Impulse Theater Festival

Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf und Köln

13.— 24. Juni 2018

Akademie des Prekären #1 — Zwischen Dorfplatz und Weltmarkt

Freies Theater zwischen Ortsbezug und internationaler Koproduktion
14.-17.06., studiobühneköln sowie Produktionsorte im Raum Köln (Exkursionen)
Leitung: Kolja Burgschuld

Im Freien Theater trifft die Auseinandersetzung mit lokalen Communitys, individuellen Biografien, öffentlichem Raum und örtlicher Stadtgesellschaft auf internationale Kollaboration, Koproduktion und Gastspielreisen. In diesem Spannungsfeld von Lokalität und Globalität – so die These – zeigt sich eine Konstante des Freien Theaters, das damit ständig prekäres Terrain betritt. Die Gründe dafür sind allerdings nicht nur künstlerisch: In drei Themenblöcken stellt die Akademie den ästhetischen, den kulturpolitischen und den ökonomischen Diskurs ins Zentrum. Dabei wagt sich die Akademie selbst auf prekäres Terrain, indem jeder Tag mit einer Exkursion ins Ungewisse beginnt.

Zum Besuch der Akademie #1 ist eine Anmeldung erforderlich.
Nähere Informationen zur Anmeldung und zu den Kosten finden Sie hier.

© Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft
© WDR Lindenstraße
© Jascha Sommer
© Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft
© WDR Lindenstraße
© Jascha Sommer

14.06. DIE WELT IST EIN DORF — Künstlerische Praxis

In welchen lokalen, überregionalen oder internationalen Kontexten verrichten Künstler*innen ihre Arbeit? Warum arbeiten sie mit lokalen Communitys oder im öffentlichen Raum? Warum konzipieren einige ihre Arbeiten für ein multinationales Publikum? Und in welchem Verhältnis stehen diese Strategien zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit urbanen und ländlichen Räumen sowie mit der Globalisierung?

10:00—11:30 EHRLICH REISEN — Exkursion zum Set der „Lindenstraße“

10:00 Treffpunkt: Set der „Lindenstraße“, Produktionsgelände des WDR in Köln-Bocklemünd, Freimersdorfer Weg 6, 60829 Köln
(Anreise über U-Bahnhof „Köln-Bocklemünd“ oder Bushaltestelle Köln-Bocklemünd „WDR“)
Führung und Gespräch: Aufnahmeleiter*in der „Lindenstraße“
Tonspur: Die Rabtaldirndln

Millionen (inter-)nationaler Fernsehzuschauer*innen verfolgen seit 1985 das Treiben auf der Münchner Lindenstraße. Doch die ist eine Attrappe gleich neben der Autobahn in Köln. Auch die Heimat der Rabtaldirndln ist ein imaginiertes Territorium – und Ausgangspunkt für Performances über Lebensrealitäten zwischen Stadt und Land. Inspiriert von der chinesischen Kopie des österreichischen Dorfes Hallstatt träumen die Rabtaldirndln in ihrer Tonspur von einem Nachbau der Lindenstraße im Rabtal. Gemeinsam mit einem*r Aufnahmeleiter*in der „Lindenstraße“ erkunden die Teilnehmer*innen daraufhin die Kulissen der Lindenstraße sowie Entstehungszusammenhänge lokalen und internationalen Kunstschaffens.
(Anschließend Shuttle zur studiobühneköln)

12:00—17:00 Vorträge und Tischgespräche, studiobühneköln

12:00 Mittagessen
13:00 I WANT TO BREAK FREE: Keynote von Cis Bierinckx
13:30 KOORDINATEN: KÜNSTLERISCHE POSITIONEN: Kurzvorträge von Katalin Erdődi, Corsin Gaudenz, Bernhard Herbordt & Melanie Mohren (Herbordt/Mohren), Kieron Jina & Antje Schupp, Stefan Kaegi (Rimini Protokoll), Jens-Erwin Siemssen (Das letzte Kleinod), Moderation: Johanna Kluhs & Kolja Burgschuld
15:00 Pause
15:30 ATLAS DES FREIEN THEATERS: Tischgespräche mit Katalin Erdődi, Corsin Gaudenz, Bernhard Herbordt & Melanie Mohren, Kieron Jina & Antje Schupp, Stefan Kaegi , Jens-Erwin Siemssen
16:30 Resümee Johanna Kluhs & Kolja Burgschuld
17:00 Shuttle zum Ringlokschuppen Ruhr
(23:30 Shuttle nach Köln)

