Impulse Theater Festival

Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr

13.— 23. Juni 2019

Akademie #1 — Kunst unter Druck

Freies Theater zwischen Rechtsruck, Identitätspolitiken und Selbstverantwortung
14.–17.06., Ringlokschuppen Ruhr
Leitung: Katalin Erdődi
Sprache: vorwiegend Englisch

Die Kultur ist weltweit zum ideologischen Schlachtfeld geworden: von Störaktionen rechtsextremer Gruppen und Forderungen, die Budgets kritischer Kunstinstitutionen zu kürzen, bis hin zur Abschaffung des Kulturministeriums in Brasilien und Repressionen gegen kritische Stimmen z. B. in Russland und der Türkei, aber auch in Ungarn und Polen. Gleichzeitig wird aus feministischen, antirassistischen und dekolonialen Perspektiven gefordert, Kunstfreiheit nicht absolut zu setzen, sondern tradierte Darstellungsweisen und Machtverhältnisse radikal infrage zu stellen und an ihrer Überwindung zu arbeiten.

Wie kann Kunstfreiheit unter diesen Bedingungen geschützt werden – und genutzt? Und was darf die Kunst? Die AKADEMIE lädt dazu ein, Erfahrungen und Standpunkte zu diesen Fragen auszutauschen und an einem Manifest für die Kunstfreiheit mitzuwirken, das die aktuellen Debatten dokumentiert und Visionen für einen Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart skizziert. Grundlage des Manifests sind Impulsvorträge von Theaterschaffenden und Theoretiker*innen aus dem deutschsprachigen Raum wie auch von internationalen Beitragenden sowie ausführliche Diskussionen im Plenum und in kleineren Runden. Neben dem diskursiven Austausch laden ortsspezifische Performances zu einer unmittelbaren Konfrontation mit dem Thema des jeweiligen Tages ein.

Die AKADEMIE versucht, einen Begriff von Kunstfreiheit zu entwickeln, der präzise unterscheidet zwischen Beschneidungen künstlerischer Freiheit mit dem Ziel, neue Hegemonien zu errichten, und kritischen Interventionen, die darauf ausgerichtet sind, die hegemoniale Tradition der westlichen Kunst selbst zu überwinden. Sie fragt, mit welchen Strategien die Freie Theaterszene nachhaltigen Widerstand gegen die gegenwärtigen Formen des Faschismus und Politiken der Ausgrenzung und Abwertung leisten kann. Dabei nimmt sie auch die Selbstverantwortung der Theaterschaffenden und ihrer Institutionen in den Blick, ihre eigene Praxis kritisch zu hinterfragen — von Darstellungsformen bis hin zu transnationaler Förderpolitik und ihren inhärenten Hierarchien. Die AKADEMIE sucht schließlich auch nach Formen, in denen die Freie Theaterszene Konflikte um die Kunstfreiheit verhandeln kann, ohne in identitätspolitische Lagerkämpfe zu verfallen.

Das Manifest der Impulse-AKADEMIE soll Antworten aus verschiedenen Perspektiven bieten, mögliche Wege zeigen und neue Fragen aufwerfen.

dorisdean, © Robin Junicke
dorisdean, © Robin Junicke
dorisdean, © Robin Junicke
dorisdean, © Robin Junicke
dorisdean, © Robin Junicke

14.06. DER KUNST IHRE FREIHEIT! — Strategien gegen den Rechtsruck

Wie reagieren Kunstschaffende in verschiedenen Ländern der Europäischen Union auf den zunehmenden Druck von rechts? Mit welchen künstlerischen und kulturpolitischen Strategien widersetzen sie sich der Bedrohung der Kunstfreiheit? Wie gehen sie mit Störaktionen, der Androhung von Budgetkürzungen und der zunehmenden Einflussnahme auf künstlerische Programme um? Von solidarischen Bündnissen über die vermehrte Vernetzung in der Szene bis hin zu kollektiven Versuchen, mit künstlerischen Mitteln einen wirksamen Dialog über Politik anzustoßen, wird ein breites Spektrum an Handlungsstrategien diskutiert — sowie die Frage, inwieweit die aktuelle Gesetzgebung die Freiheit der Kunst tatsächlich garantieren kann.

10:00-11:45 Performance/Warm-up, dorisdean (NRW): ZIRKELTRAINING GEGEN RECHTSPOPULISTISCHE ÄNGSTE

Ringlokschuppen Ruhr, Bühne 2
Sprache: Deutsch und Englisch

Hoch die Gewichte der Welt. Muskeln trainieren. Muskeln der Freiheit. Wie frei sind wir auf den Bühnen, die die Welt bedeuten? Gehen, rollen, stottern, weinen, am Reck der Zeit, mit dem ledernen Medizinball im Mund. dorisdean lädt zum interaktiven Zirkeltraining ein. Wir stärken uns gegenseitig in unseren Schwächen. Dreißig Minuten schwitzen für die Kunst. Detox gegen rechtspopulistische Ängste.

