Sie konnte ihrer Figur also sowohl mit den Mitteln des Rollenspiels als auch auf der Basis ihrer eigenen Erfahrung Leben verleihen.

Genauso echt wie die Integrationsbeauftragte war auch die Empörung über die angekündigte Monumentalskulptur DIE GROSSE SCHERE – obwohl die Künstler*innen den Entwurf für das Kunstwerk bewusst so übertrieben hatten, dass sie fest davon überzeugt waren, dass niemand ernsthaft an die Realisierung der Skulptur glauben würde. Offenbar war es in der öffentlichen Wahrnehmung aber trotzdem naheliegender, dass ein derartiges Projekt realisiert wird, als dass ernsthaft über die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Vermögenshintergrund nachgedacht wird. Trotz aller Bemühungen mit Informationsständen an belebten Plätzen, Hausbesuchen, Postwurfsendungen, Pressemitteilungen und einer umfangreichen Social-Media-Kampagne konnte keine einzige vermögende Person erfolgreich integriert werden.

Was ist wirkmächtiger? Ein Verein, der tatsächlich versucht, Integrationsarbeit zu leisten und Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe zu bewegen, oder ein Kunstwerk, das die Ungleichheit der Gesellschaft zwar abbildet, aber nie gebaut werden wird?

Aktivitäten des Vereins Eigentum verpflichtet e.V.:


13.04. Pressemitteilung zum Beginn der Aktivitäten von Eigentum verpflichtet e.V.; Beginn der Social-Media-Kampagne des Vereins

16.–26.04. Plakatkampagne von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

20.–21.04. Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

03.05. Postwurfsendung Eigentum verpflichtet e.V. in vermögenden Bezirken von Mülheim an der Ruhr

17.05.–13.06. Regelmäßige Telefonsprechstunden der Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund

18.05. Plakatkampagne „Reiche integrieren“ von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

21.–22.05. Hausbesuche der Integrationsbeauftragten für Menschen mit Vermögenshintergrund in Mülheim-Uhlenhorst, Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr

26.05., 18:00–19:00, Videokonferenz
Gesprächsrunde „Ängste und Sorgen von Menschen mit Vermögenshintergrund“
Videomitschnitt des Gesprächs

Der Psychotherapeut Christian Lessiak sprach mit der Integrationsbeauftragten über die Frage, wie Vermögen das Verhalten und die psychische Gesundheit von Menschen beeinflussen kann. Eignet sich die Rückkehr in die gesellschaftlichen Mitte womöglich als Therapiemethode?

27.05. Digitales Interessent*innentreffen von Eigentum verpflichtet e.V.

29.05. Informationsstände von Eigentum verpflichtet e.V. in Mülheim an der Ruhr


Web-Präsenzen von Eigentum verpflichtet e.V.:

www.eigentum-verpflichtet.jetzt
facebook.com/EigentumVerpflichtet.eV

instagram.com/eigentumverpflichtet.ev

twitter.com/Eigentumverpfl

© Eigentum verpflichtet
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© Eigentum verpflichtet
© Robin Junicke
© Eigentum verpflichtet e.V.

Aktivitäten zur GROSSEN SCHERE:


30.04.
Eröffnung der Baustellenbox DIE GROSSE SCHERE

03.06., 17:30–19:00, Videokonferenz
EXPERT*INNENGESPRÄCH

Videomitschnitt des Gesprächs

Im Gespräch mit der Historikerin Eva Gajek und dem Soziologen Volker Kersting gingen Club Real dem Phänomen der sozialen Ungleichheit auf den Grund: Woran lässt sich soziale Ungleichheit festmachen? Und wie wird sie in Städten sichtbar? Was ist dran an der Behauptung von Club Real, dass die Schere zwischen Arm und Reich zur Gefahr für die Gesellschaft wird, wenn sie sich zu weit öffnet? Und vor allem: Was tun?

13.06., 18:00–20:00, Ringlokschuppen Ruhr
DIE ENTHÜLLUNG
Ursprünglich wurde hier ein Festakt angekündigt, bei dem die Künstler*innen von Club Real Einblicke in die Entstehung des Projekts geben und „von der aufregenden Realisierung dieser komplexen Kunstaktion berichten“: Warum Mülheim? Warum eine große Schere? Und was kann die Aktion in der Stadtgesellschaft bewirken? Tatsächlich hielt die Integrationsbeauftragte Barbara Schmidt eine Rede, in dem sie Eigentum verpflichtet e.V. als Teil des STADTPROJEKTS enthüllte. Anschließend hatte der Film Premiere, der Entstehung und Verlauf des Gesamtprojekts dokumentiert.

© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

Credits

Club Real: Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck, Georg Reinhardt
Integrationsbeauftragte für Menschen mit Vermögenshintergrund: Barbara Schmidt
Dokumentationsfilm, Pressesprecher Eigentum verpflichtet e.V.: Valentin Scholz
Social Media Eigentum verpflichtet e.V.: Lena Busse

Dramaturgie: Haiko Pfost, Wilma Renfordt
Produktionsleitung: Zsolt Káldy, Theresa Heußen
Produktionsassistenz: Anna Jungfer

Produktion

Im Rahmen des STADTPROJEKTS 2021 – EIGENTUM VERPFLICHTET wurden zwei Teilprojekte realisiert:

Das STADTPROJEKT – DIE GROSSE SCHERE ist eine Koproduktion von Club Real, Ringlokschuppen Ruhr und Impulse Theater Festival, gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Fonds Darstellende Künste.

Das STADTPROJEKT – DIE INTEGRATIONSBEAUFTRAGTE ist eine Koproduktion von Club Real, Ringlokschuppen Ruhr und Impulse Theater Festival, gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Fonds Soziokultur.

Biografien

Lena Busse studierte vergleichende Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Medienkulturwissenschaft in Bonn, Graz und Köln. Ihre Themenschwerpunkte sind die analoge und digitale Spielekultur sowie der Kunstmarkt. Derzeit arbeitet sie hauptsächlich in der Theater- und Tanzszene in NRW im Bereich (internationale) Online-Kommunikation und -Produktion für Institutionen, Festivals und freie Gruppen.

Die Künstler*innengruppe Club Real verwirklicht seit dem Jahr 2000 partizipative, ortsspezifische Projekte: Mit Installationen, Eins-zu-Eins-Begegnungen, politischen Rollenspielen und partizipativen Stadtentwicklungsprojekten lädt Club Real die Besucher*innen ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten. Von 2015 bis 2017 verwirklichte die Gruppe in Frankfurt (Oder) und Słubice das Projekt„Folkstheater / Teatr Ludowy“, über das sie 2018 im Verlag Theater der Zeit ein Buch herausbrachte: „Partizipation Stadt Theater“. 2019 war Club Real bei der 13. Havanna-Biennale auf Kuba mit der immersiven Performance-Installation „LASA10CARNAVAL“ vertreten. Zurzeit arbeitet Club Real in Berlin und Freiburg an dem partizipativen Politexperiment „Jenseits der Natur“, einem Modellprojekt, das auch nichtmenschlichen Lebewesen politische Rechte zuspricht. Die Wiener Arbeit dieser Reihe war 2019 zum Impulse-SHOWCASE eingeladen. Für DIE GROSSE SCHERE arbeiten Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck und Georg Reinhardt als Club Real zusammen.

Barbara Schmidt studierte Schauspiel in Wien sowie Theaterwissenschaft in München. Als Schauspielerin arbeitete sie u. a. am Theater Oberhausen, in Wien am Theater in der Josefstadt und am Burgtheater sowie am Volkstheater München. Sie war in Film- und Fernsehproduktionen wie Tannöd und Wilsberg zu sehen und arbeitet als Sprecherin für u. a. den WDR. Für den BR schrieb sie mehrere Hörspiele und Glossen. Seit 1997 arbeitet sie außerdem als freie Theater- und Kulturpädagogin, seit 2007 auch für den Kulturbetrieb Mülheim an der Ruhr.

Valentin Scholz ist Filmemacher und Videozauberer. Er studierte Wirtschaftsgeschichte in Bonn, Filmproduktion in Köln und arbeitete im Wahlkreisbüro eines NRW-Landtagsabgeordneten. Ob Low-Budget-Actionfilm, Partei-Propaganda, Familienstudie, Punkrock-Musikvideo, Imagefilme für OSCAR-Preisträger oder 90-minütige Fußball-Dokumentation: Valentin Scholz liebt es, filmisch zu arbeiten und lässt sich thematisch nicht einschränken.