Biografien

Cis Bierinckx war von 1984 bis 1986 Mitglied des Leitungsteams des Kunstzentrums deSingel in Antwerpen. Seit den 1980er-Jahren hat er u. a. mit Künstler*innen wie Meg Stuart, William Kentridge, Tracey Rose, Péter Halász und Vera Mantero sowie für diverse Festivals wie Sommerszene Salzburg und Salzburger Festspiele, Springdance Utrecht, Holland Festival, Mickery Theatre und TIME Festival Gent gearbeitet. Er war u. a. künstlerischer Leiter der Beursschouwburg in Brüssel und des Belluard Festivals in Fribourg. Seit 2015 lebt und arbeitet er in Düsseldorf, u. a. als Kritiker, Produzent und Kurator sowie als Jurymitglied für das Flämische Kulturministerium und die Camargo Foundation.

Kolja Burgschuld studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Von 2011 bis 2013 war er Geschäftsführer des Dachverbands der darstellenden Kunst für junges Publikum in Österreich und Kurator des ASSITEJ International Meeting 2013 in Linz. Er leitete das STELLA-Festival in St. Pölten, Bregenz und Graz und war Mitglied des Leitungsteams am DSCHUNGEL WIEN. Seit 2016 ist er Mitglied des Kuratoriums für Theater, Tanz und Performance der Stadt Wien. 2018 leitet er gemeinsam mit Sandra Umathum die Impulse-Akademie.

Katalin Erdődi arbeitet seit 2004 als Kuratorin, Dramaturgin und Forscherin im Bereich zeitgenössischer Kunst und Performance. Als Kuratorin war sie an renommierten Kunstinstitutionen wie Trafó Budapest, Ludwig Museum Budapest und Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig tätig. Zuletzt hat sie als künstlerische Leiterin des Festivals imagetanz und Kuratorin im brut Wien gearbeitet, ab 2018 ist sie Kuratorin des steirischen herbsts in Graz. Als dramaturgische Beratung arbeitete sie mit den Künstler*innen Gin Müller, Oleg Soulimenko, Sööt/Zeyringer und Doris Uhlich zusammen. Als Doktorandin des PhD-in-Curating-Programms der ZHdK Zürich und der University of Reading erforscht sie kuratorische Strategien im postsozialistischen ländlichen Raum.  

Corsin Gaudenz studierte Schauspiel und Kunstgeschichte sowie im Masterprogramm Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin. Er arbeitet als Regisseur, Choreograf und Dramaturg in den Bereichen Performance, Tanz und Musiktheater – mit einer Vorliebe für Prozesse des Unabgeschlossenen und eigenwillige narrative Strukturen. Zuletzt realisierte er die Oper „Tell“ (2015), „Dingdonggrüezi“, eine HausBauSchau (2014), die Ausstellung „abstract animals“ (2014) und das Zirkusstück „Time Is On My Side“ (2013). 2013 schrieb er das Libretto für das Opernprojekt „l’homme qui rit“ der Gruppe Freie Oper Zürich.  

Kieron Jina, geboren in Durban, erzählt in Performances, Choreografien, Fotografie und Videokunst persönliche Geschichten, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen auseinandersetzen. 2016 entwickelte er mit Marc Philipp Gabriel die Tanzperformance „Shave that Gummi“ und war im Rahmen des Festivals Foreign Affairs der Berliner Festspiele in „The Brother Moves On“ zu sehen. 2017 entstand die Performance „Down to Earth“, eine Zusammenarbeit mit Marc Philipp Gabriel für die Tanzfabrik Berlin. Kieron Jina ist Mitbegründer und Kurator der Queer Art Night South Africa.

Stefan Kaegi inszeniert in verschiedenen Konstellationen dokumentarische Theaterstücke, Hörspiele, Spielformate und Stadtrauminszenierungen. Gemeinsam mit Helgard Haug und Daniel Wetzel arbeitet er unter dem Label Rimini Protokoll, das 2011 mit dem Silbernen Löwen für Theater der Biennale in Venedig ausgezeichnet wurde. Zuletzt inszenierte Rimini Protokoll die Tetralogie „Staat 1–4“ über Phänomene der Postdemokratie sowie das kleine transportable Gesellschaftsspiel „Hausbesuch Europa“. Im Ruhrgebiet kuratierten Rimini Protokoll zuletzt unter dem Titel „Truck Tracks Ruhr“ einen fahrbaren Zuschauerraum.