Von und mit: dorisdean (Christopher Bruckman, Philipp Hohmann, Patrizia Kubanek, Miriam Michel, Charis Nass)

11:00–17:00 Kurzvorträge, Diskussion, Tischgespräche, Redaktionsversammlung

Ringlokschuppen Ruhr, Bühne 3

11:00 Kurzvorträge von Rose Gibbs (Keep it Complex, London), Yvonne Gimpel (IG Kultur Österreich, Wien), Goran Injac (Mladinsko Theater, Ljubljana), Hannah Saar (Die Vielen, NRW), Hoang Tran Hieu Hanh (Gala Global / Turbo Pascal, Berlin), Sascha Wolf (Heinrich Heine-Universität, Düsseldorf)
13:00 Mittagessen
14:00 Podiumsdiskussion mit den Vortragenden, Moderation: Katalin Erdődi (Wien)
14:45 Pause
15:00 Tischgespräche mit den Vortragenden
16:00 Pause
16:15 Resümee und Redaktionsversammlung: Ein Manifest für die Kunstfreiheit, Moderation: Rose Gibbs (London) und Julia Tirler (Wien)
17:00 Shuttle zum SHOWCASE in Düsseldorf

Biografien

dorisdean ist ein post-inklusives Künstler*innenkollektiv aus NRW, das aus Performer*innen mit unterschiedlichen Körperlichkeiten besteht. Seit 2011 erarbeitet dorisdean Performances zu Fragen des menschlichen Zusammenlebens, der Kommunikation und des Unbehagens. Dabei gilt die Aufmerksamkeit stets dem Defekt, dem Unperfekten im/am Menschen, dem Stigma. Untersucht werden Ängste, Spannungen, Fragen nach Normalitäten und Grundsätze gesellschaftlicher Zusammenhänge. Für die Impulse-AKADEMIE entwickelt dorisdean die zweite Ausgabe seines Zirkeltrainings, dessen erste Fassung auf Einladung von Nazis & Goldmund in Zusammenarbeit mit der Autorin Lisa Danulat 2018 in Berlin entstanden ist.

Katalin Erdődi ist Kuratorin, Dramaturgin und Autorin im Bereich zeitgenössische Kunst und Performance. Ihre Schwerpunkte sind transdisziplinäre Zusammenarbeit, politisch engagierte künstlerische und kuratorische Strategien sowie experimentelle Performance. Als Kuratorin war sie für Institutionen und Festivals wie u. a. Trafó Budapest, Ludwig Museum Budapest, GfZK Leipzig, brut / imagetanz-Festival Wien und steirischer herbst Graz tätig. Seit 2019 ist sie Mitglied des Kuratoriums für Theater, Tanz und Performance der Stadt Wien. Als Dramaturgin arbeitete sie mit den Künstler*innen Gin Müller, Oleg Soulimenko, Sööt/Zeyringer und Doris Uhlich zusammen. Sie veröffentlicht Essays und Kritiken in Theater- und Kunstzeitschriften.

Rose Gibbs ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin und hat verschiedene Plattformen für Austausch und Unterstützung im Feld kultureller Demokratie und Feminismus gegründet. Zurzeit arbeitet sie mit einer Gruppe von Labour-Party-Aktivist*innen, um in einem kollaborativen Prozess das Kulturpolitik-Manifest der Labour Party umzuschreiben („The Movement for Cultural Democracy“). Sie ist Teil von „Keep it Complex“, einem Kollektiv, das aus einer Künstler*innenkampagne zum Verbleib Großbritanniens in der EU entstanden ist. „Keep it Complex“ nutzt Kunst als Werkzeug für Politik, um die Kunstszene nach dem EU-Referendum zu befähigen und zu motivieren, sich gemeinsam gegen Angst und Apathie einzusetzen.

Yvonne Gimpel ist Geschäftsführerin von IG Kultur Österreich, der Dachorganisation unabhängiger kultureller Initiativen in Österreich. Kern ihrer Arbeit sind Interessenvertretung und Unterstützung mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen professioneller Kulturschaffender zu verbessern. Sie ist Gründungsmitglied der Plattform „Arts Right Justice Austria“, Vorstandsmitglied der österreichischen Arbeitsgruppe für kulturelle Diversität, Aufsichtsratsmitglied des österreichischen Kulturausschusses, Mitglied des internationalen U30-Netzwerks für kulturelle Diversität und Trainee des EU Global Cultural Leadership Programme. Vor ihrer Tätigkeit bei IG Kultur war sie stellvertretende Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission.

