9.–19. Juni 2022 in Mülheim an der Ruhr, Köln und Düsseldorf
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404-Totlink

Menschen sterben, doch die von ihnen geschaffenen Webinhalte existieren weiter. Die Hyperlink-Installation von DARUM zeigt, welche virtuellen Spuren auch nach unserem Ableben noch von uns erzählen. Ein Internet-Archiv, das auf essayistische Weise von Tod und urbaner Einsamkeit erzählt.

Die Nutzungsdauer ist individuell verschieden: Empfohlen wird, sich ca. 1,5–2 Stunden Zeit zu nehmen, man kann sich aber unbegrenzt im 404-Totlink-Netz aufhalten.

Die Hyperlink-Installation ist vom 09.06., 20:00 bis inklusive 13.06. durchgängig abrufbar.

Sprache: Deutsch und Englisch

© DARUM
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Laufend werden nicht nur Millionen Websites neu erschaffen, sondern auch wieder vom Netz genommen. Initiativen wie das „Internet Archive” verfolgen das Ziel, digitale Informationen aus dem World Wide Web vor dem virtuellen Tod zu bewahren. Doch was passiert, wenn die Urheber*innen sterben – während ihre digitalen Nachlässe weiter existieren?

404-TOTLINK ist inspiriert von den zum Großteil verloren gegangenen, bunten und oft trashigen Websites der 90er- und frühen 00er-Jahre. Aus zahlreichen miteinander verknüpften Einzelseiten entsteht ein verästeltes Archiv, das sich in Form von Dokumenten, Fotografien und Videos mit den Spuren einsam Verstorbener in Wien sowie mit Fragen nach urbaner Einsamkeit und der Undurchdringbarkeit menschlicher Existenzen befasst. Ein assoziativ wucherndes Labyrinth ohne Anfang und Ende, das seine Besucher*innen dazu einlädt, selbst auf Spurensuche zu gehen, sich darin zu verlieren und dabei auf Vertrautes und Unerwartetes zu stoßen.

Im Rahmen des Projekts hat DARUM zahlreiche Gastkünstler*innen eingeladen, dieses Labyrinth mitzugestalten: Schriftsteller*innen, Musiker*innen, Bildende Künstler*innen, Szenograf*innen, aber auch Expert*innen wie Trauerredner und Köche spinnen das Netz mannigfaltiger Perspektiven auf das Thema weiter und tragen Text-, Bild- und Soundarbeiten bei.

Schon in ihrer Wiener Debütperformance UNGEBETENE GÄSTE beschäftigte sich DARUM mit den Spuren Verstorbener: Fünf einzigartige, nur einmalig stattfindende Aufführungen machten sich auf die Suche nach den Schicksalen von Menschen, die ohne die Anwesenheit Angehöriger bestattet wurden. Dabei standen die Verstorbenen selbst, aber auch die (Un-)Möglichkeit der Rekonstruierbarkeit ihrer Lebensgeschichten im Mittelpunkt. Eingeladen zum Impulse Theater Festival 2020, sollte 2021 eine eigens erarbeitete Kölner Fassung uraufgeführt werden, welche jedoch aufgrund der Covid19-Pandemie nicht realisiert werden konnte.

Credits

Ein Projekt von DARUM, künstlerische Umsetzung und Programmierung: Victoria Halper, Kai Krösche
Künstlerische Mitarbeit: Laura Andreß, Matthias Krische, Clara Hirschmanner
Mit Gastbeiträgen von: Emre Akal, Shabnam Chamani, Simon Dietersdorfer, Franz Hammerbacher, hoelb/hoeb, Andrea Imler, Nora Jacobs, Kristof Kepler, Hannes Benedetto Pircher, Roland Rauschmeier, Mario Schlembach, Andres Stirn, Simon Windisch u.a.
Game-Dramaturgie: Philipp Ehmann & Clara Hirschmanner (Play:Vienna)
Idee: Kai Krösche

Produktion

UNGEBETENE GÄSTE ist eine Produktion von DARUM in Kooperation mit WERK X-Petersplatz (Wien). Gefördert von SHIFT, der Kulturabteilung der Stadt Wien sowie dem Bezirk Innere Stadt.
Die digitale Neufassung 404-TOTLINK ist eine Koproduktion von DARUM mit dem Impulse Theater Festival. Gefördert vom österreichischen Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport.

Biografien

Das 2018 gegründete Kollektiv DARUM. Darstellende Kunst und Musik bewegt sich an entsprechend vielen ästhetischen Schnittstellen. Es formiert sich um Laura Andreß, Victoria Halper und Kai Krösche, die sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen freier und institutioneller darstellender Kunst bewegen. Dieses Kernteam vereint das Know-how aus zahlreichen künstlerischen Disziplinen, darunter Film- und Theaterregie, Dramaturgie, Musik, Literatur, Video- und Medienkunst, Schauspiel und Performance. Der Formensuche von DARUM geht stets die große Frage des „Warum?“ voran. Doch Fragen sind die besseren Antworten: Entsprechend versucht DARUM in seinen künstlerischen Projekten, am Anspruch auf Beantwortung produktiv zu scheitern. UNGEBETENE GÄSTE ist die Debütperformance von DARUM. Im April 2020 kam die performative Installation „Ausgang: Offen“ in Wien zur Aufführung.

Laura Andreß studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Nach Hospitanzen und Assistenzen an verschiedenen Theater- und Performancehäusern sowie -festivals und in der Freien Wiener Theaterszene absolvierte sie ihren Dramaturgie-Master an der HfS „Ernst Busch“ Berlin. Ihr Abschlussprojekt wurde 2018 im Rahmen des Berliner Performing Arts Festivals uraufgeführt. Laura Andreß arbeitet seither als freie Dramaturgin und Produktionsleiterin (u. a. für Florentina Holzinger). Ihre Arbeiten wurden u. a. an der Volksbühne Berlin, im Festspielhaus Hellerau und an den Münchner Kammerspielen gezeigt. 2019 erhielt sie das Startstipendium für darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich.

Victoria Halper studierte Schauspiel und Regie an der University of Toronto. Auf den Spuren ihrer burgenländischen Herkunft emigrierte sie 2010 nach Österreich, wo sie als Regieassistentin an verschiedenen Theaterhäusern tätig war. Von 2013 bis 2016 arbeitete sie als Regisseurin und Cutterin mehrerer Filme, darunter der Kriminalfilm „Kommissar Taler“, für den sie 2015 den Kulturpreis der Stadt Traun erhielt. Seit 2016 bewegt sie sich als freie Regisseurin in einem Experimentierfeld zwischen verschiedenen Formen der darstellenden Kunst: zeitgenössicher Zirkus, Essay-Performance, installative Videokunst und ludification theatre im öffentlichen Raum. 2018 erhielt sie das Startstipendium für darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich.

Kai Krösche ist Regisseur und Musiker. Er studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Philosophie in Wien. Seit 2005 arbeitet er als Regisseur, Musiker und Videokünstler an der Realisierung eigener Theaterprojekte sowie in den Bereichen Musik, Video, Dramaturgie und Performance u. a. am Schauspiel Köln, am Landestheater Niederösterreich, am WUK Wien, am Volkstheater Wien, am WERK X Wien sowie am HochX München. Als Drehbuchautor und Regisseur realisiert er seit 2002 zahlreiche Kurzfilmprojekte. 2018 erhielt er das Startstipendium für darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich. Zwischen 2010 und 2016 arbeitete er als Theater- und Filmkritiker u. a. für nachtkritik.de und die Wiener Zeitung.