Johanna-Yasirra Kluhs ist freie Programm- und Produktionsdramaturgin. Nach einem Studium der Germanistik und der Philosophie war sie gemeinsam mit Felizitas Stilleke künstlerische Leiterin des Festivals FAVORITEN 2014. Mit Anne Hirth konzipierte und leitete sie das Festival FUX an den Wuppertaler Bühnen. 2014/15 gehörte sie zur Auswahljury des NRW Kinder- und Jugendtheatertreffens Westwind. Sie arbeitete als Programmdramaturgin am Theater im Pumpenhaus Münster und am Südpol Luzern. Derzeit co-leitet sie das Programm Interkultur Ruhr, ist Mitglied der Auswahljury des Festivals Politik im Freien Theater und arbeitet als Produktionsdramaturgin mit verschiedenen Regisseur*innen und Choreograf*innen.

Melanie Mohren und Bernhard Herbordt sind Absolvent*innen der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen und entwickeln seit 2000 gemeinsam interdisziplinäre Arbeiten im Grenzbereich der darstellenden Künste: Ihre Raum- und Klanginstallationen, Hörstücke, Performances, (Musik-)Theaterarbeiten, Ausstellungs- und Publikationsprojekte basieren auf umfassenden Recherchen, werden international präsentiert und sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. 2012 gründeten Herbordt/Mohren Die Institution. Als weitverzweigte Kunstanlage, Onlinearchiv, Label und Arbeitszusammenschuss engagiert sich Die Institution für einen erweiterten Theaterbegriff und arbeitet in unterschiedlichen Formaten und Medien zu Institutionen, ihrer Kritik und Aktualisierung.

Die Rabtaldirndln, das sind Barbara Carli, Rosi Degen, Bea Dermond, Gudrun Maier und Gerda Saiko. Das fünfköpfige Theaterkollektiv aus Graz entwickelt seit 15 Jahren Performances und Theaterproduktionen, die sich inhaltlich mit Themen wie Landflucht, sterbende Dörfer oder ideologisches Auseinanderdriften von Stadt und Land beschäftigen.

Jens-Erwin Siemssen studierte Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart sowie Objekttheater an der Hogeschool voor de Kunsten Amsterdam. 1991 gründete er als künstlerischer Leiter die Gruppe Das Letzte Kleinod. Jens-Erwin Siemssen entwickelte die Idee eines Theaters auf Schienen: Mit dem Ozeanblauen Zug führt die Künstlergruppe internationale Theaterprojekte auf dem Schienenweg durch. Das Letzte Kleinod erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2016 den Theaterpreis des Bundes.

15.06. REGIONALE VERORTUNG —ÜBERREGIONALE SICHTBARKEIT — Kulturpolitik

Wenn Städte und Länder ihre kulturellen Identitäten als ökonomisch bedeutsames Standortmerkmal begreifen, wo positioniert Kulturpolitik die freien darstellenden Künste? Bei kultureller Nahversorgung, im internationalen Standortmarketing oder in beiden Feldern zugleich? Welchen unmittelbaren – und oftmals paradoxen – Einfluss haben diese Agenden auf die Produktionszusammenhänge? Welches Verständnis von Kunst und Freier Szene liegt diesem Handeln zugrunde?
In Kooperation mit dem NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste und dem Bundesverband Freie Darstellende Künste

10:00 Exkursion zu SC Fortuna Köln — DENN FORTUNA, DAT SIN MIR ALL HEE

10:00 Treffpunkt: SC Fortuna Köln, Südstadion, Am Vorgebirgstor 2, 50969 Köln
(Anreise über U-Bahnhof Köln-Zollstock „Pohligstraße“ oder Bushaltestelle Köln-Zollstock „Am Vorgebirgstor“)
Führung und Gespräch: Stephan Gohlke, Leiter Kommunikation des SC Fortuna Köln Tonspur: Otmar Wagner 

Auf überregionaler oder gar internationaler Bühne zu spielen steht im Volkssport Fußball für Erfolg und Wachstum. Zugleich sind die Geschichten der Vereine bis heute oftmals geprägt von lokalen Identitäten. „Theater muss wie Fußball sein“, behauptete Dietmar Roberg 1982. Der Performer Otmar Wagner denkt in seiner Tonspur laut über verschiedene Lesarten dieser Aussage im Dreieck Fußball-Kunst-Kulturpolitik nach. Daraufhin erkunden die Teilnehmer*innen gemeinsam mit Stephan Gohlke die wechselvolle Geschichte des SC Fortuna Köln und das Südstadion. Wie gelingt der Spagat zwischen lokaler Identität und überregionaleminternationalem Erfolg – im Fußball wie in der Freien Szene?
(Anschließend Shuttle zur studiobühneköln)