Goran Injac ist Kurator in den darstellenden Künsten, Dramaturg, Dozent und Forscher. Er verfasste zahlreiche Artikel, Kritiken und Essays u. a. in polnischen, serbischen und slowenischen Theater- und Kunstzeitschriften. Als freier Kurator hat er mit internationalen Theater- und Kunstfestivals und -instituten, Repertoiretheatern und freien Theatergruppen zusammengearbeitet. Er war einer der Gründer*innen und Kurator*innen der East European Performing Arts Platform (EEPAP). Von 2012 bis 2014 kuratierte er den Bereich International Projects and Side Programme am Stary Teatr in Krakau. Seit 2014 ist er künstlerischer Leiter des Mladinsko Theaters in Ljubljana. Als Dramaturg arbeitet er vor allem mit dem Regisseur Oliver Frljić.

Hannah Saar studierte Theater- und Kulturwissenschaft in München und London und setzt sich mit Authentizität und Reproduktion von Ungleichheit im Gegenwartstheater auseinander. Sie arbeitete als Produzentin und Dramaturgin in der Freien Szene (u. a. HAU Hebbel am Ufer, Theater Rampe, FFT Düsseldorf, Münchner Kammerspiele) und ist Teil von HAUPTAKTION. Hannah Saar ist außerdem Mitbegründerin der INITIATIVE für SOLIDARITÄT am THEATER. Seit der Spielzeit 2018/19 ist sie Dramaturgin am Theater Oberhausen.

Julia Tirler ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin und studierte an den Universitäten Innsbruck, Wien und Siena sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2012 gründete sie im Kontext der Ausstellung „KEINE ZEIT Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können“ im 21er Haus in Wien das Kollektiv Interdinner mit, das mit künstlerischen, aktivistischen und theoriegeleiteten Strategien Ausbeutung im Kulturbereich thematisierte. Aktuell forscht sie in Wien, Paris und Madrid zu Kollektivität, intersektionalen Feminismen und Repräsentationskritik.

Hoang Tran Hieu Hanh ist eine performative Aktivistin of Colour aus Berlin. Ihre zentralen Forschungsinteressen sind Staatenlosigkeit, Antirassismus, Identitätspolitiken und die Politiken von Performativität. Sie performte als Teil des „Gala Global“-Ensembles von Turbo Pascal am Deutschen Theater Berlin, das verschiedene Stimmen zum Thema Weltbürger*innenschaft präsentierte.

Turbo Pascal wurde im Rahmen des Studiums Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim gegründet. Seit 2008 hat das Kollektiv seinen Hauptsitz in Berlin und arbeitet dort an den Sophiensælen, am HAU Hebbel am Ufer, am Heimathafen Neukölln, am Deutschen Theater und am Theater an der Parkaue. Aktuell besteht das Kollektiv aus Angela Löer, Frank Oberhäußer und Eva Plischke (Konzeption, Performance), Janina Janke (Bühne, Kostüme), Friedrich Greiling (Musik) und weiteren assoziierten Künstler*innen. Für seine interaktiven und partizipativen Arbeiten erhielt Turbo Pascal 2018 den George-Tabori-Förderpreis. Auf dem Vorplatz des Deutschen Theaters inszenierte Turbo Pascal 2018 das Projekt „Gala Global“.

Sascha Wolf studierte Rechtswissenschaft mit Schwerpunkt Völkerrecht und europäisches Unionsrecht. Seit 2014 arbeitet er am Lehrstuhl von Sophie Schönberger an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sein wissenschaftliches Hauptinteresse gilt dem Aufeinandertreffen von Staat und Gesellschaft im Bereich Kunstfreiheit und Kommunikationsgrundrechte. In einem aktuellen Publikationsvorhaben untersucht er die verfassungsrechtlichen Hintergründe einer im vergangenen Oktober durch die Dessauer Bauhausstiftung erfolgten Konzertabsage, die sich sowohl auf die Staatsferne des Rundfunks als auch auf die Kunstfreiheit der Band Feine Sahne Fischfilet auswirkte.

15.06. WESSEN FREIHEIT? — Kunstfreiheit als Privileg der Mehrheitsgesellschaft

Europaweit manifestiert sich der Aufstieg des Rechtspopulismus in einem antifeministischen Backlash und der Zunahme von Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit. Um dieser Entwicklung angemessen begegnen zu können, müssen Theaterschaffende ihre eigene Praxis aus feministischer, antirassistischer und dekolonialer Perspektive kritisch untersuchen — das gilt auch für das Konzept „Kunstfreiheit“ mit seinem trügerischen Universalitätsanspruch: Wer kann das Privileg dieser Freiheit genießen? Sollten der Kunstfreiheit unter bestimmten Bedingungen Grenzen gesetzt werden? Wie gehen Kunstschaffende damit um, dass sich die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse in den Strukturen ihrer Institutionen und deren Programm abbilden? Kann das Freie Theater seinem Selbstverständnis als diversifiziertem Ort gerecht werden oder ist es immer noch das Theater der Mehrheitsgesellschaft?