12:00—17:30 Vorträge,Tischgespräche und Diskussion, studiobühneköln

12:00 Mittagessen
13:00 FREIER FALL? — ÜBER DIE BEZIEHUNG VON STADT- UND THEATERENTWICKLUNG: Keynote von Hilke Berger (HafenCity Universität Hamburg)
13:20 ONBETAALBAAR — DIE BEDEUTUNG LOKALER VERANKERUNG: Keynote von Kristof Blom (CAMPO)
13:45 Pause
14:00 KULTURPOLITISCHE PERSPEKTIVEN: Einführung Podiumsdiskussion mit Christian Esch (NRW KULTURsekretariat), Jörg Fürst (Freihandelszone — ensemblenetzwerk köln), Geheimagentur, Valeska Klug (Universität Duisburg-Essen), Frauke Schnell (Stadt Münster), Moderation: Harald Redmer (NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste) & Kolja Burgschuld
14:30 KULTURPOLITISCHE PERSPEKTIVEN: Gespräche Tischgespräche mit den Expert*innen
Christian Esch: Impulse setzen durch kulturpolitische Vernetzung
Jörg Fürst: Lokale Vernetzungsstrategien der Freien Szene
Geheimagentur: Lokale Verankerung für eine (inter-)nationale Arbeit
Valeska Klug: Konzepte freier darstellender Künste in der Kulturpolitik
Frauke Schnell: Die Bedeutung freier darstellender Künste für die Stadtentwicklung
15:45 Pause
16:00 REGIONALE VERORTUNG — ÜBERREGIONALE SICHTBARKEIT:  Podiumsdiskussion mit den Expert*innen, Moderation: Thomas Kaestle
17:00 Resümee Thomas Kaestle
17:30 Shuttle zum Ringlokschuppen Ruhr (00:30 Shuttle nach Köln)

Biografien

Hilke Berger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HafenCity Universität Hamburg. Als Stadtforscherin beschäftigt sie sich u. a. mit Praktiken der Teilhabe, kollektiver Stadtgestaltung und dem öffentlichen Raum. Sie entwickelte, koordinierte und erarbeitete künstlerische und wissenschaftliche Projekte für Festivals, Theater und Universitäten in Berlin, Leipzig und Hamburg. Hilke Berger hält international Vorträge und publiziert. Zuletzt erschienen: „Handlung statt Verhandlung. Kunst als gemeinsame Stadtgestaltung“ und „New Stakeholders of Urban Change. A Question of Culture and Attitude?“ (hg. mit Gesa Ziemer).

Kristof Blom studierte Performing Arts an der Universität Gent. Bis 2001 arbeitete er als Dramaturg für verschiedene Künstler*innen und Kompanien wie Toneelhuis Antwerpen, Victoria und Het Paleis. Von 2001 bis 2007 war er am Theaterhaus Viktoria für die Bereiche internationale Vernetzung und Produktion zuständig. Seit 2008 ist er Teil des Teams von CAMPO, einem Produktionshaus in Gent, das Präsentation und Produktion darstellender Kunst mit künstlerischer Forschung vereint. Seit 2011 ist er künstlerischer Leiter von CAMPO.

Kolja Burgschuld studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Von 2011 bis 2013 war er Geschäftsführer des Dachverbands der darstellenden Kunst für junges Publikum in Österreich und Kurator des ASSITEJ International Meeting 2013 in Linz. Er leitete das STELLA-Festival in St. Pölten, Bregenz und Graz und war Mitglied des Leitungsteams am DSCHUNGEL WIEN. Seit 2016 ist er Mitglied des Kuratoriums für Theater, Tanz und Performance der Stadt Wien, 2018 leitet er gemeinsam mit Sandra Umathum die Impulse-Akademie.

Christian Esch ist Direktor des NRW KULTURsekretariats. Er studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie und promovierte zur Oper. Zahlreiche Rezensionen und Aufsätze in Tageszeitungen, Rundfunk und Fachpresse. Christian Esch war als Musiktheater- und Schauspieldramaturg u. a. in Frankfurt am Main, Innsbruck und München sowie als Produzent und Redakteur beim Hessischen Rundfunk tätig. Neben Lehraufträgen an Hochschulen und vielfältigen (Buch-)Veröffentlichungen zu Kunst und Kultur ist er Mitglied im Musikbeirat des Goethe-Instituts und berät die Stadt Duisburg bei der Kulturentwicklungsplanung.

Jörg Fürst ist Mitgründer, künstlerischer Leiter und Regisseur der Kölner Theatergruppe A.TONAL.THEATER. Weitere Regiearbeiten entstanden u. a. am Theater an der Ruhr in Mülheim an der Ruhr, am Schauspiel Bonn und am Haus der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Er ist Mitbegründer des Theaterlabels Freihandelszone — Ensemblenetzwerk Köln sowie Teil der künstlerischen Leitung der internationalen Tanz- und Theaterfestivals GLOBALIZE:COLOGNE und URBÄNG!. Für das Theater an der Ruhr leitet er seit 2013 das Bürgerbühnenprojekt VolXbühne. Er wurde 2005 und 2011 mit dem Kölner Theaterpreis und beim 11. THEATERZWANG Festival 2004 (heute FAVORITEN) mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Geheimagentur produziert Einrichtungen und Situationen, die wie Fiktionen erscheinen und dann doch die Realitätsprüfung bestehen. Ihre Performances lassen eine andere Realität im Kleinen entstehen, öffnen Fluchtwege aus den Ökonomien der Verknappung und forschen mithilfe des Unwahrscheinlichkeitsdrive. Die Geheimagentur arbeitet anonym. Sie ist ein freies Label, ein offenes Kollektiv und der Versuch einer praktischen „art of being many“.

Thomas Kaestle nähert sich künstlerischen Phänomenen als Kulturwissenschaftler mit interdisziplinärer Perspektive. Diskurse um Kunst in öffentlichen Räumen initiierte er u. a. als künstlerischer Leiter des Kunstvereins Hildesheim. Er ist Mitglied der Hannover'schen Expertenkommission für Kunst im Stadtraum. Thomas Kaestle lehrte in Dortmund, Hildesheim und Kassel und ist Autor wissenschaftlicher, essayistischer und journalistischer Texte zu Kultur, Stadt und Kulturpolitik. Zuletzt verfasste er das Jahrbuch des Bundesverbands Freie Darstellende Künste.  

Valeska Klug promoviert seit 2016 an der Universität Duisburg-Essen zu Diskursivierungen von Künstler*innensubjektivitäten seit der Etablierung von Förderstrukturen für die Freien Darstellenden Künste. Von 2007 bis 2010 studierte sie Theaterwissenschaft und Medienwissenschaft (B.A.), im Anschluss daran Theaterwissenschaft (M.A.) sowie European Culture and Economy (M.A.) in Bochum und Dunkerque. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie als Produktionsleiterin u. a. für das Theaterfestival FAVORITEN tätig und realisiert als Mitglied der scheinzeitmenschen eigene künstlerische Projekte.

Harald Redmer ist seit 2013 Geschäftsführer des NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste in Dortmund und leitender Geschäftsführer des ältesten deutschsprachigen freien Festivals FAVORITEN. Ferner vertritt er die Interessen der Szene als Vorstandsmitglied im Bundesverband Freie Darstellende Künste in Berlin, im Kulturrat NRW und im Regionalverband Ruhr. Er verantwortet für das Landesbüro verschiedene Förderprogramme für die professionell arbeitende Szene, seit 2016 insbesondere auch interkulturell ausgerichtete Förderformate, und hat 2017 ein neues Qualifizierungsprogramm für die Freie Darstellende Szene initiiert.

Frauke Schnell studierte Psychologie, Germanistik und Kommunikationswissenschaften an der WWU Münster. Seit 2008 leitet sie das Kulturamt der Stadt Münster. Der Fokus liegt hier auf der Förderung und Stärkung der vielfältigen Freien Szene sowie auf deren Vernetzung – intern, mit kommunalen Kultureinrichtungen sowie mit weiteren Akteur*innen in interdisziplinären Handlungsfeldern. Zuvor arbeitete sie in einer privatwirtschaftlichen Kultur- und Projektberatungsagentur und begleitete als Projektleiterin Wettbewerbe und Projekte im Schnittfeld von Kultur, Stadtentwicklung und Stadtmarketing. 

Otmar Wagner lebt und arbeitet als freischaffender Performancekünstler und Utopieforscher in Wien. In den letzten Jahren entwickelte er vorwiegend Essay-Performances und multimediale Konzert-Performances. Derzeit arbeitet Otmar Wagner am Zyklus „WUNDE WELT“. Er zeigte seine Arbeiten u. a. bei zeitraumexit Mannheim, am FFT Düsseldorf, im Mousonturm Frankfurt am Main und im Festspielhaus Hellerau in Dresden. Otmar Wagner kollaboriert u. a. mit norton.commander.productions, geheimagentur und toxic dreams. Für den steirischen herbst 2016 arbeitete er mit dem Dokumentartheater-Regieduo Kroesinger/Dura zusammen.