10:00-11:00 Performance/Frühstück, EsRAP (Wien): COMEDY-SPEZIAL — AUSLÄNDER MIT VERGNÜGEN

dezentrale, Leineweberstraße 15-17, 45468 Mülheim an der Ruhr
Sprache: Deutsch

Das Künstler*innenduo Esra Özmen und Enes Özmen alias EsRAP beglückt seine Fans nicht nur mit Musik, sondern auch mit Comedy-Performances, in denen sie über den migrantischen Alltag in Wien-Ottakring, das Aufwachsen in einer Gastarbeiterfamilie und vieles mehr erzählen: „Ich erzähl hier nicht nur meine eigenen Erfahrungen. Ich bin nicht nur die Esra, ich bin ein Teil der Gesellschaft. Ich trage ihre Diskriminierungen, das System des Rassismus undsoweiter undsofort, deswegen seh ich in meiner Arbeit auch die Verantwortung, das mit meiner Gesellschaft zu teilen. Es gibt unbequeme Wahrheiten, die wir nicht hören wollen … unbequeme Wahrheiten, Baby.“ Im Juni 2019 erscheint EsRAPs Debütalbum „Tschuschistan“.

Von und mit: EsRAP (Esra Özmen, Enes Özmen)

11:30-17:30 Kurzvorträge, Diskussion, Tischgespräche, Redaktionsversammlung

Ringlokschuppen Ruhr, Bühne 3

11:30 Kurzvorträge von Rachida Aziz (Le Space, Brüssel), Jakob Hayner (Theater der Zeit, Berlin), Gin Müller (Wien), Yves Regenass (Lausen/Berlin), Franziska Werner (Sophiensæle, Berlin), Julia Wissert (Berlin)
13:30 Mittagessen
14:30 Podiumsdiskussion mit den Vortragenden, Moderation: Azadeh Sharifi (Berlin/München)
15:15 Pause
15:30 Tischgespräche mit den Vortragenden
16:30 Pause
16:45 Resümee und Redaktionsversammlung: Ein Manifest für die Kunstfreiheit, Moderation: Rose Gibbs (London) und Julia Tirler (Wien)
17:30 Shuttle zum SHOWCASE in Düsseldorf

Biografien

Rachida Aziz erschafft Gemeinschaften. Ihr Denken und Handeln dreht sich um die Verflechtung verschiedener Kämpfe und Strategien sowie um die Analyse von deren Einfluss auf den Prozess der Vergemeinschaftung. 2015 gründete sie in Brüssel Le Space, ein Labor für das Kulturzentrum der Zukunft. Es ist Zufluchtsort für die neue hybride Identität, die sich inmitten der diversen Bevölkerung unserer Städte zu Hause fühlt. Es ist Treffpunkt für Künstler*innen, Aktivist*innen, ökologische Start-ups und kulturelle Organisationen. Vor allem aber ist Le Space ein Safe Space für Respekt und Solidarität. Aziz’ Buch „Niemand zal hier slapen vannacht“ (Niemand wird heute Nacht hier schlafen) wurde 2017 bei EPO veröffentlicht.

EsRAP (Esra Özmen und Enes Özmen) ist ein junges wortstarkes Rap-Duo aus Wien, das kein Blatt vor den Mund nimmt, um seine Meinung zur österreichischen Politik und zu sozialkritischen Themen kundzutun. Seit 2011 beschäftigt sich EsRAP in gemischt deutsch-türkischen Texten mit Fragen der Identität, dem Fremdsein im eigenen Land als Kinder der dritten Generation, der am eigenen Leib erfahrenen Notwendigkeit des Aufbegehrens, mit Rap als Widerstand und auch mit dem Frausein in der männerdominierten Hip-Hop-Welt. Seit 2018 macht das Geschwisterpaar nicht nur Musik, sondern beglückt seine Fans auch mit Comedy-Performances.

Rose Gibbs ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin und hat verschiedene Plattformen für Austausch und Unterstützung im Feld kultureller Demokratie und Feminismus gegründet. Zurzeit arbeitet sie mit einer Gruppe von Labour-Party-Aktivist*innen, um in einem kollaborativen Prozess das Kulturpolitik-Manifest der Labour Party umzuschreiben („The Movement for Cultural Democracy“). Sie ist Teil von „Keep it Complex“, einem Kollektiv, das aus einer Künstler*innenkampagne zum Verbleib Großbritanniens in der EU entstanden ist. „Keep it Complex“ nutzt Kunst als Werkzeug für Politik, um die Kunstszene nach dem EU-Referendum zu befähigen und zu motivieren, sich gemeinsam gegen Angst und Apathie einzusetzen.