16.06. I AM NOT A BUSINESSMAN, I AM AN ARTIST (Warren Buffett) — Ökonomie

Kann das Freie Theater unter dem ökonomischen Druck, international konkurrenzfähig zu sein, eine widerständige künstlerische Praxis bleiben? Wie lässt sich die Marktökonomie des Freien Theaters, seiner Künstler*innen, Häuser und Festivals beschreiben? Ist seine Internationalisierung ein Beitrag zur kulturellen Diversität oder trägt sie zur Vereinheitlichung von Theaterästhetiken bei? An welches lokale oder internationale Publikum richtet es sich?

10:00 AUS IDEEN WERDEN MÄRKTE — Exkursion zum Kölner Hafen

10:00 Treffpunkt: CTS Containerterminal, Stapelkai 11, 50735 Köln
(Anreise über Tram-Haltestelle Köln-Riehl „Amsterdamer Straße/Gürtel“ oder Bushaltestelle Köln-Niehl „Betriebshof Nord“)
Führung und Gespräch: Oliver Haas, Prokurist des CTS
Tonspur: sputnic

Im zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands manifestiert sich die Welt des Handels: Der Container ist das Medium der Globalisierung. „Art is not able to interrupt the economy without interrupting art as an economic activity“, sagt der Soziologe und Kurator Kuba Szreder. „Aus Ideen werden Märkte“, sagt die Deutsche Bank. Was erzählen Hafen und Container über standardisierte Formen des Warentransfers, lokale Produktion und internationale Distribution? Gemeinsam mit dem CTS-Prokuristen Oliver Haas erkunden die Teilnehmer*innen den Kölner Hafen. Das Künstlerkollektiv sputnic denkt dazu in Form einer akustischen Collage über den Zusammenhang künstlerischer und wirtschaftlicher Logiken nach.
(Anschließend Shuttle zur studiobühneköln)


12:00—16:30 Workshops und Diskussion, studiobühneköln

12:00 Mittagessen
13:00 POLITICIZING INTER/NATIONAL PRODUCTION: Workshop mit Bojana Kunst (Justus-Liebig-Universität Gießen)
13:00 WELTBÜRGERTUM UND WIDERSTAND: Workshop mit Lukas Franke
14:45 Pause
15:15 THINK LOCAL, SELL GLOBAL? Freies Theater und Ökonomie Podiumsdiskussion mit Kristof Blom (CAMPO), Dirk Cieslak (VIERTE WELT), Anja Dirks (Belluard Bollwerk International), Kathrin Tiedemann (FFT Düsseldorf & Bündnis internationaler Produktionshäuser), Moderation: Jan Deck
16:15 Resümee Jan Deck
16:30 Shuttle zum Ringlokschuppen Ruhr (00:30 Shuttle nach Köln)

Biografien

Kristof Blom studierte Performing Arts an der Universität Gent. Bis 2001 arbeitete er als Dramaturg für verschiedene Künstler*innen und Kompanien wie Toneelhuis Antwerpen, Victoria und Het Paleis. Von 2001 bis 2007 war er am Theaterhaus Viktoria für die Bereiche internationale Vernetzung und Produktion zuständig. Seit 2008 ist er Teil des Teams von CAMPO, einem Produktionshaus in Gent, das Präsentation, Produktion und künstlerische Forschung von darstellender Kunst vereint. Seit 2011 ist er künstlerischer Leiter von CAMPO.

Dirk Cieslak ist Gründer der Theaterformation Lubricat. Zuvor war er 15 Jahre lang als Handwerker tätig, absolvierte ein Studium der Sozialwissenschaften in Bremen und London und einen Forschungsaufenthalt in Westafrika. Von 1990 bis 1992 arbeitete er mit Lubricat auf Kampnagel in Hamburg. 1993 zog er nach Berlin, dort gründete er 1996 gemeinsam mit Sasha Waltz und Jo Fabian die Sophiensaele, wo er mit Lubricat bis 2007 kontinuierlich arbeitete. Seit 2008 Kooperation mit dem Ballhaus Ost und Gastregisseur u. a. im Theaterhaus Jena, am Schauspiel Leipzig und am Theater Magdeburg. 2010 gründete Dirk Cieslak unter der programmatischen Überschrift „Für ein Theater nach dem Projekt“ VIERTE WELT in Berlin. 

Jan Deck ist Politikwissenschaftler, er lebt in Frankfurt am Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Mit Katja Kämmerer erforscht er unter dem Namen profikollektion historische und politische Orte. Beim postmigrantischen Ensemble theaterperipherie entwickelt er als Dramaturg und Co-Autor überwiegend Rechercheprojekte mit Nichtprofis. Er arbeitet für den hessischen Landesverband der Freien Darstellenden Künste laPROF, ist Mitglied von Jurys und Beiräten, kuratiert Tagungen, Festivals und Labors. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit Aspekten von Kunst und Gesellschaft, u .a. in „Paradoxien des Zuschauens“ und „Politisch Theater machen“ (beide hg. mit Angelika Sieburg) und „Stop teaching!“ (hg. mit Patrick Primavesi).  

Anja Dirks studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Sie war Assistentin von Matthias Lilienthal beim Festival Theater der Welt 2002 und danach als Programmdramaturgin tätig, zunächst am FFT Düsseldorf und von 2004 bis 2007 als Mitglied des Leitungsteams im Theaterhaus Gessnerallee Zürich. Für die Wiener Festwochen kuratierte sie 2008 den Programmbereich forum festwochen. Von 2009 bis 2014 war sie künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen in Braunschweig und Hannover. Seit 2015 leitet sie das Belluard Festival in Fribourg. 

Lukas Franke hat in Großbritannien studiert. Er arbeitet als freier Autor, Dramaturg, PR-Berater zwischen Kultur und Politik und ist als Kurator für Themen und Diskurs Mitglied des Leitungsteams am WERK X in Wien. Lukas Franke hat für Amnesty International und DGB-Gewerkschaften Kampagnen konzipiert und gibt demnächst ein Buch heraus, das sich mit der Krise des Westens als Chance für die Entstehung einer globalen Gesellschaft beschäftigt.   

Bojana Kunst studierte Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana. Die Philosophin, Tanz- und Performancetheoretikerin und Dramaturgin lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie war Gastprofessorin an verschiedenen europäischen Universitäten und Kunsthochschulen und arbeitet kontinuierlich mit Künstler*innen, unabhängigen Kulturorganisationen und Festivals aus dem Bereich der zeitgenössischen Performancekunst zusammen. Zudem ist sie Mitglied in den Redaktionsleitungen der Magazine „Maska“ und „Performance Research“ und Autorin zahlreicher Publikationen, u. a. „Artist at Work. Proximity of Arts and Capitalism“. 

sputnic sind die drei Medienkünstler und Designer Malte Jehmlich, Nicolai Skopalik und Nils Voges. Seit 2004 arbeiten sie interdisziplinär in den Bereichen Animation, Design und Bühne. Sie entwickeln mediale Szenografien für Theaterstücke, produzieren Filme und schaffen Installationen, die die Grenzebereiche analoger und digitaler Realitäten ausloten. Dabei untersuchen sie soziale, kulturelle und kommerzielle Prozesse und ihre medialen Inszenierungen. 

Kathrin Tiedemann studierte Theaterwissenschaft und Germanistik. Sie war Dramaturgin auf Kampnagel in Hamburg, Mitbegründerin und Kuratorin des Festivals reich & berühmt in Berlin und arbeitete als Redakteurin und Autorin u. a. für die Wochenzeitung „Freitag“ und „Theater der Zeit“. Seit 2004 ist sie künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forum Freies Theater (FFT) in Düsseldorf, Partner und Spielstätte des Impulse-Festivals und Mitinitiator des Bündnisses Internationaler Produktionshäuser.

17.06. STELLPLATZ DER WIDERSPRÜCHE — Abschlussbrunch

Wie lassen sich die unterschiedlichen Perspektiven zu einem Kaleidoskop freien Theaterschaffens zwischen Lokalbezug und internationalen Produktionszusammenhängen bündeln? Im gemütlichen Rahmen im Garten der Studiobühne tragen Vertreter*innen aus Praxis, Theorie und Kulturpolitik bei einem gemeinsamen Brunch die Erlebnisse und Erkenntnisse der Akademie durch Abschlussstatements, Videodokumente und eine Diskussionsrunde zu einem Stellplatz der Widersprüche zusammen – weiterhin auf der Suche nach dem prekären Terrain der Freien Szene.