Jakob Hayner studierte Deutsche Literatur und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für verschiedene linke Zeitschriften und Zeitungen, in denen er vor allem über Theater, Literatur, Film, Philosophie und Politik schreibt. Seit August 2016 ist er Redakteur bei „Theater der Zeit — Zeitschrift für Theater und Politik“, seit der Spielzeit 2018/19 schreibt er dort zudem monatlich eine Kolumne. Er hat Aufsätze in verschiedenen wissenschaftlichen Sammelbänden veröffentlicht, vor allem zu kritischer Theorie. Demnächst wird von ihm ein Buch zur Erneuerung des politischen Theaters erscheinen.

Gin Müller ist Dramaturg und Ar/ktivist mit Schwerpunkt Theater / Performance / Queer Studies. Er ist Lektor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien und derzeit Gastprofessor an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zu seinen eigenen Theater- und Performancearbeiten am brut Wien und in Mexico City zählen u. a. „FantomasMonster“, „TransGenderMoves“ und „Melodrom/Rebelodrom — NoborderZone“. Er war Mitbegründer der VolxTheaterKarawane und der Band SV Damenkraft. Von 2012 bis 2013 war er war aktiv im Refugee Protest Vienna, seit 2014 engagiert er sich bei Queer Base, dem LGBTIQ-Welcome and Support-Projekt der Rosa Lila Villa in Wien. 2008 veröffentlichte er das Buch „Possen des Performativen. Theater, Aktivismus und queere Politiken“.

Yves Regenass studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Er ist Gründungsmitglied von machina eX und hat mit dem Game-Theater-Kollektiv zahlreiche Arbeiten im In- und Ausland realisiert. Von 2013 bis 2017 arbeitete er außerdem als Programmdramaturg am ROXY Birsfelden. Als freischaffender Performer, Tanz- und Theaterdramaturg realisierte er u. a. Projekte mit yuri500, vorschlag:hammer, Trickster-p und Thom Truong — für letztere begleitete er als Dramaturg die Performance „Enjoy Racism“. Im Rahmen seines Studiums setzte er sich intensiv mit Brett Baileys Arbeit „Exhibit A“ auseinander.

Azadeh Sharifi ist Kultur- und Theaterwissenschaftlerin. Seit 2016 arbeitet sie an ihrem Postdoc-Projekt „(Post)migrantisches Theater in der deutschen Theatergeschichte — (Dis)Kontinuitäten von Ästhetiken und Narrativen“ am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München. Darin forscht sie zur Theatergeschichte von migrantischen Künstler*innen und Künstler*innen of Color in Deutschland seit Beginn der Arbeitsmigration. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit hält sie Vorträge, Workshops und Lecture-Performances. Sie war Mitglied der Jurys der Festivals Augenblick mal! 2017 und Politik im Freien Theater 2018. Seit 2018 ist sie Teil der Jury für die Spartenoffene Förderung des Senats Berlin.

Julia Tirler ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin und studierte an den Universitäten Innsbruck, Wien und Siena sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2012 gründete sie im Kontext der Ausstellung „KEINE ZEIT Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können“ im 21er Haus in Wien das Kollektiv Interdinner mit, das mit künstlerischen, aktivistischen und theoriegeleiteten Strategien Ausbeutung im Kulturbereich thematisierte. Aktuell forscht sie in Wien, Paris und Madrid zu Kollektivität, intersektionalen Feminismen und Repräsentationskritik.

Franziska Werner ist seit 2011 Künstlerische Leiterin der Sophiensæle Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation, Kunstgeschichte und Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Études théâtrales an der Sorbonne Nouvelle Paris. Seit 2001 hat sie als freie Produktionsleiterin und Dramaturgin mit verschiedenen Künstler*innen in Berlin und für Festivals und Produktionsorte deutschlandweit gearbeitet. Seit 2012 ist sie Mitglied im Rat für die Künste Berlin mit den Arbeitsschwerpunkten Förderpolitik und Stärkung der Belange der freien darstellenden Künste aller Sparten. Sie ist Teil diverser Jurys und Mentoringprogramme mit dem Schwerpunkt Nachwuchsförderung.

Julia Wissert studierte Theater und Medienkunst mit dem Schwerpunkt performative Künste an der University of Surrey und Regie bei Amélie Niermeyer an der Universität Mozarteum Salzburg. In London hat sie die freie Performancegruppe „Banditos Perditos“ mitgegründet und erste Regieerfahrungen im Bereich der Stückentwicklung und der ortsspezifischen Performance gesammelt. Ihre Arbeit ist von den Fragen geprägt, wie Theater eine Gesellschaft verändern und wie Theater(-produktion) nachhaltig sein und wirken kann. Ihre Arbeiten wurden bisher mit dem Publikumspreis des Körber Studio Junge Regie, dem Preis der Stadt Salzburg und dem Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet. Julia Wissert ist designierte Schauspieldirektorin am Theater Dortmund.

Tickets (AUSVERKAUFT)

16.06. WES BROT ICH ESS, DES LIED ICH SING? — Kunstfreiheit zwischen antidemokratischen Tendenzen und internationaler Kulturpolitik

Lange Zeit haben Theaterschaffende in der Europäischen Union sich in Sicherheit gewiegt, während ihre Kolleg*innen in anderen politischen und kulturellen Kontexten Einschränkungen ihrer Freiheit bis hin zu scharfen Repressionen erfahren haben. Wie handeln Künstler*innen und Kunstinstitutionen unter antidemokratischen bzw. autoritären Regierungen, in denen öffentliche Mittel oft nur um den Preis politischer Anpassung vergeben werden? Oder wenn es kaum Unterstützung für die freien darstellenden Künste gibt? Und wie wirken sich die Förderkriterien westlicher Kulturpolitik auf die Kunstfreiheit aus, wenn sie in diesen Situationen mit Sonderprogrammen und Kooperationsprojekten interveniert?

10:00-16:00 Kurzvorträge, Diskussion, Tischgespräche, Redaktionsversammlung

Ringlokschuppen Ruhr, Bühne 3

10:00 Kurzvorträge von Agata Adamiecka-Sitek (Zbigniew Raszewski Theatre Institute, Warschau), Diya Naidu (EF_FEMININITY, Bangalore), Henrique Saidel (Porto Alegre), Melis Tezkan / Okan Urun (biriken, Istanbul/Paris), Nelisiwe Xaba (Johannesburg), Salam Yousry (The Choir Project, Kairo)
11:30 Pause
11:45 Podiumsdiskussion mit den Vortragenden, Moderation: Johanna-Yasirra Kluhs (Interkultur Ruhr, Essen)
12:30 Mittagessen
13:30 Tischgespräche mit den Vortragenden
14:30 Pause
14:45 Resümee und Redaktionsversammlung: Ein Manifest für die Kunstfreiheit, Moderation: Rose Gibbs (London) und Julia Tirler (Wien)

16:00-17:00 Stadtspaziergang/Performance, Roman Osminkin (St. Petersburg): NOT A WORD ABOUT POLITICS (KEIN WORT ÜBER POLITIK)

Treffpunkt: Ringlokschuppen Ruhr
Sprache: Englisch

Der Dichter, Performer und Videokünstler Roman Osminkin entführt das Publikum auf einen Spaziergang durch Mülheim, der lokale Geschichten und Merkmale der Stadt mit poetischen Interventionen verbindet, die seinem 2016 erschienenen Gedichtband „Not A Word About Politics!“ entlehnt sind. Darin thematisiert er u. a. die politische Repression in Russland, von der nicht nur Kunstschaffende, sondern große Teile der Gesellschaft betroffen sind: Sie reden kein Wort mehr über Politik. Mit scharfem Humor beschreibt Osminkin die gesundheitlichen Vorteile eines apolitischen Lebens, nimmt die Tagespolitik unter die Lupe, reflektiert über Vorstellungen von Heimat und Nationalismus und benennt mit gebührender Selbstironie den Kontrast zwischen der Realität politisch engagierter Kunstschaffender und ihrem Wunsch, Teil einer tatsächlich revolutionären Linken zu sein.

Performance & Gedichte: Roman Osminkin / Audioguide: Kai Rawe (Beratung Stadtgeschichte), Katalin Erdödi (Text), Anat Stainberg (Stimme), Martin Siewert (Tonaufnahme) / Besonderen Dank: Teresa Künstler, LIGNA

17:00 Shuttle zum SHOWCASE in Düsseldorf

Biografien

Agata Adamiecka-Sitek arbeitet am Zbigniew Raszewski Theatre Institute, wo sie u. a. ein Forschungsprogramm zum polnischen Theater aus einer genderbewussten und queeren Perspektive leitet. Sie unterrichtet an der Nationalakademie für Drama in Warschau und ist Autorin des Bandes „Theatre and Text. Staging in Postmodern Theatre“ (2006) sowie weiterer Essays und Artikel in den Zeitschriften „Dialog“, „Didaskalia“, „Teatr“ und „Notatnik Teatralny“ und verschiedenen Sammelbänden. Agata Adamiecka-Sitek ist Redaktionsmitglied des „Polish Theatre Journal“ und Co-Kuratorin des Forum for the Future of Culture. Gemeinsam mit der Regisseurin Marta Gornícka arbeitet sie am feministischen Langzeitprojekt „Chorus of Women“.