Programm

11:00 TOPOGRAFIE DES FREIEN THEATERS: Videodokumentationen und Resümees der vergangenen drei Tage von und mit Jan Deck, Lukas Franke, Thomas Kaestle, Valeska Klug, Johanna Kluhs, Antje Schupp
13:30 Pause
14:00 Shuttle nach Düsseldorf zum Stadtprojekt des Impulse Theater Festivals WENN DIE HÄUSER TRAUER TRAGEN im FFT Juta
16:00 Shuttle zum Ringlokschuppen Ruhr

Biografien

Jan Deck ist Politikwissenschaftler, er lebt in Frankfurt am Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Mit Katja Kämmerer erforscht er unter dem Namen profikollektion historische und politische Orte. Beim postmigrantischen Ensemble theaterperipherie entwickelt er als Dramaturg und Co-Autor überwiegend Rechercheprojekte mit Nichtprofis. Er arbeitet für den hessischen Landesverband der Freien Darstellenden Künste laPROF, ist Mitglied von Jurys und Beiräten, kuratiert Tagungen, Festivals und Labors. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit Aspekten von Kunst und Gesellschaft, u .a. in „Paradoxien des Zuschauens“ und „Politisch Theater machen“ (beide hg. mit Angelika Sieburg) und „Stop teaching!“ (hg. mit Patrick Primavesi). 

Lukas Franke hat in Großbritannien studiert. Er arbeitet als freier Autor, Dramaturg, PR-Berater zwischen Kultur und Politik und ist als Kurator für Themen und Diskurs Mitglied des Leitungsteams am WERK X in Wien. Lukas Franke hat für Amnesty International und DGB-Gewerkschaften Kampagnen konzipiert und gibt demnächst ein Buch heraus, das sich mit der Krise des Westens als Chance für die Entstehung einer globalen Gesellschaft beschäftigt.  

Thomas Kaestle nähert sich künstlerischen Phänomenen als Kulturwissenschaftler mit interdisziplinärer Perspektive. Diskurse um Kunst in öffentlichen Räumen initiierte er u. a. als künstlerischer Leiter des Kunstvereins Hildesheim. Er ist Mitglied der Hannover'schen Expertenkommission für Kunst im Stadtraum. Thomas Kaestle lehrte in Dortmund, Hildesheim und Kassel und ist Autor wissenschaftlicher, essayistischer und journalistischer Texte zu Kultur, Stadt und Kulturpolitik. Zuletzt verfasste er das Jahrbuch des Bundesverbands Freie Darstellende Künste.

Valeska Klug promoviert seit 2016 an der Universität Duisburg-Essen zu Diskursivierungen von Künstler*innensubjektivitäten seit der Etablierung von Förderstrukturen für die Freien Darstellenden Künste. Von 2007 bis 2010 studierte sie Theaterwissenschaft und Medienwissenschaft (B.A.), im Anschluss daran Theaterwissenschaft (M.A.) sowie European Culture and Economy (M.A.) in Bochum und Dunkerque. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie als Produktionsleiterin u. a. für das Theaterfestival FAVORITEN tätig und realisiert als Mitglied der scheinzeitmenschen eigene künstlerische Projekte. 

Johanna-Yasirra Kluhs ist freie Programm- und Produktionsdramaturgin. Nach einem Studium der Germanistik und der Philosophie war sie gemeinsam mit Felizitas Stilleke künstlerische Leiterin des Festivals FAVORITEN 2014. Mit Anne Hirth konzipierte und leitete sie das Festival FUX  an den Wuppertaler Bühnen. 2014/15 gehörte sie zur Auswahljury des NRW Kinder- und Jugendtheatertreffens Westwind. Sie arbeitete als Programmdramaturgin am Theater im Pumpenhaus Münster und am Südpol Luzern. Derzeit co-leitet sie das Programm Interkultur Ruhr, ist Mitglied der Auswahljury des Festivals Politik im Freien Theater und arbeitet als Produktionsdramaturgin mit verschiedenen Regisseur*innen und Choreograf*innen.

Antje Schupp studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Cultural Studies in Wien und Regie für Theater und Oper an der Bayerischen Theaterakademie in München. Sie inszeniert Sprech- und Musiktheater und entwickelt eigene Performances und Projekte, die sich mit dem Verhältnis des/der Einzelnen zu seiner/ihrer gesellschaftlich-politischen Umwelt beschäftigen. In Zusammenarbeit mit Beatrice Fleischlin entstanden „there’s something about love“, „LOVE.STATE.KOSOVO“ und „Islam für Christen – Ein Crashkurs (Level A1)“; mit Ariane Andereggen entwickelte sie „trust us: don’t trust us“ und 2014 das Solo „REIN GOLD“. Im März 2018 hatte ihre Inszenierung der Barockoper „Motezuma“ von Antonio Vivaldi am Theater Ulm Premiere.