biriken wurde 2006 von Melis Tezkan und Okan Urun gegründet. biriken — türkisch für „akkumuliert“ — realisiert in der Türkei und Frankeich Arbeiten in den Bereichen Theater, Video und Performance. Zu den jüngsten Projekten zählen u. a. die installative Performance „This is the end, beautiful friend“ (2017) für die Sharjah-Biennale 13 und das Theaterstück „I shut down my heart until the apocalypse“ (2016) beim Istanbul Theatre Festival. Zurzeit arbeitet biriken in Frankreich am nächsten Theaterprojekt, „THE WEST IS THE BEST“. birikens Arbeiten befassen sich mit der gegenwärtigen Realität, sei es aus einer alltäglichen, sozialen oder konzeptuellen Perspektive.

Rose Gibbs ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin und hat verschiedene Plattformen für Austausch und Unterstützung im Feld kultureller Demokratie und Feminismus gegründet. Zurzeit arbeitet sie mit einer Gruppe von Labour-Party-Aktivist*innen, um in einem kollaborativen Prozess das Kulturpolitik-Manifest der Labour Party umzuschreiben („The Movement for Cultural Democracy“). Sie ist Teil von „Keep it Complex“, einem Kollektiv, das aus einer Künstler*innenkampagne zum Verbleib Großbritanniens in der EU entstanden ist. „Keep it Complex“ nutzt Kunst als Werkzeug für Politik, um die Kunstszene nach dem EU-Referendum zu befähigen und zu motivieren, sich gemeinsam gegen Angst und Apathie einzusetzen.

Johanna-Yasirra Kluhs arbeitet als freie Programm- und Produktionsdramaturgin. Seit Abschluss ihres Studiums der Germanistik und der Philosophie entwickelt sie kollaborative Strategien einer dramaturgischen Praxis. Sie arbeitete als Assistentin, Dramaturgin und Co-Leiterin für Festivals und Produktionshäuser der freien darstellenden Künste und war Teil diverser Programm-, Preis- und Förderjurys für bildende und darstellende Künstler*innen. Zurzeit arbeitet sie vor allem als künstlerische Beraterin und Dramaturgin mit verschiedenen Künstler*innenkollektiven, Regisseur*innen und Choreograf*innen. Von 2016 bis 2021 leitet sie gemeinsam mit dem Kurator Fabian Saavedra-Lara das regionale Kulturprogramm „Interkultur Ruhr“.

Diya Naidu ist freie Künstlerin und lebt in Bangalore. Seit 2014 inszeniert sie als zeitgenössische Tänzerin und Choreografin Solos und Ensemblestücke, die sich u. a. mit Gender, Altern, Identitätsverlust, Berührung und Intimität auseinandersetzen. Sie arbeitet häufig in den Medien Film, story-telling und Theater — von immersiven Formaten bis zur großen Bühne. Zurzeit tourt sie als Teil der indisch-schweizerischen Kollaboration EF_FEMININITY, die auch im Impulse-SHOWCASE zu sehen ist. Diya Naidu leitet das Citizens of Stage Co Lab, ein Kollektiv freier Tänzer*innen aus Bangalore, dessen Ziel ist, Bewegung in die Leben der Menschen zu bringen und Tanz dadurch zu einer nachhaltigen Praxis zu machen.

Roman Osminkin ist Lyriker, Kunsttheoretiker, Dramatiker, Performer und Videokünstler und lebt in St. Petersburg. Er hat am Russischen Institut für Kunstgeschichte promoviert und ist Mitglied der St. Petersburger Schriftsteller*innengewerkschaft. Er lehrt an der School of Engaged Art (Chto Delat) und zählt zum Redaktionsteam von „Translit“, der einflussreichsten linken Poesie- und Literaturtheorie-Zeitschrift Russlands. Osminkin war Mitglied des Laboratory of Poetic Actionism, das Videogedichte mit Interventionen in den öffentlichen Raum kombinierte. Er interessiert sich für die Wechselwirkung von Poesie und Politik in Texten und Bildern und experimentiert mit verschiedenen Medien: Körper und Text, Stimme und Sprache.

Henrique Saidel ist Theaterregisseur, Performancekünstler, Kurator, Dozent, Forscher und Spielzeugsammler. Er arbeitet als Professor für Regie am Drama Institute der Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Porto Alegre, zählt zu den Kurator*innen des Novos Repertórios Festival und wirkt an p.ARTE — Mostra de Performance Art mit. Er ist Redakteur der kritischen Website „Bocas Malditas — Cena, crítica e contexto“ in Curitiba und des Blogs „Qorpo Qrítico — teatro e outras cenas“. Schlagwörter für seine Arbeit als Künstler und Forscher sind u. a. Fake, Simulakrum, Kitsch, Pornografie, nicht-normative Männlichkeiten, Anthropophagie und Politik.

Julia Tirler ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin und studierte an den Universitäten Innsbruck, Wien und Siena sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2012 gründete sie im Kontext der Ausstellung „KEINE ZEIT Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können“ im 21er Haus in Wien das Kollektiv Interdinner mit, das mit künstlerischen, aktivistischen und theoriegeleiteten Strategien Ausbeutung im Kulturbereich thematisierte. Aktuell forscht sie in Wien, Paris und Madrid zu Kollektivität, intersektionalen Feminismen und Repräsentationskritik.

Nelisiwe Xaba ist eine aus Johannesburg stammende Künstlerin und eine der erfolgreichsten Choreograf*innen Südafrikas. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit dem europäischen Bild des „afrikanischen Tanzes“, der Darstellung von Weiblichkeit und Exotismus und ihrer Rolle als schwarze Tänzerin auseinander, zuletzt in „Urban Mermaid“ (2016) und „The Last Attitude“ (mit Mamela Nyamza, 2015). Zurzeit entwickelt sie gemeinsam mit den Choreografinnen Kettly Noël aus Bamako, Vera Sander aus Köln und Rafaële Giovanola aus Bonn die Performance „Signifying Ghosts“ rund um Jacques Derridas Werk „Marx’ Gespenster“, die im Juni 2019 im Rahmen der Mülheimer Afrikatage im Ringlokschuppen Ruhr aufgeführt wird.

Salam Yousry ist Theaterregisseur, Autor und bildender Künstler und lebt in Kairo. 2002 gründete er die Theatergruppe Al-Tamye, 2012 das Combo Independent Festival. 2010 begründete er The Choir Project, eine Initiative, die die breite Öffentlichkeit zu Workshops einlädt, in denen in kollektiver Arbeit Songtexte und Lieder geschrieben werden. Seitdem hat er zahlreiche Community-Workshops zu songwriting und Performance geleitet — in Alexandria, Amman, Beirut, Kairo, Graz, London, München, Berlin, Paris, Baku, Budapest, Istanbul, Kopenhagen, Genf und Milwaukee. Darüber hinaus produziert er Musikvideos, Dokumentarfilme und Kurzfilme und ist Managementberater für MAAT|CCDC — Cairo Contemporary Dance Center and School.

17.06. EIN MANIFEST FÜR DIE KUNSTFREIHEIT — Redaktionsversammlung und Abschlussbrunch

Am vierten Tag der AKADEMIE wird das „Manifest für die Kunstfreiheit“ fertiggestellt. In dieser letzten Redaktionsversammlung haben alle Akademieteilnehmer*innen mitsamt dem Publikum die Gelegenheit, das vorliegende Material nochmals einer kritischen Prüfung zu unterziehen, die Positionen des Manifests zu ergänzen und zu präzisieren sowie fehlende, aber relevante Punkte zu formulieren und zur Diskussion zu stellen. Der Prozess wird von den Redaktionsleiter*innen moderiert.

Der Eintritt ist frei.

10:00-14:00 Redaktionsversammlung, Abschlussbrunch

Ringlokschuppen Ruhr, Bühne 3

10:00 Redaktionsversammlung, Moderation: Rose Gibbs (London) und Julia Tirler (Wien)
13:00 Abschlussbrunch

Biografien

Rose Gibbs ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin und hat verschiedene Plattformen für Austausch und Unterstützung im Feld kultureller Demokratie und Feminismus gegründet. Zurzeit arbeitet sie mit einer Gruppe von Labour-Party-Aktivist*innen, um in einem kollaborativen Prozess das Kulturpolitik-Manifest der Labour Party umzuschreiben („The Movement for Cultural Democracy“). Sie ist Teil von „Keep it Complex“, einem Kollektiv, das aus einer Künstler*innenkampagne zum Verbleib Großbritanniens in der EU entstanden ist. „Keep it Complex“ nutzt Kunst als Werkzeug für Politik, um die Kunstszene nach dem EU-Referendum zu befähigen und zu motivieren, sich gemeinsam gegen Angst und Apathie einzusetzen.

Julia Tirler ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin und studierte an den Universitäten Innsbruck, Wien und Siena sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2012 gründete sie im Kontext der Ausstellung „KEINE ZEIT Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können“ im 21er Haus in Wien das Kollektiv Interdinner mit, das mit künstlerischen, aktivistischen und theoriegeleiteten Strategien Ausbeutung im Kulturbereich thematisierte. Aktuell forscht sie in Wien, Paris und Madrid zu Kollektivität, intersektionalen Feminismen und Repräsentationskritik.